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Soundcheck: Muse – The Resistance

Im Soundcheck: Muse – The Resistance. Drei Stimmen von Hirnfick 2.0, Benedikt, Co-Autor hier auf den Schallgrenzen und meine Wenigkeit. Soviel vorweg , das sieht nicht gut aus für Matthew Bellamy und die Seinen.

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Benedikt: Dieses Album wird polarisieren, dass ist klar. Ich bin ja eigentlich ein netter Mensch und habe Ehrfurcht vor jeglicher kreativer Arbeit, aber sag es mal direkt zu Anfang: Selten habe ich ein Album gehört, das mir richtige körperliche Beschwerden bereitet. Dieses hier schafft es locker und selbstverständlich. Permanentes Höherschrauben der Theatralikschraube ist museimanent und eigentlich Klasse, wenn es nicht langsam zum Selbstzweck werden würde. Aber was in aller Welt hat Herrn Bellamy getrieben, sich dermassen intensiv in offensichtlicher Zitatsucht quer durch alle Zeiten und Stile, schwülstigen Pathos und Klischees, opulenten Bombast und letztendlich anschreiend aufdringlicher Belanglosigkeit zu verlieren? Und was will Bel Ami uns mit diesem Album eigentlich sagen? Seht her, was ich alles kann und wieviel Spaß ich dabei habe? Eigentlich bin ich Chopin, König Ludwig II, Johann Strauss, Freddie Mercury, Timbaland, Abba, Led Zeppelin, Depeche Mode und Suzi Quatro in einem. Puh! Wenn es funktionieren würde, Respekt. Tut es aber nicht. Es ist und bleibt perfekt inszenierter Kitsch und ist nichts anderes als eine gefühlsduselige, megalomanische, hysteroide Operette. Ich möchte nicht wissen, was in der Jugend des kleinen Matthew falsch gelaufen ist, aber irgendwie macht mich die Musik stutzig. Spätestens bei der schwülstigen, banalen Rocksymphonie (oh, Gott!) drehen sich mir die Fußnägel auf. Durch Klassikzitate wird der Rest auch nicht besser. Das hat noch nie funktioniert, auch nicht in den 70ern. So, jetzt warte ich auf die Schläge… und bekomme schon Angst vor dem ersten Museical!

Tux: Die wenigen Momente auf „The Resistance“, die sich tatsächlich für gutes Liedmaterial eignen würden („Mk Ultra“), werden ruiniert, sobald der „Gesang“ einsetzt. Ich hielt ja schon Brian Molko für unerträglich weinerlich, aber gegen Matthew Bellamy und seine ewig gedehnten Vokale (so spart man sich natürlich auch schlaue Texte, wenn man durch so was die Leute davon abhält, auf sie zu achten) ist Placebo eine wahre Wohltat. Ja, Muse ist anspruchsvolle Musik, jedoch in der schlimmstmöglichen Definition von „anspruchsvoll“. Allenfalls geeignet als Untermalung für B- und Amateurfilme, wo ich sie selbst schon hören musste, und auch für Tanzabende in einem dieser Billigklubs, wo am Eingang zunächst ein Schnaps gereicht wird, damit man trotz des Lärms Spaß haben kann. Und so einen Schnaps hätte ich persönlich für dieses Album auch gern.

Peter: Für Jemanden, der unter Analgesie leidet, mag das Album unschädlich sein, dem Gesunden droht Ungemach. In aller Deutlichkeit: Katzendreck. Ich sag’s nicht gern, aber nach mehreren Hördurchgängen fühle ich nur noch körperlichen Schmerz und Erschöpfung pur. “The Resistance” ist des Wahnsinns fette Beute. Grössenwahnsinnger, pompöser, aufgepumpter und sinnleerer Orchestral-Pop, der nichts mit den genialen Werken ” Showbiz” und “Origin Of Symmetry” zu tun hat. Mag sein, das es für eine Band schwierig ist, zu ihren Anfängen zurückzukehren. Mit diesem “progressiven” Mumpitz sind sie bei mir durch. Muse hatten ja schon immer einen relativ hohen Nervfaktor. In kleinen Portionen kam man allerdings gimpflich davon. Auf “The Resistance” , einer infernale Schussfahrt in den Grössenwahn, gibt es mit “Uprising” und “MK Ultra” zwei Songs die gefallen, den Rest kann und will ich nie wieder hören. Fehlt nur noch, das sie Live in Abba-Kostümen, Porno-Sonnenbrillen und silbernen Plateau-Schuhen auftreten. Wundern würde es mich nicht.

