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Tagesbericht Nr. 43

Ich glaube, ich habe mich bei Brigitte angesteckt. Fühlte mich gestern matt und heute nicht viel besser. Das Schreiben fällt mir schwer, die Finger liegen wie Blei auf der Tastatur. Trotz alledem habe ich die Kraft, der Visions zum Zwanzigsten zu gratulieren. Sogar ich alte Internethure freue mich jedesmal, wenn die neue Ausgabe im Briefkasten steckt. Dann ist wieder Zeit zum Schmöckern. Da  behauptete Jemand mir gegenüber allen Ernstes, er  kaufen sich die Visions nur wegen der eingelegten CD und lesen keinen Satz in dem für mich besten Musikmagazin. Ich mach`s genau umgekehrt, lese das Heft und habe seit Jahren nicht mehr in die CD`s reingehört. So verschieden ist das menschliche Wesen.

bl_flyer

Tja, dieser Einladung, via MySpace zugesandt, kann ich leider nicht Folge leisten. Obwohl das Lineup nicht von schlechten Eltern ist. Blacklist aus Brooklyn und The Mary Onettes aus Torpa / Jönköping in Schweden. Über die Dritten im Bunde, Submarine Bells kann ich rein gar nichts sagen. Klingt aber ganz interessant.

The Mary Onettes – Void | mp3
[audio:http://www.labrador.se/mp3/themaryonettes-void.mp3]

Blacklist – Flight Of The Demoiselles | mp3
[audio:http://www.listofblack.com/flightofthedemoiselles.mp3]

Drüben in Berlin echauffiert sich Lie in The Sounds über das 78s Magazin. Der Grund, die Schweizer haben etwas gegen Best-Of Alben. Zwar finde ich 78s und ihren Anspruch, ein Magazin für bessere Musik zu sein, ziemlich albern, aber auch ich habe  etwas gegen Best-Of Alben. Ich besitze nicht eine dieser scheusslichen Zusammenstellungen und gedenke auch nicht, mir zukünftig diese Ärgernisse anzuschaffen. Aber das sollte jeder selbst entscheiden und ist wegen des Kaufs noch lange kein  Banause. Wer so argumentieren, ist arrogant, borniert und dumm.

Und da wir schon mal dabei sind, hier die Vorstellung eines „Blogs“, das ich nicht mag. Aber was heisst hier Blog? Merke: Blog ist nicht professionell sondern Hobby von Laien. Aber 78s,  die sind sogar eine GmbH, müssen wahrscheinlich Geld mit ihrem Geschreibsel verdienen und dementsprechend gibt es dort ein Korrektorat. Somit gibt es dort nicht, so wie hier,  grammatische Albernheiten oder orthografische Ungeheuerlichkeiten. Also kein Blog. Zwar ist einer der Eigenschaften eines Blogs die Kommentarfunktion, die wird aber bei 78s nach meiner Erfahrung eher nach Gutsherrenart und Wohlwollen genutzt.  Ein aufgepimptes Blog, das ich schon vor  Zeiten aus meinem RSS-Reader gescheucht habe.  Wirkt nach meinem Dafürhalten für ein Magazin ein bisschen zu nuttig.  Hinweg, ihr Albernheiten. Wenn Magazin, dann richtig. Und das wäre dann Visions, da bin ich sogar Abonnement.

Nach über einem Jahr lese ich jetzt erstmalig (und letztmalig) wieder  etwas bei den Schweizern und bin sofort wieder auf der Flucht. Unter der Überschrift Verbietet keine Minarette, verbietet Creed! haben sie zwar, das ist ihr  gutes Recht das Album “ Full Circle“ niedergemacht und sich über den missionarischen Eifer von Oberchrist Scott Stapp lustig gemacht. Mir sind allerdings grössenwahnsinnge Amis, die mich mit ihrer Musik bekehren wollen, tausendmal lieber als irre Moslems, die mich mit ihrer Bombe unter dem Arm auf den „richtigen“ Weg bringen wollen. Aber egal, das hat genauso wenig miteinander zu tun, wie Creed mit dem Bau von Minaretten in der Schweiz.  Ich habe das Album auch, höre es gerade und bin noch nicht sicher, wie ich es finde. Begeisterung geht anders. Aber wenn ich die Musik  nicht mag, brauche ich auch nicht drüber zu schreiben, es sei den ich habe niedere Beweggründe. Das wäre so, als wenn ich als bekennender Xavier Naidoo-Hasser das neue Album des Oberhirten rezensieren würde.

