The Hirsch Effekt – Holon : Hiberno
17 Mrz
Da haben sich die Hannoveraner The Hirsch Effekt einiges vorgenommen. Nach nicht mehr und nicht weniger als der vertonten Unaussprechlichkeit steht ihnen der Sinn. Machte zunächst nur der abgedrehte Bandname neugierig, lieferten sie letzten Jahr als Fingerübung eine beachtenswerte EP ab, die sinnigerweise mit dem Opener namens “Epistel” begann. Mein gefährliches Halbwissen in Bezug auf die medizinische Bedeutung dessen, was sich nach der Nahrungsaufnahme im menschlichen Körper abspielt, liess mich über Diffusion fabulieren. Richtig ist natürlich bezüglich des sogemnannten Hirsch Effektes, und darauf wies mich mit erhobenen Zeigefinger Blogarzt Benedikt hin, das bei Durchlässigkeit der Schleimhaut des Dünndarms für großkorpuskuläre Partikel, deren Ziel der Abmarsch in die Nierenkörperchen ist, richtigerweise von halbdurchlässigen Membranen gesprochen werden muss.

Nach diesem eher wissentschaftlich-unappetlichen Prolog hören wir gemeinsam das Albumdebüt von The Hirsch Effekt mit den schönen Namen Holon : Hiberno. Allein die Anzahl der Titel und ihre Namesgebung lassen einem zunächst der Kamm schwellen, dann aber wird man neugierig und zum Schluss belohnt. Auf “Holon : Hiberno” soll und geht es anders zu, als bei der oft dem Schema F folgenden Kollegenschaft der gemeinen Post-Rock Fraktion. Für die schiere Unmöglichkeit, ihre Musik zu beschreiben, geht ein Bonuspunkt nach Hannover. Als gelernter Phrasendrescher, Wortverbieger und Pinselquäler gehe ich es trotzdem an. Aufgebaut wie eine Symphonie, zerstückelt in Kleinstteile, werden Versatzstücke aus Progressive, Post-Rock, Math-Rock, Punk, Indie-Rock im Fleischwolf zerhackstückt, mit hohemFrickelfaktor und einer schieren Anzahl von Ideen und Melodien angereichert, hektischen Rhythmus- und Tempowechsel unterworfen und zu einem grossen Ganzen zusammengefügt. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und da müssen wir durch. Als Gesamtwerk eine “Rock-Synphonie” der etwas anderer Art. Pickt man sich einzelne Songs heraus, als Hörer macht man das schon mal, hören wir ein hymnisches “Calmo”, gleich danach mit “Vigoroso” einen musikalische Massenschlägerei, im dreifachen “Laxamentum” zunächst vertonte Morgendämmerung und dann den Vorbeiritt der Apocalyptischen Reiter. Und so weiter und so fort…..
The Hirsch Effekt – Holon : Hiberno Trailer
Nichts auf “Holon : Hiberno” ist vorhersehbar, ein Wiegen in Sicherheit nicht angeraten. Gleich springen dir blutgrätschende Gitarren entgegen, infernalischer Gesang (es wird übrigends deutsch gesungen) lässt dich in die Knie gehen und von hinten bekommst du noch einen hundsgemeinen Tempowechsel ins Kreuz. Heiland Gewitter, direkt aus dem Irrenhaus. Aber dort finden wir die Genies, die sich aus hunderten Töpfen bedienen, Konventionen mir nichts, dir nichts über Bord schmeissen und den Rezensenten mit dicken Kopf im Regen stehen lassen.

01. Epistel / Calmo
02. Epistel / Vigoroso
03. Nex
04. Intervallum: Pulsus
05. Zoetrop
06. Lentevelt
07. Intervallum: Cadentia
08. Laxamentum / Assorto
09. Laxamentum / Agitato
10. Laxamentum / Requiem
11. Intervallum: Motette
12. Vituperator
13. Intervallum: Litus
14. Hiberno
15. Arcanum
16. Epitaph / Meno
17. Epitaph / Lugubre
18. Epitaph / Maestoso
Video: Vituperator
The Hirsch Effekt auch als Nichtmediziner besuchen: MySpace
Wertung: 8/10
via Amazon: Holon : Hiberno (CD)
Foto: S.Wildeboer
Das könnte Dich interessieren:







Sehr schön den Pinsel gequält (auweia, das kann man missverstehen), der Herr. Mir dünkt, der Liedschnipsel hier ist als Hörprobe allerdings nahezu wertlos, da man aus ihm nichts folgern kann.
Dann möge der Herr Tux seinen Bequemlichkeit überwinden und die Herrschaften auf Myspace besuchen. Ich habe vorausschauend für den Herrn einen Link eingebaut. Wenn der Herr am Ende des gepinselten Artikels auf die Suche gehen würde…..
Längst erledigt! – War nur eine Anmerkung. Pah!
also der trailer ist aber mal wirklich nicht sooo super .