Sinn und Unsinn
Kommentare 4

Willkommen in der Realität – Datenschutz im Blümchenland

yes we scan

Als ich letzte Woche begann an diesem kleinen Artikel herumzuschrauben, wollte ich mich eigentlich nur über durchgedrehte Datenschützer und Anhänger von möglichen und unmöglichen Verschwörungstheorien lustig machen. Später dann offener Mund,es kam dicker als erwartet. Aufregen bringt aber nix. Fatalismus ist angesagt. Uns Smartphone Besitzer, Google-Nutzer und Facebook User lässt die Abhöraffäre ziemlich kalt. Die Gratis-Dienste von Facebook, Google und Microsoft werden weiter genutzt und unsere tollen Smartphones geben wir auch nicht wieder her. Warum uns das Thema Datenschutz erstaunlich kalt lässt. Die aufgedeckte Abhöraffäre, die Unmengen von durch Amis (und dem leider immer noch EU-Mitglied Groß Britannien) abgegriffen Daten, das ist schon ein Hammer, sorgt aber nach ein paar Tage nur noch für resigniertes Schulterzucken. Und ja, ich hatte und habe im Grunde nichts gegen Vorratsdatenspeicherung einzuwenden. Im entsprechenden Kontext, klar umrissen und für eine gewisse Zeit. Aber so? Das ist schon ziemlich krass.

Und diese Aufregung. Unglaublich. Wie vom Donner gerührt wird festgestellt, die Amis und Briten (unserer allseits beliebter BND sicher auch) lesen im Internet mit. Das hätte wir uns nicht nur denken können, es ist schon lange bekannt. Vielleicht nicht in diesem Umfang, aber ich bin mir ziemlich sicher das alle Geheimdienste, falls sie dazu technisch in der Lage sind, Daten einsammeln. So lange wie sie können. Und sie können. Und die Politiker wissen das. Unsere Daten werden nie sicher sein.

Das Internet ist kaputt. Wie das? Das Internet ist nicht kaputt. Es lebt, wächst und gedeiht und die Anbieter von Speichermedien machen das Geschäft ihres Lebens. Da wird gebloggt, gemailt, gefacebookt, gewhatsappt und getwittert bis der Arzt kommt, geklickt, kommentiert in der Öffentlichkeit das unterste nach oben gekehrt und dann wundert man sich das man nicht mehr flüstern darf ohne das die Schlapphütte neugierig mitlesen. Willkommen in der Realität. Lasst um Himmels Willen alle Hoffnung fahren. Früher war’s nur das Telefon, ganz früher und in der Zone die Briefpost und heute wird eben in Neuland mitgelesen. Und zwar alles! Man sollte die wirklich vertraulichen Sachen vielleicht wieder per Brief verschicken. Und wenn nicht, können ja alle Nerds, Neurotiker und Flüsterer ihren Blabla per PGP und Co verschlüsseln. Da haben NSA und Co wenigsten ein paar Minuten länger dran zu knabbern. Und das die Clouds von Dropbox, Google und Co so sicher sind wie ein offenenes Scheunentor war auch vor PRISM und Tempora bekannt gewesen sein. Erschreckend der Umfang, ansonsten haben wir es geahnt, George Orwell hatte mit allem Recht.

Angst macht dieser komplette Scan. Bisher, wahrscheinlich wegen fehlender Speicherkapazität, wurden nicht alle Mails komplett gelesen sondern nur nach Buzz-Words bzw Meta-Daten gescannt. Der britische Dienst GCHQ macht es ein bissen üppiger und speichert laut Guardian nicht nur Metadaten, sondern auch komplette Inhalte. Und die USA wollen (und können) alles von jedem. In der Wüste Utahs gibt es eine fünf Billionen Gigabyte Festplatte. Passt schon. Aber vielleicht sollte wir uns nicht so aufregen. Was interessiert die großen Geheimdienste unserer spiessiges Netzleben. Jagd auf wohl eher auf alles gemacht, was dem üblichen Grundmuster nicht entspricht, sondern andere, verdächtige Muster an Kommunikation und Vernetzungen aufweist.

Datenspeicherung wird es weiter geben. Heisst dann eben anders. Union gibt Vorratsdatenspeicherung nicht auf, benennt sie nur um. In diesem Zusammenhang fällt mir ein, das die Heile-Heile-Welt Datenschutzbewahrer aus Blümchenland auch schon mal nerven. Und wenn es stimmt was behauptet wird und nur ein Terroranschlag durchs das Mitlesen verhindert wurde, dann lest in Dreiteufelsnamen weiter mit. Dann aber bitte keine anlasslose Datenabschöpfung sondern gezielt. Aber das geht wohl aus technischen Dingensbums-Gründen nicht. Ach ja, ein schönes aktuelles Beispiel für durchaus paranoide Datenschutzbefindlichkeiten sind die Einwände gegen die polizeilichen Ermittlung in Sachen Autobahnschütze. Da wurden zwar abertausende Nummerschilder gescannt, der irre Schütze im Rahmen der dadurch resultierenden Erkenntnisse aber letztendlich dingfest gemacht.