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21 Kommentare

  1. kathrin sagt

    anscheinend hat derjenige der das geschrieben hat, muse nicht verstanden. muse sind kitschig,bombastisch und matthew bellamy hat eine stimme die nicht jeder hat. wenn du sie nicht magst, ok.
    anscheinend warst du noch nicht auf einem muse konzert, sie sind nicht umsonst die beste live band.

  2. Liebe kathrin,
    entschuldige den Tux. Das ist ein Grobian. So spricht man nicht mit einer Dame. Diese Artikel wurde von drei Ungläubigen verfasst. Ich glaube zumindest, das Muse live grossartig sind.

  3. Eigentlich sind wir drei und haben das alles unabhängig voneinander geschrieben. Echt! Seltsame Übereinstimmung. Könnte vielleicht doch was dran sein. Mystisch… Vielleicht sind wir ja die drei heiligen Könige, die drei Musketiere oder zumindest die Drei von der Tankstelle. Die konnten wenigstens noch singen. 😉

    … Muse macht halt tuxig!

  4. Peter: Wenn Frauen im Unrecht sind, sollten sie sich das auch sagen lassen, Feminismus hin oder her. „Wer einen Gentleman erwartet, muss vorher Lady sein.“ 🙂

    Benedikt: Vielleicht sollten wir mal eine Platte aufnehmen? Immerhin dürfte das nicht zu „musikalischen Differenzen“ führen.

    😀

  5. Pingback: For Your Interest | kleine “Presseschau” zu Muse – The Resistance | Soundtrack of my Life

  6. Pingback: Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Drei Bands, drei Gefühle

  7. Homunculus sagt

    Danke Peter..
    Diese Band hat mir schon immer körperlich zu schaffen gemacht.Eine einzige pathetisch-kitschige Bedrohung. Der Sänger braucht nen Waffenschein bzw sollte eigentlich ganz weggesperrt werden, unerträglich.

  8. Blargh sagt

    Kontext bitte. Toll dass alle drei Protagonisten unisono kontra „geschrieben“ haben. Good Show!!!

    Wer sich mit billigen Erstsemester-Musik-Student-Kritiken dem sonst fehlenden Inhalt erretten muss, hat wohl leider nie eine Chance, dieses Album als Konzeptwerk anzusehen.

    Man lese 1984 und höre diese Album. Der Rest kommt von selbst.

  9. Lieber Herr (?) Blargh,

    Allein die Tatsache ein Konzeptalbum zu veröffentlichen entbindet noch lange nicht von der Tatsache gute Musik zu produzieren. Es hier auch für den letzten 20zigst Semester konstatiert, dass alle Protagonisten dieser Plattenkritik UNABHÄNGIG voneinander ihre Meinung zu Bildschim gebracht haben. Sorry, keine Show. Desweiteren handelt es sich bei allen Protogonisten durchaus im gestandene Musikliebhaber weit jenseits des Erstsemesters. Sorry, Blargh. Es ist schon erstaunlich, wie entrüstet und getroffen der ein oder andere Museliebhaber auf anderweitige Kritiken reagiert und negiert, dass auch Muse sich dem Vorwurf stellen darf, … wer sich mit Pomp und Pathos dem sonst fehlenden Inhalt erretten muss, der hat nie eine Chance von uns verstanden zu werden…
    😉

  10. Was hat 1984 damit zu tun? 😮

    Ansonsten gilt: Konzeptalben sind nicht unbedingt auch gut. Yes‘ „Tales from topographic oceans“ stammt aus ihrer besten Phase und ist dennoch furchtbar. Na und?

    Ich studiere übrigens nicht Musik und erst recht nicht im ersten Semester. Ich mag dieses grausige Gewimmer nur nicht.

