Eva-Maria hat nur zu Recht. Ein wunderbare Sache. Es vergeht kein Tag, an dem in meinem Briefkasten nicht ein wattiertes Päckchen oder zumindest ein Umschlag mit Musik steckt. Weite Wege, kurze Wege. Von der Insel, aus Übersee und von um die Ecke. Die Krönung, kommt vor, doch selten, ist ein etwas grösseres Päckchen mit Vinyl. Wie dem auch sei, und da hat spricht die Autorin vom Polarblog wahr, die unmittelbare Freude, etwas Greifbares, Schönes in der Hand zu halten, ist mit einer schnöden MP3 nicht zu vergleichen. Ein gutesGefühl, neugierig den Umschlag aufzureissen und zunächst zu sehen, zu fühlen und zu blättern. Cover-Art und Booklet sind Teil des Ganzen. Da bin ich altmodisch, möchte diese sinnliche Erfahrung nicht missen.

Aber, da stimme ich ebenfalls ins gleiche Horn, die digitale Versendung von Rezensionexemplaren nimmt bedrohliche Formen an. Zwar ist es Fakt, das auch die Musik einer schön verpackten CD auf der Festplatte landet, aber die Wertigkeit ist doch insgesamt stark ramponiert. In letzter Zeit wird nicht geklingelt, da gibt es nur ein leises “Ping” und neue Post mit entsprechenden Download-Link landet in meinem Mailfach. Zugegebenermassen hat die feste Form noch eher eine Chance, hier Erwähnung zu finden. Auf der Festplatte geht doch so einiges verloren. Auch bin ich ein altmodischer, sentimentaler alter Hund. Warum sonst fange ich jetzt wieder an, mir das, was ich haben möchte, aber nicht bekomme, als Vinyl anzuschaffen?
So oder so, ich werde reichlich beschenkt. Und das ohne mein Zutun. Mich auch noch bei Labels andienen kommt nicht in Frage. Dies ist ein privater Blog und keine professionelle Angelegenheit. Bekomme ich doch bisher per Post immer noch mehr, als ich hören kann. Und da habe ich schon ein kleines Problem. Während Co-Autor Bendikt, losgelöst vom Tagesgeschäft, in höheren Sphären kreist und hier regelmässig nobelpreisverdächtigte , wohlfeile und durchgeistigte Essay über Musik veröffentlicht, bin ich der arme Tropf für`s Grobe und muss meiner heiligen Pflicht nachkommen.
Nicht meckern, gib es doch wahrlich Schlimmeres. Aber ich will und muss allen Musikern und Labeln gerecht werden. Das ist nur recht und billig. Unbearbeit liegen zur Zeit auf meinem Schreibtisch Alben von Übergangsregierung, The Hirsch Effekt, Elektroboys, Noise Capital, Buzz-Aldrin, Setting Sun, Railcars, Gazpacho (DVD-Box), Trouble Book, Smoke Fish, Chasing For Glory, Boiler, Dantes Dream, Causa Sui (3-CD-Set), Carsten Klatte, Thus:Owls, Saxon Shore, Colorblind, Heroes & Zeros, The Kings of Frog Island, The Sables, Pharaohs, Phased, Culture Reject, Erik Penny, Eating Pebble, Kitty Wu, Get Well Soon, HIM, Highway Child, The Blue Van und Fine Print Pariah. Dazu kommt noch (ich kaufe auch!) die Schönheit von The Unwinding Hours, der ich unbedingt noch ein paar warme Worte mit auf den Weg geben muss.
Das waren jetzt nur die physikalischen Exemplare der letzten Wochen. Dazu, auf Vollständigkeit muss ich verzichten, schlummern auf meiner Festplatte noch die digitalen Rezensionsexemplare von Futile, Daniel Johnston, A Forest, Good Weather Girl, City of Satellites, Fleeting Joys, Boxharp, The Papertiger Sound, Telekaster, Stray Ghost und Mukaizake. Ich schätze mal, das reicht für Monate. Ich hab es so gewollt, das schlechte Gewissen ist vorhanden und ich werde mich der Sache annehmen. Verdient haben sie es alle, erwähnt zu werden, aber ich muss mir was überlegen.
