Soundcheck: Editors – In This Light And On This Evening
10 Okt
Im Soundcheck: Editors – In This Light And On This Evening . Unterstützt haben mich DifferentStars vom Lie In The Sound aus Berlin und Marc, zur Zeit in Shanghai. Während DifferentStars eine Menge Licht sieht, fällt Marc ein kurzes, gnadenloses Urteil.
Noch kurz zum Soundcheck. Es gibt keine Absprache. Keiner der beteiligten Autoren kennt das Urteil der anderen. Übrigends sind die Leser aufgerufen, interessante Neuerscheinungen im Soundcheck mit ihrer Meinung zu vertreten. Einfach melden.

Peter: Treffen sich zwei obercoole Spacken auf der Strasse (nicht in Berlin, nicht in Shanghai und nicht in Hildesheim) und klatschen sich ab. Beide mit voll krassen iPod (neuestes Modell) und In-Ear-Phones (neuestes Modell) im Kopf. Kleidung vorwiegend schwarz bis dezent. Ey, Alter. Was hörst`n gerade? Die neue Editors, habe ich gestern gesaugt. Voll cool, die Scheibe. Wie Editors? Kenn ich nicht.Zeig mal, Alter. Der eine Spacken hört auf zu wippen und reicht seinem Gegenüber die In-Ear-Phones. Das es ziemlich eckelig ist, sich fremde In-Ear-Phones in die Gehörgänge zu drehen,darüber gehen wir heute gnädig hinweg. Hey Mann, klingt ja ziemlich geil, ist Depeche Mode. Hab`n die `nen neuen Sänger? Klingt so komisch. Nee, Alter, is Editors, die Neue. Cool, Mann, geile Mucke.Volle fette Synthies.Geht gut ab. Stimmt, kann man gut nach abgrooven. Meine Meinung, cooler Shit..Aber trotzdem finde ich, der Sänger klingt so komisch. Dave Gahan fand ich besser. Mann!, das sind *nicht* Depeche Mode. Beide wippen eine Zeit lang. Okay, coole Sache. Kann ich mir die mal von deiner Platte ziehen? Logo, Mann. Die Beiden schlürfen wippend und glücklich weiter.
DifferentStars: The most Joy Division-like Band sind: Die White Lies, tja… so kanns gehen. Da lässt man sich als legitimen Erben von Ian Curtis feiern, genießt zwei Alben lang diesen Ruhm und dann wird man von so ein paar Jungs vom Indie-Thron geschubst, die noch mehr Attitüde, noch mehr Kraft und tiefsinnigere Lyrics (was jetzt nicht so schwer zu schaffen war) mitbringen. Dumm gelaufen, dachten sich die Editors, dann machen wir halt was Innovatives, lassen wir mal die Gitarren ruhen und huldigen wir dem Synthpop. (sonst käme zur Zeit niemand auf die Idee… also fast.. außer vielleich, na gut – so ein Dutzend Tausend sind`s doch).
Das ist jetzt aber ein Veriss – oder? Sollte so sein, hatte ich nach dem ersten Hören der Single Papillon beschlossen. Dieses Synthpop-Gedöns fand ich schrecklich – “Ahhhh…nicht die auch noch. Und plötzlich lieb ich die – sogar das ganze Album irgendwie. Bin hypnotisiert. Hin und wieder muss ich zusammenzucken – da hat sich der eine oder andere doch zu sehr Coldplay-hafte Chorus ins Album verirrt, ich hatte kurz mal Angst, da hat sich Chris Martin himself miteingeschlichen. Dann wieder will ich nur hören und nicht mehr nachdenken, warum überhaupt.
Tom Smith hat einfach eine geile Stimme. Letztens meinte ein Freund von mir, die Lyrics der Editors seien schwach, aber Tom Smith könnte auch einfach nur die Bestellliste eines Pizzaservices rauf und runter singen, er fänd die Songs immer noch toll. Recht hat er, auch damit dass es bei den Lyrics der Editors um nicht viel mehr als auf’m Flyer einer Pizzaria geht. “In This Light And On This Evening” ist einfach nur geil – ohne grandios zu sein.
