Soundcheck: Red Sparowes – The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer

20 Apr

Im Soundcheck: Red Sparowes – The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer. Nach vier Alben und diversen Splits-Ep`s ein neues Album der Post-Rock Kapelle aus den USA. Drei Meinungen die hoffentlich ein Gesamtbild ergeben. Initiator ist Chris von Lie In The Sounds. Dafür Dank und die ersten Worte. Zur Seite steht ihm der schriftgewaltige Benedikt. Meine pinselquälerischen Unzulänglichkeit geriet etwas unmotiviert und mögen der Aktivität des isländischen Vulkans Eyjafjalla geschuldet sein.  Erhoffen gnädige Nichtbeachtung durch den tapferen Leser.

The Fear Is Excruciating

Chris: Den Red Sparowes fehlte auf den bisherigen Veröffentlichungen immer ein wenig, um in die allererste Liga des Post-Rock-Olymps aufzusteigen. Mit “The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer” haben sie zwar den Gipfelsturm weiterhin verschoben, aber sich zumindest erfolgreich in lichten Höhen akklimatisiert. Natürlich wird die Band nie die akademische Finesse von Godspeed You! Black Emperor erklimmen und auch ein herzzereißendes Album wie etwa The Earth Is Not a Cold Dead Place von Explosions In The Sky zeichnet sich zumindest vorerst nicht als Silberstreifen auf dem Gipfel ab, aber dennoch treten die Red Sparowes nicht ins Leere, behalten Bodenhaftung, liefern eine handwerklich gediegene, von über weite Strecken nuanciertem Understatement getragene Platte ab, der es an kreativen Höhepunkten ab und an mangelt. In Illusions Of Order gehört zu den stärksten Nummer des aktuellen Albums, mit der zwar altbekannten, aber auch bewährten Mischung aus kraftvollem Sound und nachdenklich-meditativen Momenten. Auch A Mutiny mit dem eleganten Quäntchen Traurigkeit gelingt vorzüglich. Und wenngleich man vom Gefühl beschlichen wird, dass das neue Werk noch nicht den Leistungszenit der Formation markiert, so mutet dies Stillleben aus dem Biwak doch meist idyllisch an.

Benedikt: Eigentlich wollte ich dieses Album hier nicht im Soundcheck sehen,  würde es mir doch weitaus besser gefallen hier Platten kritisieren zu  dürfen, die ein deutlich höheres Polarisierungspotential bieten. Pure  Lust an der Provokation… Dies tun die gerechten Gesellen Bergsteiger  hier definitiv nicht. Somit fällt die treffende Kritik des  anspruchsvollen Herrn Vorredners durchaus so aus, wie ich sie fast  erwartet habe und wie das Album letztendlich auch tatsächlich auch  ist. Das Album eckt nicht an, das Album ist gut, das Album ist schön.  Punkt. Die Red Sparowes kraxeln ein wenig im Schatten anderer Bands  auf Almhöhe durch die Postrockgebirge und machen dabei eine ganz  ordentliche Figur, fielen aber mehr durch die provokative, narrative  Länge ihrer Songtitel als durch exzeptionelle Kompositionen auf. Dies  hat sich deutlich, wie bereits bemerkt , geändert.  Das mit den Songtiteln wenigstens. Die Musik ist gut, teilweise sogar  richtig gut. Die Gitarrenarbeit der drei Gitarristen ergänzt sich  wunderbar, punktgenau und schafft genug emphatische Momente um zu  gewinnen, gelegentlich überraschend sinfonisch, zart und hart, je nach  Erfordernissen. Die gute Rhythmusarbeit schafft die erforderliche  Dynamik und Dramatik, die der Postrock lebenswichtig benötigt um der  drohenden Langweiligkeitsfalle zu entrinnen. Selbst die wohldosierten  Zitate des 70er Progrocksounds passen gut, eine gute, sehr gut  eingespielte und facettenreiche Platte einer guten Seilschaft in der  Wand. Aber keine Platte, die mich vereinnahmt, keine die mein Herz in  den eisigen Höhen des Hochgebirges entflammen kann. Dafür ist sie  wenig herausfordernd. Zu wenig inspirierend. Hier hinkt sie etwas den  bereits oben genannten Protagonisten hinterher. Note:gut.

Peter: Tatsächlich ist es absolut unfröhlich, in einem Soundcheck brüderliche Gemeinsamkeiten herunter zu beten. Polarisierung macht mehr Spass und hat für den Leser wahrscheinlich einen grösseren Nährwert. Zumal sich bei mir ein gewisses Völlegefühl breit macht. In letzter Zeit einfach zuviel instrumentale Rockmusik genossen. Dafür können die Post-Rocker aus L.A. natürlich nichts und beginnen mich nach einem kurzweiligen Intro  mit “In Illusions Of Order” aus der Lethargie zu holen. Schöne Rythmusarbeit und cooler Basslauf. Grandiose Gipfelstürmung, dramatisch Abfahrt. Abwechslung, Finesse und Kraft.  Insbesondere auf Konzerten, aber auch beim Genuss der Konserve fokussiere ich meine Lauscher auf den Schlagzeuger. Wichtiger Mann, ist hinter der  Schiessbude das A und O. Er muss zusammenhalten, was zusammen gehört. Macht es gut, der Mann.  Die weiteren 6 Titel sind spannend bis entspannend, befriedigend bis gut und alles, nur kein Mittelmass.

Red Sparowes besuchen: Homepage | MySpace
Album via Amazon: The Fear Is Excruciating (CD)

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