  11. ïngmar sagt

    Muse waren bisweilen langweilig, nahezu schon öde und, wenn überhaupt, nur ansatzweise hörbar. Aber dìeses Werk ist durchweg gelungen! Schon lange nicht mehr so ein durchweg stimmiges Gesamtwerk erlebt. Was spricht eigentlich gegen Zitate, Bombast, Pomp und Kitsch? Ich find’s geil! Toll, wenn gegen aller Erwartungen positiv überrascht wird. Trifft jedenfalls den bzw. meinen Hör-Nerv.

    @Peter: Mensch, unsere „Geschmäcker“ driften auseinander, wie mir scheint… schade!
    Mach was!! Sonst muss ich fremd gehen und woanders weiterlesen… 😉

  12. Peter sagt

    Das täte mir leid.
    :sagnix:
    Aber da sehe ich keine Hoffnung. Ich kann mir ja nicht befehlen, so einen Murks gut zu finden. Aber Gottseidank gibt es noch ca 3.5 Millionen weitere Musikbands auf diesem Planeten.

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  15. wirklich schade wie man sich so hasserfüllt über etwas banales wie eine popplatte aufregen kann. the resistance ist ein absolutes meisterwerk, die platte hat alles was eine gute rockplatte braucht, sie hat härte (unnatural selection), ne super ballada (guiding light), elektro (undisclosed desires)…ich glaube da spricht eher der neid einiger möchtegern musiker, deren fähigkeiten leider nicht an die talente dieser band herankommt und die deshalb jetzt plattenkritiken schreiben

    nunja über musik zu reden ist wie zu architektur zu tanzen…

  16. Andreas Lange sagt

    Wer so eine Kritik schreibt,hat leider keine Ahnung von Musik und hört privat wahrscheinlich Take That oder Phil Collins,Tina Turner oder andere Berufslangweiler.Warscheinlich spielt ihr auch kein Instrument.Der Gesang ist großartig (bringt er auch live so rüber ) Musikalisch sind sie eine Liga für sich.Die Band hat sich weiterentwickelt,ich gehe sogar soweit,es ist der Nachfolger der St. Pepper Platte.Keiner spielt so genial Gitarre,Klavier und hat so eine Stimme wie Matt.Die Songs sind heavy,einfühlsam,melanchonisch,aufreibend,rockig,die beste Platte die ich seit langem gehört habe.

  17. Hans sagt

    freunde! das album ist wirklich nich doll, aber eure reviews…
    wie hier schon bemerkt wurde sind muse schon seit 10 alben so, schön wenn man sich noch drüber aufregen kann.
    „die sind so doof“
    „nerven mich schon immer“
    „blöde stimme“

    immerhin ist euch ziggy nich zu kitschig

  18. Kritikkritiker sagt

    Ich muss sagen, es ist beeindruckend, wie ihr die Platte scheinbar vollkommen falsch auffasst. Natürlich sind Geschmäcker verschieden, was insbesondere auf eine Band wie Muse oder allgemein progressive Musik zutrifft, doch trotzdem klingt eure Kritik für mich sehr nach einem auf Mainstreammusik beschränkten Geschmack. Worauf man bei einem Album wie „The Resistance“ mehr als bei allen anderen achten muss, ist, sich auf die Musik einzulassen, sich vorerst keine feste Meinung zu bilden und vor allem die Werke nicht nur als einzelne, sondern auch im Gesamtzusammenhang, wenn nötig mehrmals, zu hören, ohne ständig zu denken „Wann ist es endlich vorbei?“. Denn nur dann können sich überhaupt Zusammenhänge ergeben, die nicht rein rational sind, sondern sich auch auf emotionaler und musikalischer Ebene ergeben. Nach meiner Auffassung entsteht dadurch ein gewaltiger Spannungsbogen aus Emotionen, der durch die genannten Mittel (Kitsch, Pomp, etc.) bestmöglich gestützt wird. Wenn man sich beim hören allerdings auf ein Genre/einen Stil (Showbiz/Origin of Symmetry) oder überhaupt auf vorgegebene Genres festlegt, dann ist es nicht verwunderlich, wenn nichts von der Platte vermittelt wird.
    Übrigens: Es bringt niemandem etwas, wenn eine Kritik zur Hälfte aus Beleidigungen und Beschimpfungen besteht. 😉

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