Und so werde ich dem Schalltest ein wenig umstrukturieren und mit einer neuen Rubrik Marke “Kurz und schmerzlos” den Versuch wagen, jedes eingehende Rezensionsexemplar in 2-3 Sätzen abzufeiern oder einen Dolchstoss zu verpassen. Liegt die Würze in der Kürze, schaffe ich es vielleicht und erleichtere mein schlechtes Gewissen. Mit viel Respekt und in die Hände gespuckt. Wäre doch gelacht. Es ist Musik.
Umfrage
In diesem Zusammenhang eine Frage an Euch. Kauft ihr Eure Musik als CD, womöglich als Vinyl oder nur noch als MP3? Oder kauft ihr gar nicht mehr, sondern bedient Euch kostenfrei im bösen Internet? Mehrere Antworten sind möglich.





Und übrigens: Auch ich kaufe noch! Die Plattenindustrie darf also noch auf Mininmal-Umsätze hoffen!
Auch ich bin altmodisch und liebe es, eine CD in den Händen zu halten. Mit Päcken in der Hand die Treppen zur Wohnung hinauf spazieren. Dann dieser Moment, in dem SomeVapourTrails und ich um die Wette lungern, ob’s was für ihn oder mich ist
Mp3s sind praktisch aber doof, außerdem haben wir uns für die Mühe auch nen physischen Tonträger verdient.
Trotz aller Überraschungsfreude, werd ich trotzdem lieber vorher mittels Tonproben-Link (MySpace) gefragt, ob das Release für uns in Frage kommt. Sonst tun mir die Musiker immer leid, die ihr Geld für ungemochte Promosendungen verschwenden. Nur weils da ist, besprech ichs nicht zwingend, mag nicht über Musik schreiben, die ich nicht mag. SomeVapourTrails ist da fleißiger, trotzdem bleibt Einiges liegen.
Der Abstutz von EMI hat meiner Meinung nach auch was mit deren Geiz zu tun. Jeder der ehrlich ist gibt zu, haste ne CD vorliegen, biste eher geneigt drüber zu schreiben. Gibt’s nur einen Stream-Link sinkt die Bereitschaft, sich ausführlich mit dem Release zu beschäftigen, greift man eben eher zum CD-Stapel der Konkurrenten.
Bei sehr gemochten Künstlern wird natürlich auch ohne Bemusterung ne Ausnahme gemacht, aber eben nur bei denen. Seit gestern gibt’s endlich die Scanners mit neuem Album “Submarine” im Stream, doofe Import-CD ist mir aber noch zu teuer. Beim Vorgängeralbum musste Deutschland 3 Jahre warten bis es auch hier veröffentlicht wurde. Hoffe diesmal geht’s schneller. Mp3-Alben mag ich nicht kaufen und so schließt sich der Kreis und ich bin wieder beim Thema des Artikels gelandet
Die Haptik eines physischen Tonträgers ist der zweitschönste Teil der Musik. (In Ausnahmefällen auch der schönste.) Ich kann Leute nicht verstehen, die ausschließlich Geld für Nullen und Einsen ausgeben und sich dann einbilden, “Musikliebhaber” zu sein. Das Auge isst mit.
Vinyl forever!
Das hat man noch was zum anschauen und anfassen. Ausserdem ist erledigt sich das “Random” und “Repeat” Syndrom von ganz allein – Platte auflegen, Seite durchhören, (aufstehen und Platte drehen), andere Seite durchhören. Herrlich entspannt und ich lasse mich viel eher auf das “Gesamtwerk” ein.