Das der Autor des Artikels,  der die Musik von Creed nicht mag  (scheint aber U2 ganz knorke zu finden)  im Auftrag seiner Online-Postille quasi zum Einreiseverbot aufruft, hat schon Bildzeitungs-Niveau. Gratuliere! Und um noch eins draufzusetzen, die Kommentare zum Creed-Beitrag lassen eine eher dumpfe Unterschichten-Klientel (verbrennen, verbieten) vermuten. Aber im Grunde ist mir das auch egal.

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Kategorie: Tagesberichte

von

Ohne Musik? Das geht gar nicht. Leidenschaft. Schon immer für immer. Ich höre, also bin ich. Und schreibe darüber. Auch....

21 Kommentare

  1. „Somit gibt es dort nicht, so wie hier, grammatische Albernheiten oder orthografische Ungeheuerlichkeiten.“

    Sowas gibt’s bei uns auch nur stundenweise, dann kommt der Rechtschreib-Faschist daher und macht sie alle nieder, meine TIPP-Fehler.

    Ansonsten hatte ich heute für Montag eine Einladung zum Kasabian-Konzert direkt vor der Haustür (3 min zu Fuß) im Briefkasten. Ich huste aber immer noch wie blöd und Fieber ist tendenziell auch noch da. Also wird das Nichts. Die Welt ist böse und gemein. Gute Besserung dir!

    Immerhin, ich hab schon wieder Kraft hier und da im Internet zu spuken. (SomeVapourTrails sagt, ich soll doch jetzt und hier bitte spuken mit „ck“ schreiben)

  2. Gute Besserung, Herr Schallgrenzen. Visions wird 20? Hm, müsste ich auch mal wieder lesen. Für Postrock gibt es leider hierzulande kein vergleichbares Magazin.

    „Mir sind allerdings grössenwahnsinnge Amis, die mich mit ihrer Musik bekehren wollen, tausendmal lieber als irre Moslems, die mich mit ihrer Bombe unter dem Arm auf den “richtigen” Weg bringen wollen.“

    Das kann ich voll unterschreiben. Betrachte das hiermit als geschehen.

    („Best-of“-Alben? Bestehen die nicht immer nur aus den Liedern, die sich am besten verkaufen ließen, und das womöglich noch in elend gekürzten Fassungen? Üh!)

  3. „Aber wenn ich die Musik nicht mag, brauche ich auch nicht drüber zu schreiben, es sei den ich habe niedere Beweggründe.“ —

    Lustig, dass du das schreibst. In einem länglichen Beitrag über 78s. Das du nicht magst.

  4. Peter sagt

    Schön, da haben wir ja beide was zu lachen. Ich überlege gerade, was ein länglicher Beitrag ist.
    :mrgreen:
    Und da bei Euch die Trackbacks nach Bedarf unterdrückt werden, werde ich schleunigst den Link entfernen.

  5. Sich als „Das Magazin für bessere Musik“ zu nennen, finde ich schon arg daneben gegriffen.

    „78s – Das Magazin für bessere Musik ist ein unabhängiges Musikmagazin im Netz. 78s ist die erste Adresse für Musik, die nicht nur gut ist, sondern besser. Für alle, die gute Musik lieben und stets auf der Suche sind nach noch besserer Musik.“

    Schlucken die auch ihr eigenes Sperma, weil die sich so geil finden? Bedaure auf ihre Seite geklickt zu haben. Für mich nicht die erste, sondern die letzte, unbrauchbare Adresse für Musik. Die laden sich doch die Platten illegal runter.

  6. ui, Glück gehabt! 🙂

    die 78er mag ich übrigens auch nicht wirklich… pseudo-elitäres Gequacke zur Selbstbefriedigung. Nö, braucht man nicht!