Marc: Als ich “Papillon” das erste mal hörte, dachte ich das wäre ein Remix der schwedischen Future-Pop Band Covenant. So Musik haben die vor 10 Jahren schon gemacht. Ich finde das Lied auch ehrlich gesagt grauenvoll. Glücklicherweise ist nicht das ganze Album so schlecht. Es gibt 3-4 Ausfälle und einen Hit. Insgesamt ein belangloses Pop-Album, das vielleicht im Fahrwasser der Killers auf eine Chartsplatzierung schielt. Und leider lohnt es nicht, viel mehr Worte darüber zu verlieren.
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Alle Befürchtungen meinerseits zu Editors Album No. 3 waren überflüssig. Lediglich 24 Stunden steht es nun hier, bzw. liegt die Scheibe in meinem Abspielgerät und ich muss sagen, die vier haben mich schon wieder auf dem richtigen Ohr erwischt.
Hat man sich damit abgefunden, daß es dieses mal keine wabbernden Reverbgittarren oder Joy Division’sche Bassmotive (mit einer Aussnahme im Opener) gibt erwartet den geneigten Hörer jedoch etwas Großes. Das Songwriting ist, nix anderes ist man von Editors ja gewohnt, exellent. Punkt! Toms Stimme sowieso. Innovativ ist der grundlegende Sound von “In this light…” sicher nicht, aber wie es die Band schafft, diesem neuen Klanggerüst ihren Stempel auf zu drücken finde ich grandios. Der Depeche Mode Vergleich und mit deren Erfolgsalbum “Violator” ist meiner Meinung auch nicht allzu weit hergeholt, allerdings befindet sich der Depesch’igste Song “Human” nicht auf dem Album, sondern auf der Cuttings II e.p. der Special Edition.
Insgesammt für mich ein kleines Meisterwerk, daß ich so nicht erwartet hätte, wenn ich an den schon fast Stadiontauglichen Charakter vom Vorgänger denke.
Mein Editors Besuch am 20.11. in gemütlicher Rinklokschuppen-Atmosphäre (Bielefeld) ist fast schon sicher.
Ah, der vierte Soundcheck-Teilnehmer. Nächst mal machst Du dann bitte mit
Synthiepop also? Und das will ernsthaft noch wer hören?
Du hast mir übrigens ein “s” geklaut und das gleich zwei Mal…
Als Synthiepop würde ich das Album ja so gar nicht bezeichnen. Und den Vergleich mit Depeche Mode halt ich für gewagt und verwegen. Allerdings vermiss ich auf den Album so ziemlich alles, was ich bei den ersten beiden an dieser Band so mochte…aber: Nach mehrfachem Durchlauf stört es einfach auch nicht mehr. Radiotauglich: ja, für die breite Masse: eher nein…Fazit: Die Jungs können das entschieden besser.
Oh Madame. Tschuldigung. Natürlich bist du ein ganzer Himmel voll Sternen.
DifferentStars: Und mindestens ein “r” fehlt auch.
Falk: Ein Album, das man mehrmals hören muss, damit es nicht mehr /stört/, ist kein gutes Album.
@Tux: Das nennt man einen Grower… kann auch sehr für die Qualität eines Albums sprechen, dass es mit jedem Hören besser wird.
Eigentlich ist es doch auch völlig egal, welche Instrumente als Überbringer von Emotionen vergewaltigt werden. Meine, der Editors-Charakter ist auch im elektronischen Gewand sehr gut wahrnehmbar. Gute Songs schreiben können die halt einfach…Obs n Grower ist, weiss ich noch nicht, jedenfalls ist das Album eingänglicher, als ich zunächst dachte.
@DifferentStars: “besser” ist m.E. nicht gleichbedeutend mit “weniger störend”. Damit etwas besser werden kann, muss eine gewisse Güte bereits vorhanden sein. (Sonst hält es jedenfalls bei mir nicht mal einen Durchgang durch.)
@Carsten:
Absolut richtig!
@tux:
Ich! Ich mag das wieder “ernsthaft hören” – und ich schäme mich nicht mal dafür.