Todesahnungen – Last.FM und die Zukunft des Radios

1 Jul

Wer will schon für die Tonne arbeiten. Das Radio, insbesondere das terrestrischen Radio, so wie wir es kennen, wird aussterben. Natürlich hört man noch Radio. Radio mit Informationen, Nachrichten, mit Redebeiträgen, Features und Reportagen. Aber bei den mehrheitlichen Radiostation, die hauptsächlich ihre Hörerschaft mit Musik “beglücken”, sieht es eher mau aus.

Es wird immer Lebenssituationen geben, in denen es nicht möglich oder gewollt ist, seine zusammengestellte Playlist auf dem MP3-Player anzuhören oder der personalisierten Musiksendung via Last.FM am PC zu lauschen. Tätigkeiten, die gerne beim Radiohören ausgeführt werden sind u.a. Bügeln, Geschirrspülen, Putzen und Socken zusammenrollen. Zum Beispiel höre ich während des Autofahren hauptsächlich Radio. Drei Sender, und nur diese drei, kommen da für mich in Frage. Radio Tonkuhle und Deutschlandradio Kultur sowie ab und an Deutschlandradio. Der Rest vom Fest ist toter als tot und nervt nur noch. Okay, EinsLive lässt sich abends wegen der Musik noch hören, wird aber in Hildesheim frequenzmässig ein wenig weggedrückt.

In diesem Zusammenhang empfehle ich als Podcast-Tipp heute das Blogspiel vom Deutschlandradio.
Blogspiel ist eine halbstündige Sendung die die aktuelle Entwicklungen in der Blogosphäre und im “Social Web” aufzeigen und thematisieren. Sehr interessant und hörenswert. Im aktuellen Blogspiel geht es im Schwerpunkt um Last.FM als Radiosender wider dem Mainstream, seine enormen Möglichkeiten als individuell zusammenstellbarer Radiokanal und die Gefahr, die von Last.FM für die terrestrischen Massenradios ausgeht.

Blogspiel 30.06.2007 – 29:49 Minuten (mp3)

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Den eines ist für mich klar. Radiosender wie zum Beispiel N-Joy, Antenne, Radio FFN und wie die Mainstream-Sender alle heissen, sind auf Dauer zum Tode verurteilt. In den Massensendern werden teilweise nicht mehr als maximal 30 Songs den ganzen Tag in Rotation gespielt. Mehr ist nicht zu hören. Die Chance, abseits vom Mainstream Musik aus dem Indie Bereich zu hören, ist gleich null. Diese immer und immer wieder bis zum erbrechen gedudelten Songs veringern den musikalischen Horizont auf ein Minimum und stumpfen ab. Sogar Hardcorehörer dieser Verdummungsradios, die seid Jahren Stammhörer waren, strecken irgendwann die Hände empor und bitten um Gnade. Ich weiss von genug Leuten, die irgendwann entweder überhaupt kein Radio mehr hören und das Programm wechseln. Und da liegt die Zukunft und damit die Chance der seriösen Radiosender wie dradio Kultur und auch der Lokalsender. Irgendwann ist die Leidensfähigkeit der Hörer ausgeschöpft. Ermattung macht sich breit und man wechselt mit zittrigen Händern zur Qualität.

Beispiel Radio Tonkuhle, unserem lokalen Sender der Region Hildesheim. Wir haben ein 24 Stundenprogram mit Magazinen, Wortbeiträgen und Features. Aber natürlich wird hauptsächlich Musik gesendet. Aber, und das ist der springende Punkt, und ich weiss, wovon ich als Mitarbeiter der Musikredaktion rede, ein Song wird am Tag nur in absolute Ausnahme wiederholt. Jedes Genre hat bei uns eine Chance, nur gut muss es sein. Aber was ist gut? Kriterium ist ,das es in der Musikredaktion gefällt, bei der (kommerziellen) Konkurrenz nicht bereits zu Tode gedudelt wurde und einem Mindestmaß an Qualität genügt. Und da ich zum Beispiel nicht entscheiden kann oder möchte, ob zum Beispiel eine Reggae-Song unseren Anforderungen genügt (bin mehr für die Sparte Indie-Rock und Pop zuständig), wird über die Aufnahme in den Pool halt von Leuten entschieden, die Reggae mögen. Natürlich werden auch, was auch häufig genug passiert, Songs in den Pool eingepflegt, die sich später als “Megahit” entpuppen und mainstreammässig bundesweit weichgekocht werden.

