Soundcheck: Archive – Controlling Crowds
11 Mai
Auf dem Prüfstand: Archive – Controlling Crowds. Geprüft und den Soundcheck durchgeführt haben Benedikt, Co-Autor vom The Last Pop Song, Chris von Lie In The Sound, Tux von Hirnfick 2.0 sowie Christian vom Schweizer Musikblog Music Of A Moment.
Benedikt: “Ganz schwierig! Nach Noise dachte ich, es geht nicht besser. Welche Dramatik, was für eine Leiden, welche Schönheit. Lights war schwach und inkohärent. Jetzt ein monströses, fast perfektes Konzeptalbum mit Rückbesinnung auf vergangene TripHop und You all look the Same Zeiten. Das Album erdrückt einen in 80 Minuten förmlich mit den wohlfeilen Archive-typischen Sounds und lässt mich etwas verwirrt zurück. Mein erster Eindruck: Ööhh, ja… Archive rennen bei mir zwar offene Türen ein, aber… wo ist das Besondere, die Essenz? Ist sie mit Craig Walker verschwunden und bleibt nur noch als Blaupause zwischen den (unnötigen) Rapeinlagen und epischen Klangschichtungen mit Klimaxgarantie zu ahnen? Ein bisschen Sorge habe ich, dass Archive das gleiche Schicksal der bekannten Progrockdinosaurier ereilt. Dreifachalben autistischen Schwelgens im Soundbombast und Gefallsucht. Tatsächlich liegt die Fortsetzung des Albums schon fertig abgemischt in der Schublade. Das beste Archive Album? Nein, das ist definitiv mit 58 Minuten Noise. Ein gutes Album? Ja, aber nicht konzentriert genug für wahre Größe”.
Chris: Im Endeffekt kann auch die beste Band der Welt nicht überzeugend bestehen, wenn die stimmliche Ausdruckskraft des Sängers Schrottplatzreife aufweist. So ansprechend die atmosphärisch-düstere Grundstimmung immer wieder mal aus den Boxen flackert, bleibt “Controlling Crowds” trotz wohlwollender Betrachtung absolut anämisch. Eben weil erwähnte Gesangsteile mit beamtenhafter Euphorie abgehandelt und von ausladenden Soundgemälden gen Marginalität abgehalftert werden. Es mag eine Überraschung sein, dass insbesondere die sinistren Rap-Parts, welche in den besten Momenten fast aus der Feder der Übergötter Dälek stammen könnten, das Album vor absoluter Langeweile bewahren. Zum Beispiel entschädigt der Titel “Bastardised Ink” für ein elendiglich dahinsiechendes “Funeral”. Die Meriten der Vergangenheit sind Schnee von gestern, gegenwärtig schrammen Archive arschknapp am Ärgernis vorbei.
Tux: Nun hege ich für so ziemlich alles, was auf “op” endet (Bebop, Hiphop, Triphop, Pop), nicht unbedingt innige Gefühle, da mir aber das Album “Noise” (2002, immerhin) durchaus zusagte, gab ich auch “Controlling Crowds” eine Chance. Gleich beim ersten (dem Titel-)Stück fiel mir wieder ein, wieso ich Archive so selten höre: Die Drumloops nerven tierisch. Aber psychedelisch und hypnotisch ist’s, sehr gut. Das Hypnotische kämpft sich dann noch durch einige weitere Stücke (“Bullets”, grandios, so lange die Stimme nicht ertönt!), aber die bekannten Kehrseiten von Archive und dem Genre, das sie einst begründeten, lassen allzu häufig von sich hören. “Words on Signs” ist schlichtweg langweilig, und der East-/West-/sonstwo-Coast-Rap von “Quiet Time” und “Bastardised Ink” stört den Hörgenuss beträchtlich; letztere beiden Stücke fielen dann auch schon beim ersten Hörversuch meiner “Weiter”-Taste zum Opfer. Irgendwo fehlt mir persönlich auf diesem Album das Laute, Rohe, das nur kurz in “Kings of Speed” aufblitzt. Zu weichgeschliffen, zu träumerisch kommt “Controlling Crowds” daher. Aber all dies ist, natürlich, Geschmackssache. Bewährte Kost für Archive-Freunde allgemein, Ödnis für Noise-Möger speziell. Wie mich.
