Steve Wilson – Insurgentes

6 Mrz

Wenn Steve Wilson könnte wie er wollte und er nicht gerade was besseres zu tun hätte, würde er vielleicht mein neuen iPod Touch zerdeppern. Mit den Hammer drauf und kaputt. Der gute Mann hasst nicht nur iPods, sondern den ganzen neuen digitalen Kram. MP3`s sind Scheisse und man würde (auch bei bester Enkodierung) nur ein Bruchteil dessen hören, was auf der Orginalproduktion vorhanden ist. Ich weiss ja nicht was der Mann für Ohren hat, aber das müssen schon ganz schöne Löffel sein. Aber das Rad kann natürlich nicht zurückgedreht werden. Sonst würden wir heute noch unsere Weiber an den Haaren hinter uns herziehen, und das wohl keiner. Aber zur Musik.

Das Steve Wilson seit ewigen Zeiten für Qualität steht, hat sich auch auf  Insurgentes nicht geändert. Während der hymnische Opener “Harmony Korine“ noch am ehesten an Porcupine Tree erinnert, geht es ab da in einer Tour de Force durch sämtliche Genre. Vom Trip-Hop (das wunderschöne “Abandoner”) bis Post-Rock, über noisigen  Shoegaze (das monumentale, verstörende “Salvaging”) und Wechselbäder zwischen psychedelischen Rock und experimentellen Sounds wird von Steve Wilson und seinen Gästen (u.a. Gavin Harrison, Tony Levin, Jordan Rudess) einiges geboten.

Wenn Vergleiche zu seiner Stammband Porcupine Tree gewünscht, dann noch am ehesten ältere Songs aus der The Sky Moves Sideways-Phase, wie das King Crimson`sche “No Twilight Within The Courts Of The Sun”. Für mich einer der besten Songs auf dem Album.  “Salvaging”  klingt unheimlich und morbide und erinnert an Scott Walker. Danach vertont Steve Wilson mit  “Get All You Deserve” schreckliche Verzweiflung und Depression. Lange kein mehr so bösen, düsteren Song gehört, der zum Ende in einer wütenden Noiseattacke endet. Der letzte Song, der an sein Sideprojekt Blackfield erinnert, klingt traurig schön, doch versöhnlich.  Fazit ist, Steve Wilson lässt sich nicht festlegen und macht was er will, und das ziemlich gut.

Postscriptum: In der limitierten Version gibt es eine Bonus-CD mit 5 Songs. Besonders hervorzuheben ist “Puncture Wound”, der düster und elegisch an Depeche Mode und Songs of Faith and Devotion erinnert.

ähnliche Musik: Porcupine Tree | Blackfield | King Crimson
Anspieltipps: Harmony Korine | Get All You Deserve | Abandoner
Album kaufen: Insurgentes Ltd.Edition
Wertung: 8.5/10

weitere Infos: Steve Wilson Homepage | Porcupine Tree Homepage

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5 Antworten zu “Steve Wilson – Insurgentes”

  1. der tux mal wieder 06. Mrz, 2009 at 17:44 #

    Hm, nee, ganz ehrlich; solo (wie auch mit no-man) langweilt mich der Mensch. Freu mich da eher auf das nächste PT-Album. Soll ja im September erscheinen.
    (Steve Wilson, Steven Wilson, entscheid dich mal. :))

  2. Johannes 07. Mrz, 2009 at 15:25 #

    Klasse Beitrag. Bin äußerst beeindruckt von Steven Wilsons Arbeit und das hier ist überwältigend. Nur leider habe ich nicht die Bonus-Track-Version… :-(

  3. HC 09. Mrz, 2009 at 13:40 #

    OK, wenn Wilson in der beigefügten Dokumentation auf wehrlose i-Pods mit Hammer und Flammenwerfer losgeht, naja, ein wenig fundamentalistisch, ähnlich wie im ansonsten gewohnt überragenden Booklet… Jedoch die Musik, Wahnsinn dieser Mensch! Überragende Ideen, tolle Gastmusiker, v.a. “No Twilight Within The Courts Of The Sun”. Ein echtes Meisterwerk…

Trackbacks und Pingbacks

  1. Gazpacho - Tick Tock | musicu.be - featured blog posts. updated daily. - 25. Mrz, 2009

    [...] letzten Tagen gab es aus diesem Genre ja auch einige Leckerbissen zu bestaunen. Das Soloalbum von Steve Wilson wird von Tag zu Tag besser, das Solowerk des Riverside Sängers Mariusz Duda ist beängstigend gut. [...]

  2. klangmuster » Neue Klangmuster von Steven Wilson - 16. Jul, 2009

    [...] bin, muss ich mich auf die Worte meiner Blogger-Kollegen verlassen. So ist z.B. bei Peter von Schallgrenzen u.a. von Post-Rock, Trip-Hop, Shoegaze, psychedelischen Rock und experimentellen Klänge die Rede. [...]

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