Ich bin ja auch auf die Platte gekommen. Es ist ein wahrer Genuss mit dem Cover in der Hand vor dem Spieler sitzend die Musik zu erleben. So eine Platte hört man sich auch einfach anders an. Das macht man nicht einfach nur so nebenbei. Da wird der Musik die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Für unterwegs brauche ich die Musik dann natürlich trotzdem als mp3. Da lobe ich mir die Label, die für den Kauf von Vinyl gleich einen Download-Link dazupacken.
Es ist natürlich das größte, an den Briefkasten zu gehen und ne neue Promocd zu bekommen! Es gibt ein paar Labels, die mich inzwischen vollbemustern, auf die ich auch sehr stolz bin, da ich bei denen weiß, dass ihre Musik immer hochwertig ist und si emich schätzen, meine Artikel in ihre Pressereader aufnehmen etc. (und z.B. laut.de von denen nichts bekommt). Da gehts dann manchmal schon vor dem Frühstück (stehe meist so gegen 12 / 1 auf) an den CD Spieler und es wird Musik gehört.
Gegen Onlinebemusterungen habe ich nichts. Ich muss mir den Kram allerdings überspielen, damit ich überhaupt daran denke. Dann kommen die auf den Stapel mit den zu bearbeitenden CDs. Ich drucke dann auch die Labelinfo aus. Und manchmal ist was dabei, dass mich total umhaut (Emily Loizeau, Martha Wainwright oder jüngst Midlake). Aber ich finde es traurig, von Indiebands liebevoll gepackte Päckchen zu bekommen (wie bei Ödland), die in ihrer Ausführung einfach allerliebst sind (bei Ödland lag ein Teil ihres Stop Motion Musikvideos bei) und von Majors bekommt man einen Stream oder einen Downloadlink. Gerade die großen Labels sollten eigentlich das Geld haben, dass Indiebands nicht haben… Und wie Different Stars schon so schön schrieb:
“Mp3s sind praktisch aber doof, außerdem haben wir uns für die Mühe auch nen physischen Tonträger verdient.”
Denn man muss auch bedenken, dass ich neben der Blogarbeit auch noch Musik nur zum Vergnügen hören will und manchmal nicht mehr dazu komme…
Wenn keine CDs mehr geschickt werden hat der Postbote weniger zu tun. Und wer wenig oder nichts zu tun hat wird irgendwann mal den unnötigen Job los. Also erhalten wir diese Jobs mit den kauf handfester Musik. Falls mein Plattendealer in der Stadt mal eine Scheibe nicht vorhanden hat, geht die Bestellung übers Internet.
Bei mir ist es schon oft vorgekommen, dass die von mir gekaufte Musik im digitalten Zustand eher in Vergessenheit verstauben, als die CDs und Vinylscheiben im Regal. Auch wenn ich die CD digitalisiere. Ich kann aber nicht erklären warum das so ist.
@ Juls: Das hat mit dem Warenfetischismus zu tun. Wir sind gewohnt, einen Fetisch in den Händen zu halten, wenn der wegfällt, hat man keinen Bezugspunkt mehr. Nimm mal nem Kind die Märchenkassette weg und sag, sie ist digitalisiert…
@Julian
Genau so ist es. Du bringst es auf den Punkt.
Bin mit “physischen” Tonträgern aufgewachsen, daher lagern ca. 800 Vinylscheiben und im Vergleich dazu eine eher mikrige CD Sammlung in meiner Tonträgerabteilung. Sicher wandert vieles davon auf die Festplatte bzw. den Mp3 Player, wer rennt den heutezutage noch mit diesen mobilen CD-Walkmens dutrch die Gegend??
@ Carsten:
Ich!!! Alternativ dazu: Das ehemalige Zukunftsformat Minidisc.
schöne diskussion hier
differentstars und julian haben alles notwendige gesagt, ich persönlich kann mir musik nicht am rechner anhören, das ist ein absolutes “no go”!! der ganze zauber verfliegt, man hat nichts in händen und das produkt verliert an idellem wert. mit ein grund für meine kurzzeitige “krise” (http://smastad.de/2010/02/25/notbremse/)