Christian: Nach dem langweiligen Lights und der auch eher einschläfernden Akkustik-Tour hatte ich meine Erwartungen an ein neues Archive-Album doch etwas heruntergeschraubt. Aber siehe da: die Vorabsingle “Bullets” liess mich aufhorchen. Auch der Rest von Controlling Crowds überzeugt mich über weite Strecken… wenn da nicht diese grässlichen Rap-Parts wären, die den Flow ausbremsen und meinen Finger unweigerlich zur Skip-Taste schnellen lassen. Ohne diese drei Songs wäre das Album eine knappe Stunde lang, was dann auch genug wäre; ein bisschen zu lang geraten ist Controlling Crowds nämlich auch. Ansonsten aber haben Archive ziemlich viel richtig gemacht; die Orientierung an den früheren Werken tut gut, die Mischung aus Trip-Hop-Elementen und sphärischen Soundcollagen stimmt. Und mit “Collapse/Collide” reiht sich endlich auch wieder mal ein echtes Archive-Sahnestückchen in die Liste der Instant-Klassiker ein… noch kein “Again”, aber zumindest auf der richtigen Schiene. Ich sehe wieder Licht am Ende des Archive-Tunnels!
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So unterschiedlich kann’s klingen.
Ha, klasse! Unterschiedliche Meinungen…
… die Rubrik funktioniert! Demnächst vielleicht als Livestream mit Schreierei, Pöbelei und Randale im Studio.
Hi, Hi…
Schon gut, dass die Chris besprochen hat… Archive sind nicht schlimm genug zum total Ablästern und so was von “geht mir am Arsch vorbei”…
Hab nen anderen Wunsch. Ich würd’ gern mal wieder schreiben: Coldplay sind doof und langweilig… und Chris Martin klingt live richtig sch***!
Wollen wir uns nicht das ab 15.5 kostenlos erhältliche Live-Album vornehmen?
http://www.coldplay.com/newsdetail.php?id=388
Wer weiß, vielleicht werd’ ich ja auch rückbekehrt… die ersten CDs von Coldplay hab’ ich ja sehr geliebt
Coldplay? Da kann ich ja gleich Blur hören.
(blur: are shite. (c) Mogwai)
Ich mag Coldplay
Dann wär’s doch die perfekte Platte für ne Kritikerrunde…
@Tux: Wer hört schön Blur, wenn’s doch Pulp gibt :-D
Das einzig brauchbare von Blur sind die Gorillaz.
(Wenn wir jetzt alles rezensieren, was ich mistig finde und Peter mag, dann wird’s irgendwann nur noch so nordischen Ambient-Käse zum “Soundcheck” geben. Och, nö… ;))
ich würde dann mit Peter ins Pro-Coldplay-Horn stossen… (na ja… wenn ich dann mal weiss, was auf dem Live-Scheibchen so drauf ist!). Aber der Einstand ist geglückt, würde ich mal sagen; soll ja so sein, dass verschiedene Meinungen dabei rauskommen. Und sonst können wir uns ja immer noch auf einen DSDS-Erguss stürzen…
Drauf ist dies:
1. Glass of Water
2. 42
3. Clocks
4. Strawberry Swing
5. The Hardest Part/Postcards From Far Away
6. Viva La Vida
7. Death Will Never Conquer
8. Fix You
9. Death And All His Friends
Hatte den Link oben schon gepostet:
http://www.coldplay.com/newsdetail.php?id=388
Ihr Banausen ;) Die Rap-Parts sind absolut fein.
Hui hui, die Sparte hätte man auch Blogger im Sandkasten nennen können. Hi, ich freu mich auf die nächste Runde! Als Beteiligter sag ich mal: … verschenkte Liveplatten ohne Sinn möchte ich nicht besprechen. Da ist nix neues drauf. Den Kaltkäse kennen wir doch schon alle. Wie wäre es mit der letzten Nadja (http://www.myspace.com/nadjaluv) Scheibe?
.. war nur ein Spaß!
Ich würd ja lieber mal eine Dosis Postrock verteilen, damit auch die Indie-Pop-Blogger mal was zu meckern haben. ;)
Postrock ist klasse! (kein Witz)
http://thelastpopsong.blogspot.com/2009/05/pglost.html
Jaja, Pg.Lost sind gut. Hat nun aber nicht geklappt. Stattdessen, die nicht minder guten Hermelin. Ihr Album ist nicht nur sehr gut, sondern steht auch tutto komplett zum freie Download im Netz.