Aber das die Amis jetzt diese unglaublichen Datenmengen der eigenen Verbündeten abgreifen sorgt eben zu Recht für große Aufregung. Der Tatbestand selbst ist gar nicht so überraschend, für Stirnrunzeln sorgt eher die von Whistleblower Snowden aufgedeckte Dimension. Der Mann kann einen leid tun den er wird sicher über kurz oder lang auf dem elektrischen Stuhl landen oder im einem amerkianische Gefängnis sterben. Politiker und die Snowden-Affäre: Wahre Lügen.

Geheimdienste machen so was, seit einigen jahren aber fast ohne Sinn und Verstand. Geheime Dokumente belegen, dass die NSA seit Jahren gewaltige Mengen an E-Mail-Daten sammelt und analysiert. In Zukunft sollen es noch viel mehr werden. Und so einiger Sache werden wieder klar wie Kraftbrühe. Für die USA ist die ganze Welt Feindesland und Angriffsziel. Abgesehen von ein paar befreundete englischsprachigen Staaten erster Güte (siehe auch Echolon via Wikipedis) ist niemand allein. Und es wird immer deutlicher, die angebliche Terrorbekämpfung als Grund der gigantischen Abhöraktion ist erstunken und erlogen. Die nun belegte Überwachung der Europäischen Union oder eines Gipfeltreffens der wichtigsten Nationen der Welt hat mit Terrorbekämpfung null zu tun. Nichts gegen Terrorismusbekämpfung, aber diesemArgumentation von NSA und amerikanischen Regierung stimmt vorne und hinten nicht. Industriespionage! Hoheit über alle Informationen dieser Welt! Das sind die wahren Gründe. Wütend macht auch, das unsere Regierung, insbesondere Mutti und der ansonsten so scharfe Innenminster Friedrich (demnächst wird er sich in den USA neue Order (Neudeutsch Briefing) abholen) den Ball flach halten anstatt gegen diesen Angriff in schärfster Form zu protestieren und noch wichtiger, technische Gegenmaßnahmen in die Wege zu leiten. Warum auch? Mit Sicherheit weiß der BND (oder die Leute dort sind struntzdoof) genau Bescheid.Europaparlament belegte schon 2001: Politisch Verantwortliche müssen von Überwachung gewusst haben.

Wütend macht auch, das ein verdammter Lügner wie Obama (der mit seinem Heilgenschein fast noch schlimmer erscheint als bekannte Rechtaußen a’la Bush) immer noch etwas von Völkerverständigung und Friede, Freude, Eierkuchen faseln. Amerika ist und bleibt, hier wieder bestätigt und in der Vergangenheit ausgiebig praktiziert, eine imperialistische und aggressive Weltmacht die Niemanden vertraut und der man ebenfalls nicht trauen sollte. Nicht von hier bis zur nächsten Wand.

Zur weiteren Info: Spiegel-Online hat den ganzen Scheiß in einem Kommentar ganz ordentlich aufgedröselt. NSA-Überwachungsaffäre: Ein Fall für zwei. und taz: NSA bespitzelt Deutschland. Anlasslose Überwachung.
Foto: René Walter

make it so....Tweet about this on TwitterShare on Google+0Share on Facebook11Email this to someone
Kategorie: Sinn und Unsinn

von

Ohne Musik? Das geht gar nicht. Leidenschaft. Schon immer für immer. Ich höre, also bin ich. Und schreibe darüber. Auch....

4 Kommentare

  1. Der SPIEGEL hat das schon 1989 geschrieben. Klar, damals noch ohne WWW, wohl aber schon mit Internet. Nix zu verbergen? Lässt du beim Kacken die Klotür offen? Hast du keine Gardinen? Schließt du deine Haustür nie ab?

    Merkste?

  2. Das Volumen der Überwachung mag überraschen und vielleicht auch der Umstand, dass sich vermeintliche Freunde und Bündnispartner so schamlos – auch in Bezug auf wirtschaftliche Dinge – ausspionieren. Aber letztlich ist es doch auch in Deutschland so, dass etwa eine SPD sich als viel zu staatstragend versteht, um am devoten Verhältnis gegenüber der USA etwas ändern zu wollen. Die Deutschen haben in 2 Monaten die Möglichkeit, Nägel mit Köpfen zu machen, wenn ihnen Datenschutz wirklich wichtig ist.

  3. Für mich ist es einfach krass, dass sie einfach alles mitschneiden, egal, ob man jetzt kriminell auffällig geworden ist oder nicht. Wenn sie wollten, könnten sie jederzeit zugreifen auf die Daten, dies ist das, was mich persönlich total abschreckt.

  4. Pingback: Konsumpf » Prism, Tempora & Co. – das Ende der Privatsphärenillusion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *