The Review: Gazpacho – Missa Atropos
30 Nov

Auf das neue Album der norwegischen Geschichtenerzähler Gazpacho war ich mehr als gespannt. Würden die Art-Rocker aus Oslo ihr sehr gutes Album “Night” und das grossartige letztes Werk “Tick Tock” noch toppen können? “Missa Atropos” heisst das achte Album und es ist wieder ein Konzeptalbum, das zumindest vom Gesamtklang da weiter macht, wo Gazpacho bei “Tick Tock” aufgehört haben. Diesmal wird die griechische Mythologie bemüht. Atropos, eine Göttin soll geehrt werden. Ein Mann sucht die Ruhe und Abgeschiedenheit eines Leuchtturms um eine Messe für die Göttin zu erschaffen. Lassen wir die, in der Welt des Prog oft üblichen Fantasien und Schnickschnack beiseite, so hören wir auf “Missa Atropos“ ungewohnt viele, eher kürzere Songs sowie mit “Defense Mechanism”, “Missa Atropos” und “Splendid Isolation ” drei längere, ausladene Stücke die gewissermassen als Bindeglieder gelten können. Alles sehr ambient, fliessend und mit grosser Geste zelebriert. Der eindringliche, melancholische Gesang von Jan-Henrik Ohme, produktionstechnisch allererste Sahne, faszinieren die mit Gitarre, Keyboards und Rythmus erzeugten Emotionen wie eh und je. Allerdings wird die musikalische Konzeption der songübergreifenden Elemente wie auf Tick Tock nicht genutzt und das Album erscheint somit nicht aus einem Guss.
Trotzdem gibt es wunderbare, dramatisch-melancholische Elemente in bester Prog-Tradition. Wer das 2001er Album “Anoraknophobia” ( für mich das Beste der Briten) von Marillion zu schätzen weiss, der wird auch Gazpacho und dieses Album mögen. Richtig gut sind Gazpacho immer dann, wenn sie sich wie auf dem grossartigen “Defense Mechanism” Zeit nehmen. Und um auf meine Frage vom Anfang zurückzukehren: Jein, “Missa Atropos“ erreicht zwar nicht die erhabene Größe von “Tick Tock”, aber nimmt mit jeden Hördurchlauf mehr und mehr gefangen. Auf die norwegischen Geschichtenerzähler ist immer noch Verlass.
Gazpacho besuchen: Homepage | MySpace
Für Fans von: Marrillion | Riverside | Lunatic Soul | The Pineapple Thief
Summa Summarum: feinster Art-Rock aus Norwegen
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