The Review: Dear John Letter – Part & Fragment

20 Sep

Hallo, wer hätte das für möglich gehalten? Die bayerische Band Dear John Letter lässt die Seele baumeln und kommt auf ihrem zweiten Album “Part & Fragment” so leicht, beschwingt und elegant daher, das ich mich verwundert die Augen reibe. Die Chancen zumindest, das es so erfreulich für die Unternehmung “zweites Album” ausgehen würden, standen günstigenfalls bei 50:50. Progressive-Rocker, die zwischen zart und hart, zwischen Anspruch und Wirklichkeit ihr Pflänzchen in den kargen Boden setzen, neigen mitunter zu einer gewissen Verbissenheit. Diese Bemühungen wirken oft angestrengt, übereifrig und mitunter nervig. Das zweite Album, oft eine unüberwindliche Hürde, an der schon so einige Hoffnungen grandios gescheitert sind.

Und was passiert hier? Dear John Letter, deren Debüt  “Between Leaves | Forestal” ich mag, das aber im nach hinein ein wenig sperrig wirkt und höchste Konzentration einfordert, haben auf “Part & Fragment” mit augenscheinlichen Leichtigkeit eine Handvoll beschwingter Songs zwischen Progressive und Psychedelic aus dem Ärmel geschüttelt, so das von Erfolgsdruck und Verbissenheit keine Rede sein kann. Ob das so einfach vonstatten ging, halluzinogener Drogen oder der anregende Konsum von Produkten bayrischer Braukunst für diese hörbare Leichtigkeit nötig waren, mag ich nicht beurteilen. Das Ergebnis zumindest ist ein stimmungsvolles  Album ohne Totalausfall (okay, “That`s The Way The Cookie Crumbles“ klingt ein wenig verwirrt, da müssen Drogen im Spiel gewesen sein!), dass mich gewissermaßen begeistert. Die Songs auf “Part & Fragment” gehen, wenn ich so sagen darf, runter wie Öl.

Vom ersten bis zum letzten Ton, vom elegant rollenden Opener “You Remain Unshakeably Calm”, dem freundlichen “The Looking Glass” bis zum gemächlich wabernden “Silent Sirens“, vom majestätischen „Of Grandeur“ über das noisige, treibende „House Of Leaves“ bis zum abgehangen, ruhig dahingleitenden floyd`schen  “The Silver Ring Of The Bell” darf man sich in mitunter euphorischen Rausch- oder Meditations-Zustände versetzen lassen. Da wippt der Fuss und wiegt sich das schüttere Haupt. Und da sind Vergleiche zu den psychedelichen Wegbereiter wie Led Zeppelin, Pink Floyd,  aber auch der beste britische Band dieses Genres, nämlich den Schotten Amplifier (wann kommt endlich ihr verdammtes neues Album?) durchaus statthaft. Blümerante, durch`s Effektgerät gedrehte Gitarren, ein zumeist gemächlicher Bass und ein sauberes Schlagzeug, das den Songs den benötigten Drive gibt. Der Gesang von Martin Fischer, so scheint`s, hat sich enorm entwickelt und der Sound der Produktion ist wärmer und klarer als je zuvor.

Der letzte Song “Kandi” verliert sich in einem herrlichen 10minütigen psychedelische Geschwurbel, das Pink Floyd zur Ehre gereicht und Jimmy Page ein paar wohlwollende Worte der Anerkennung entlockt hätte. Da liegt die Vermutung nahe, dass Martin Fischer (Gesang, Gitarre), Dominik Baur (Gitarre), Maximilian Nieberle (Gitarre, Klavier), David Grüner (Bass) und Jakob Mader (Schlagzeug) bei den Aufnahmen zu “Part & Fragment” ihren Spass hatten.


Tracklist:
01 You Remain Unshakeably Calm
02 The Looking Glass
03 Silent Sirens
04 Of Grandeur
05 That`s The Way The Cookie Crambles
06 You Can`t Hear Yourself Think
07.Crux
08.House Of Leaves
09.The Silver Ring Of The Bell
10.Kandi

Label: Labelship | Dear John Letter besuchen: Homepage | MySpace
Anspieltipps: You Remain Unshakeably Calm | Of Grandeur | You Can’t Hear Yourself Think

Für Fans von: Pink Floyd |  Oceansize |  Amplifier | Led Zeppelin
Album  via Amazon: Part and Fragment | Between Leaves/Forestal

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6 Antworten zu “The Review: Dear John Letter – Part & Fragment”

  1. tux 20. Sep, 2010 at 10:53 #

    Frechheit. Ich sitze hier und kann die offizielle VÖ nicht abwarten und du darfst es schon rezensieren. Ich sollte auch beim Radio anfangen, hmpf.

    Ich bin aufgeregt!

  2. Tom 24. Sep, 2010 at 02:57 #

    Amplifier kommen aus Manchester und Jimmy Page ist noch nicht tot!!! ;D
    Irgendwie bin ich nach der Rezension nicht mehr ganz so optimistisch, was das neue Album angeht. Ich fand Between Leaves | Forestal einfach zu gut, denke ich. Und das gerade weil es trotz einfacher Instrumentalisierung so anstrengend und sperrig ist.

    The Octopus ist übrigens schon fertig, aber es wird vorläufig nur 1000 Kopien geben, so wie ich das gehört habe. Aber es kommt wohl noch dieses Jahr ;)

    So, nun will ich aber auch das neue DJL-Album hören!!!

  3. Josefine Schedel 25. Sep, 2010 at 17:00 #

    Nach dieser Review gibt’s nur eins: CD kaufen und sofort anhören. Danke für die anregende Info.
    Jo

  4. Peter 26. Sep, 2010 at 16:58 #

    Na ich hoffe doch, das Jimmy Page noch lebt. Habe ich ihn für tot erklärt? Ich habe noch einmal wegen Amplfier nachgeschaut. Ich hatte Anfang des Jahres einen Mailverkehr mit Sel Balamir (Sänger, Gitarrist von Amplifier) der mir damals bestätigte, das dieses Jahr ein Doppelalbum, nämlich The Octopus (wahrscheinlich in Eigenregie vertrieben) erscheinen soll. Ich werde noch mal nachhaken und Euch informieren .

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