  7. Nun, so wie der Rolling Stone natürlich genüsslich manch Alben ausweidet und amerikanische Online-Fachpostillen wie Pitchfork nahezu alles daran setzen, gewisse allgemein anerkannte Musiker durch den Dreck zu ziehen (Stichwort: Eels), so wollen natürlich auch Blogger – oder solche, die sich für besser erachten und sich Magazin schimpfen – ebenfalls vom Leder ziehen und Häme zelebrieren. Und obzwar es durchaus Sinn macht, nicht alles über den grünen Klee zu loben und auf – der eigenen Einschätzung nach – Fehlleistungen zu verweisen, so sollte man auch da Respekt zeigen. Nun sind 78s aus Geltungssucht heraus mehr am Hervorheben der eigenen Größe als an Musik interessiert. Das ist durchaus legitim, wenn man die schreiberische, denkerische und empathische Potenz aufweist. Die suche ich bei 78s und will sie partout nicht finden. Da ist mir die niedliche Wichtigkeit von WhiteTapes doch um Hausecken lieber. Selbige erinnern mich in ihrem Verhalten immer an die Aufregung, wie sie Menschen zeigen, wenn sie sich plötzlich im Rampenlicht oder vor der Kamera finden und frei nach dem Motto Mama-ich-bin-im-Fernsehen loswinken.

  8. Eels allgemein anerkannt? Sicher, in einer gewissen Klientel…

    Es ist die Aufgabe von Musikjournalisten, sich positiv oder negativ über Alben auszulassen. Nichts anderes wird ja bspw. hier mit dem Soundcheck vollzogen.

  9. Dass du keinen Respekt für diejenigen Musiker hast, die kein Plätzchen in deiner Sammlung haben, weist dich dafür alles perfekten Musikfan aus. Gratulation dazu. Frag mal, ob dich nicht so ein hochwertiges Magazin wie 78s als Autoren benötigt.

  10. Ich habe Respekt vor den Musikern, nicht aber vor dem grausigen Gedudel, das sie fabrizieren. Wer hingegen direkt den Menschen diffamiert, disqualifiziert sich in meinen Augen als potenzieller Gesprächspartner. Dennoch danke für den Versuch.

  11. Peter sagt

    Ihr mit Eurer Kabbelei.Und ich muss den Berlinern schon ein wenig beipflichten. Natürlich werden Eels in gewissen Kreisen anerkannt. Zum Beispiel bei Chris und bei mir. Okay, du magst Eels nicht. Kein Problem damit. Du findest die Musik Scheisse. Kein Problem. Aber sind alle, die, bleiben wir bei den Beispiel Eels, die Musik gut finden, Idioten??? Gewisse Sticheleien unter Fans gab’s und wird’s immer geben, aber man sollte doch andere Geschmäcker zumindest tolerieren.

    @ Tux Aber genau das macht Du nicht. Siehe Muse Soundcheck. In dem Kommentar zum damaligen Soundcheck hatte die Kommentatorin gewiss nicht Unrecht, nur weil du nicht ihrer Meinung warst. Das hat mit Respekt nichts zu tun. Für sie (die Kommentatorin) ist Muse die beste (Live) Band. Ihr gutes Recht, diese Meinung zu haben. Du hast eine andere Meinung, aber sie hat Unrecht?
    Ich möchte nun wirklich nicht, das hier noch dazu aufgerufen wird, missliebige Fans zu Idioten zu stempeln oder das zu Plattenverbrennungen aufgerufen wird.

  12. Ja, natürlich, aber ich würde mir nie anmaßen, direkt einen Menschen als Person anzugreifen. Da liegt eben die Nuance. Du wirst von mir nie eine Titulierung als „Idiot“, „dumm“ oder „im Geisteshorizont beschränkt“ lesen, nur weil jemand irgendwelche drittklassige Dudelei gut findet.

  13. Peter sagt

    Na, das hoffe ich doch. Dann höre Du mal weiter erstklassiges, ich labe mich in den unteren Regionen.
    😀
    So, und jetzt fahren wir zur Playground – Veranstaltung.

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