Hier gilt dann der eiserne Grundsatz: Raus aus den Pool, nix für Radio Tonkuhle. Und gerade diese Politik ist die Chance und die Zukunft des terrestrischen Radios. Es lebe die Nische! Und darum habe ich keine Angst um den vielleicht besten Radiosender der Welt, und auch nicht um Deutschlandradio Kultur.

Und da wir gerade dabei sind, darf ich auf einen weiteren interessanten Artikel auf der Homepage vom WDR Fernsehen hinweisen, der über die revolutionären Möglichkeiten die Last.FM bietet, berichtete. Und was mich besonders gefreut hat: auf mein kleines bescheidenes Blog Schallgrenzen.de wurde vom WDR für weitergehende Infos und Hntergründe hingewiesen. Ich hatte hier und hier aus meine Sicht der Dinge über Last.FM berichtet. Was bin ich? Stolz wie Bolle.

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5 Antworten zu “Todesahnungen – Last.FM und die Zukunft des Radios”

  1. BjEurope 01. Jul, 2007 at 12:00 #

    Hi Peter,
    du sprichst mir absolut aus der Seele. Ich bin mittlerweile seit Jahren quasi Radioabstinent. Gelegentlich auf der Fahrt zur Arbeit höre ich ein wenig Radio, das wars dann aber auch. Und was ich höre ist AFN Europe, der Sender der in Ramstein stationierten US Air Force. Nischensender gibt es in meiner Reichweite keinen. Da hat mir die Entdeckung von last.fm (übrigens über deinen Blog) endlich mal die Möglichkeit gegeben wieder etwas mehr über meine CD/iTunes-Sammlung hinauszuschauen und neue Bands und neue Songs zu entdecken.
    Dennoch bezweifle ich, das das Mainstream-Radio mangels Qualität untergehen wird. Es gibt nämlich (leider) zu Hauf Leute, denen Musik fast nichts bedeutet und die die immer wiederkehrende Berieselung trendiger Musik als genau richtig für sich empfinden. Mir wird bei so einer Vorstellung zwar schlecht, aber wer sagt denn, dass die Welt gut ist?

  2. Peter 01. Jul, 2007 at 12:14 #

    Hey, naja, ich geb`s ja zu. Ein wenig Wunschdenken ist schon dabei. Aber an Hand der letzten Mediacontrol Daten hier in Niedersachsen, zeigt sich schon ein gewisser Sättigungsgrad. Aber, da gebe ich Dir Recht, die Leidensfähig mancher Radiohörer ist schon zu bewundern :-)

  3. Heiko 17. Jul, 2007 at 20:24 #

    Hi,

    genau das kann ich für mich auch beobachten. Da ich morgen und abends ca. 1h fahre, nervten mich irgendwann die Radiosender an. Nerviges hin- und herschalten brachte sehr schnell keine Besserung mehr. Irgendwann bin ich beim dradio kultur gelandet und höre nun seit über 3 Jahren. Naja, bis auf den Kakadu^^. Gruss

  4. Peter 17. Jul, 2007 at 21:46 #

    Kakadu??

  5. Torsten 01. Mrz, 2009 at 16:18 #

    Das ganze gequatsche, die “Rumtelefoniererei” und das Gesülze mit Leuten, die eh’ keiner kennt, ist mittlerweile unerträglich.
    Ist doch klar, dass die LEute lieber personalisiertes Radio oder MP3 hören wollen. Beim Arbeiten oder beim Autofahren will ich auch nicht ständig das gesabber hören.

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