The Review: Juli Kapelle – Alchemie

29 Sep

Persönliche Probleme, scheinbar unlösbare Aufgaben, existenzielle Krisen oder notwendige Reifungsprozesse. Selbstfindung. Die Alchemie des Lebens. Symbolträchtig, vieldeutig und rätselhaft.

Warum zum Teufel habe ich Probleme mit deutschsprachiger Musik? Die Musik mag in Ordnung gehen doch oft schmerzen die Texte. Tun richtig weh.Ist es das? Es ist wohl so. Meistens höre ich teutonischer Steifheit, kryptischen Blödsinn, platte Reime oder hochnotpeinliche Kopflastigkeit. Nichts gegen spinnerte Ideen und Intellekt, aber übertreibt’s mir nicht. Vermutlich können in englisch denkende und träumende Musikliebhaber ein ähnliches Lied von ihrer Pein singen.

Wie dem auch sei, meine sympatische Juli Kapelle um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Achim Sauer verbreiten auch auf ihrem neuem, dem zweiten Album “Alchemie” deutschsprachiges Liedgut. Und ich mag das. Die Gefahr von peinlicher Betroffenheit besteht beim Hören der Songs jedenfalls nicht. Es sind kleine, eher melancholische den fröhliche Geschichten. Das Herz ist eben oft ein Ort der Finsternis. Es sind nachdenkliche Geschichten voller Abgründe und Untiefen, Neuanfang und Ende, über Enttäuschung und Hoffnung, Statements über die kleinen Augenblicke von Glück und Unglück die uns allen vertraut sind. Mitunter durchaus rätselhaft doch über kurz oder lang fällt der Groschen.

Mögen die Texte mehrdeutig und strittig sein, musikalisch sind Juli Kapelle versöhnlicher geworden. Zusammen mit seinen Mitstreitern Wena (Bass) und Olly Opitz (Schlagzeug) hat der Herr Kapellmeister die elektrischen, experimentellen Elemente des Debüts “Materie” über Bord geworfen. Schlichtheit steht auf dem Programm. Fast schon konventioneller, akustischer Indie-Rock. Aber nur fast. Mal lauter, oft leise. Gemächlicher Indie-Rock trifft auf melancholischen Folk und flotten Alternative Country. Aber es bleibt in den Songs noch genug Raum für unerwartet Wendungen und schöne Momente in Dur und Moll. Ein schönes, fast schon intimes Album.

Post Scriptum. Das mit den Schubladen ist ja immer so eine Sache. Ein wie immer schwieriges Unterfangen welches den einfühlsamen und nachdenklichen Songs auf “Alchemie” nicht gerecht werden kann. Und so empfehle ich Euch, diese Zeilenschinderei zumindest zum Anlass zu nehmen, Alchemie zu hören. Von vorne bis hinten bei gemäßigter Beleuchtung.

Winken by julikapelle

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Album via Amazon: Alchemie (MP3 Album)

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