Portugiesische Melancholie: Ana Moura
Heute am Samstag gibt’s wieder etwas aus dem Südwesten Europas, aus Portugal diesmal. Angekündigt ist Ana Moura, am Fuße des grünen Hügels # 1– und sie ist der neue Stern am Fadohimmel. Die 25jährige hat bis vor fünf Jahren in einer Rockband gesungen, als Fan der melancholischen Folklore aber gabs bei jedem ihrer Konzerte ein Fadostück von ihr. Dann wurde sie der Legende nach bei einer Weihnachtsfeier von einer Produzentin entdeckt.
Fado ist ursprünglich die Musik der Arbeiterklasse. Mittlerweile ist Fado in Portugal nicht nur bei den Einheimischen beliebt – berühmte Fadosängerinnen und -sänger sind in der ganzen Welt auf Tour. Das Konzert beginnt mit der Sängerin aus dem Off – drei Gitarristen erklimmen nach und nach die Bühne und beginnen zu spielen. Dann betritt Ana Moura die Szene. Das Publikum sitzt locker verteilt auf der Rasenfläche. Etliche portugiesische Fans sind da. Ruhige, melancholische und tragische Melodien kriechen über die Hügellandschaft der Donausinsel.
Aber es kommt nicht nur klassischer Fado zum Einsatz: Ana erzählt, dass vor einiger Zeit der Saxofonist der Rolling Stones, Tim Ries, auf sie aufmerksam geworden sein. Er schlug ihr vor, einige der Stones-Songs als Fado einzusingen. Höhepunkt der Zusammenarbeit war ein Duett gemeinsam mit Mick Jagger vor rund 30.000 Zuschauern und dem Stones-Hit „No Expectations“: Das Ergebnis lässt sich gut anhören, als Ana dann diesen Stones-Song zum Besten gibt
Auch wenn man nicht viel von den Texten versteht, fast alle Zuhörer bleiben wie betört vor der Bühne sitzen. Fado ist eine besondere Musik, wie Ana Moura in ausgezeichnetem Englisch sagt, bei der es immer um Gefühle und Emotionen gehe. Die brauchen keine Übersetzung.
Massenmagnet Placbo
Der Abend gestaltet sich wieder schwierig. Gleich drei Konzerte stehen parallel an, die ich am liebsten nacheinander geniessen möchte: Khaled (Tunesien) auf der Weltbühne, Placebo auf der Hauptbühne und Stargitarrist Al Di Meola im amfiteatrum. Da alle drei Locations viel zu weit voneinander entfernt sind, und Khaled aufgrund der Überlänge der Vorgängergruppe N&SK aus Frankreich verspätet anfängt, lasse ich diesen Act schweren Herzens sausen.
Zum zweiten Lied von Placebo komme ich vor der Hauptbühne an. Das heisst, ich stosse auf das wieder herausquellende Publikum an den Zugängen, und schlage mich per Schleichweg so gut es geht zum Presse-Aussenbereich durch, um ein Stehplätzchen am vorderen Rand zu ergattern. Noch nie live gesehen und ich muss sagen: schon gigantisch, großartige Live-Performance. Der Hauptplatz, inzwischen zweilagig mit Fans gestapelt, scheint der gleichen Meinung zu sein.
Höhepunkte der knapp anderthalbstündigen Darbietung sind „Follow the Cops back home“ und „Meds“. Die Stücke „Slave to The Wage“ und „Special K“ sind auch mit von der Partie. Sänger Brian Molko verliert jedenfalls nicht viele Worte während des Konzerts, Placebo spielen zügig durch. „Song to say goodbye“ kündet wie der Titel – vom Ende des Konzerts. Es gibt aber noch Zugaben. Die höre ich aber nur aus der Ferne, da es nun zum Rest vom Al-Di-Meola-Konzert geht.
Al Di Meola und Band
Auch die „amfiteatrum-stage“ am grünen Hügel # 1 ist gut besucht, bekomme aber noch einen brauchbaren Platz weiter vorne. In der Mitte positioniert ist Al Di Meola mit seiner Gitarre, rechts von ihm Akkordeonspieler sowie Percussions links. Ich höre gerade noch ein halbes Instrumentalstück, und schon geht die Jamsession los: Al gibt seinen Mitspielern Kommandos mit seinen Händen, obwohl die eigentlich pausenlos damit beschäftigt sind, die Saiten zu bearbeiten. Nicht nur die Zuschauer sind fasziniert, selbst seine Mitspieler schauen kopfschüttelnd di Meolas rasant-virtuosem Spiel zu.
In diesem Sommer tritt er gleich auf vier Kontinenten auf – eine Station dankenswerterweise das Sziget in Budapest. Angefangen hatte alles mit Chick Coreas Gruppe „Return To Forever“ – danach sammelt Al Preis um Preis ein, und galt in den Siebzigern als schnellster Gitarrenspieler seiner Zeit. Vor allem die breite Masse kennt ihn aus der legendären Performance mit Paco di LucÃa und John McLaughlin aus dem Live-Akustikalbum „Friday Night in San Francisco“ aus dem jahr 1981, mit dem Stück „mediterranean sundance“.
Der Jubel will nicht abebben, als er als Zugabe dann die ersten Noten dieses Stücks anstimmt – das Spiel neckisch unterbricht mit den Worten „How do you know that – its 30 years old ?“ – und schmunzelnd dazu setzt „ I heard it the first time when I was two years old – of course“ …
Man merkt dann aber doch eine gewisse Verausgabung, und nach dieser einen Zugabe ist leider, leider schon Schluss.

Al Di Meola nach dem Konzert
Unter frenetischen Applaus zieht er dann mit den Worten „Wow- I feel like a rock star“ sein Tshirt aus und wirft es in die Menge. „ But I swear, I won’t do it ever again“ – Lachen. Danach gibt’s noch eine kleine Autogrammstunde für die Fanschaft. Al Di Meola fliegt an diesem Abend gleich weiter zum nächsten Konzert.
Babylon Circus
Vor allem die französischen Szigetbesucher werden durch Babylon Circus angesprochen. Dementsprechend zum Bersten voll ist dann auch das Zelt der WAN2-Stage, denn die Franzosen stellen neben den niederländischen Besuchern eine der größeren Besuchergruppen des Szigets. Akrobatischer und schweißtreibender Ska bringt das Zelt und die Zuschauer dann vollends zum Glühen. Nette Truppe, aber 10 m vom Eingang entfernt die Show zu verfolgen ist nicht meine Sache, obwohl angenehm kühl. Nächstes Mal bitte größere Bühne.
Text & Fotos ohne Kennzeichnung: Florian A (sonst © by Sziget Press)



