Auf dem Prüfstand: Green Day – 21st Century Breakdown. Mitgeprüft und den Soundcheck durchgeführt haben Chris von Lie In The Sound, Tux von Hirnfick 2.0 sowie meine Wenigkeit.
Chris: Mann muss schon ein besonders feister, ausgesucht konservativer, fundamental christlicher, vorzugsweise kinderschändender, sonntags gutmenschenfressender Heini sein, um die neue Scheibe von Green Day nicht wohlwollend mit offenen Armen ins Herz zu schließen. Leute mit Affinität zu offensichtlich gesellschaftskritischen Lyrics kommen ebenso auf ihre Kosten wie Anhänger eingängiger Mitpfeif-Melodien.Und wo findet man heute sonst noch eine Mainstream-Band mit dem letzten Quäntchen an “street credibility”? Und ein gefühlte 3 Stunden dauerndes Werk, dass seine epochale Bedeutung bereits im Titel stilsicher dingfest macht, dessen hat die Welt doch lange schon geharrt, oder? Nun, verschämt hebe ich die Hand und widerspreche. Stadion-Rock der 70er trifft auf verbeatlete Balladen, verbrämt wird die Soße mit altbackenen Spannungsbögen, die uns hysterisch einsetzendes Gitarrengegröhle als Punk unterjubeln wollen. “21st Century Breakdown” klingt einfach nach fett produziertem, chartstauglichem, aufgeblähtem Sound, den eine textliche Anti-Attitüde bewegt, die nicht weniger radikal ist, als das, was sie so heftig kritisiert. Die simple Wahrheit eines gockelhaft rausgeschmetterten Alles ist scheiße und ich bin dagegen! mögen orientierungslose MTV-Kids für verwegen und punkig halten, mir ist es zu billig. Green Day funktionieren höchstens 10 headbangende Minuten gut, wer es länger hört wird selbst ein “American Idiot”.
Peter: Widerspruch, Herr Richter. Sicher, ich gebe gerne zu, das Green Day seit “American Idiot” erschreckend konsensfähig sind. Unglaublich, aber wahr: ich fand das Album toll, Mutter, Frau, meine Tochter, mein verdammter Nachbar, alle waren mehr oder weniger angetan. Mir ist tatsächlich niemand über den Weg gelaufen, der ernsthaft gemault hätte. Natürlich hat “21st Century Breakdown” soviel mit Punk zu tun, wie Dieter Bohlen mit gutem Pop. Die Songs sind auf Radiokompatibilität ausgerichtet, glattgebügelt und schmissig produziert. Und natürlich ist es Stadion-Rock, ausgefeilt, fett produziert und zum Mitgröhlen. Aber egal, ob wir den politschen und gesellschaftlichen Botschaften trauen dürfen, wir das einen oder andere Haar in der Suppen finden, das Album bietet große Töne aus Punk-Rock, Alternative und Pop. Und wer Hymnen wie den Titelsong und Highlights wie “The Static Age” oder “Murder City” mag, ist möglicherweise ein “American Idiot”, aber trotzdem froh, diese Songs im Radio zu hören und “mitzugrölen”, anstatt hirnlose Pop-Pampe wegzuschalten.
Tux: Mist! Da habe ich mich so darauf gefreut, noch einen Verriss schreiben zu dürfen, und dann wird die neue CD von Green Day – “21st Century Breakdown” – doch noch ganz gut. Obwohl es ja zunächst nicht so scheint, tröpfelt der Anfang doch noch vergleichsweise gemächlich vor sich hin. Dann schwillt das Schlagzeug an (für meinen Geschmack etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt), und der befürchtete Punkpop geht los. Ich höre Blink-182, aber auch – Die Roten Rosen? Mit steigender Titelnummer wird’s allerdings besser und vor allem druckvoller. Die hörbaren Einflüsse variieren dann auch von Stück zu Stück; da sind die headbang-tauglichen “Before The Lobotomy” und “East Jesus Nowhere” und das an die grandiosen The Fall erinnernde “Christian’s Inferno”, in “Restless Heart Syndrome” schimmert gar Gravenhursts Meisterstück “The Velvet Cell” durch. Für eine Punkplatte letztendlich doch erstaunlich vielseitig. Knapp ein Drittel der immerhin 17 (18 mit Intro) Titel hätte man meiner Meinung nach allerdings weglassen können.
Album via Amazon: 21st Century Breakdown
MP3 via Amazon: 21st Century Breakdown [Explicit]







[...] Schallgrenzen.de Bookmarks: [...]
Hmm, als Richter über guten und schlechten Geschmack fühle ich mich nicht ;) Aber wenn ich mir die Entwicklung seit Dookie so ansehe, dann sehe ich Erfolg und schmissige Songs, aber keine Steigerung der Qualität, leider.
Sehe ich nicht so wie SomeVapourTrails. seit Dookie sind die Lieder deutlich besser geworde, die Qualität von American idiot und 21st century breaksown sind ist ca. gleich, aber eine gleichhohe. Wirklich sehr gute Lieder
[...] schallgrenzen.de [...]
Ich finde Dookie , American Idiot und 21st Century Breakdown sind einfach die besten Alben von Green Day. Die Musik ist einfach richtig hammer und Live bei Konzerten sind die sowieso die besten.