
Das Leben hat mir ja auch schon einige Kerben ins Gesicht gemeisselt. Als ich noch jung und frisch war, meine Haut noch nicht gegerbt war wie ein altes Ledertuch, sondern sich samt wie ein frischgepflückter Pfirsisch anfühlte, entstand wie Phoenix aus der Asche Musik mit neuen Klängen. Die Punkphase Anfang der Achtziger weckte bei mir keine bemerkenswerte Begeisterung. Aber dann hörte ich plötzlich Klänge, die mich elektrizitierten. Die dunklen reduzierten Songs von The Cure auf ihrem Album “Seventeen Seconds”, die düsteren Schwanengesänge von Cocteau Twins auf “Garland” und schwarze Tanzflächenfüller von Sister Of Mercy. Etwas Neues war auf einmal da. Die dunkle, wunderbare und aufregende Seite des New Waves mit neuer Musik.
Warum jetzt dieser melancholische Rückblick. Weil ich die Musik immer noch mag. Und weil in den letzten Jahren eine Menge Bands die Achtziger wieder für sich als Inspiration entdeckt haben. Dies gilt auch für Sinbeats aus Frankfurt. Die Band, das sind Harry Wolff (Vocals, guitar), Arve Fühler (guitar, keyboards), Arkadius Neumann (bass, synth) und Wolfgang Huth (vocals, drums) und sie mögen wie ich den New Wave der 80er. Und Hey, wer Stabbing Westward mag…

Ihr aktuelles Album heisst schlicht “Sinbeat” und ist ein wahres Füllhorn an grossartigen Songs. Natürlich möchte jeder einigartig sein, aber Vergleiche (die in der Misik des öfteren gezogen werden) lassen sich nicht vermeiden. Pumpende Bässe a la The Cure, eindringlicher Gesang, treibende Drums und zwingende Melodien gibt es im Überfluss. Songs wie “Farewell” und “Burning All Stars” nehmen einen mit auf eine atemberaubende Zeitreise. Doch hier klingt nichts altbacken, sondern hier wird handwerklich akurater und tanzbarer Darkwave abgeliefert. Frei nach dem Motto, wir leben im Heute und wissen, wie toll die Musik früher war. Und ja, zum Teufel, das Rad wurde ja auch nur einmal erfunden. Grossartig auch “All your Sundays”. Reminizenzen an Killing Joke und besonders den breiten Sound der seligen The Mission und dem guten alten Wayne Hussey sind zu vernehmen. Aber, und das ist positiv zu vermelden: Immer doch auch mit eigenständigen kleinen, feinen Melodien und zwingenden Refrains. Das die Band, die immerhin schon seid den Neunzigern besteht, noch nicht den Bekanntheitsgrad hat, der ihnen zusteht, bleibt mir ein Rätsel. Das Album ist einfach grossartig und wird hiermit dringend zum Kauf empfohlen. Hörbeispiele gibt es auf ihrer Homepage und bei MySpace.

Da ich ein neugierige Mensch bin, noch ein paar Fragen an Sinbeats:
Hallo Sinbeats, Ihr besteht ja im Kern seid 1990. Das ist eine lange Zeit. Wie würdet ihr, wenn ihr die letzten 15 Jahre Revue passieren lässt, Euren jetzigen Stand im harten Musikgeschäft beschreiben?
Hmmm, gleich zu Beginn eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Wir haben uns eigentlich immer als independent verstanden, das (Major-) ? Musikgeschäft? und seine Mechanismen und Sorgen sind uns immer suspekt geblieben. Wenn wir Leuten aus dieser Branche begegneten, fanden wir, das sie aus ihrem Geld-Blickwinkel nicht herauskommen, nicht verstehen, worum es bei der Musik wirklich geht. Man kam sich dabei immer vor wie beim Beratungsgespräch mit dem Sparkassenmitarbeiter. This is not Rock´n´Roll, this sucks! Kategorien wie Massentauglichkeit oder Chartserfolge sind uns nicht wichtig, für uns gelten andere Maßstäbe. Wir machen die Musik so wie wir sie mögen, wenn das den Leuten gefällt oder sogar vielen Leuten gefällt, freuen wir uns. Wir wollen ehrlich und aufrichtig rüberkommen, gehen mit viel Enthusiasmus und Gefühl an die Dinge heran und daran hat sich seit unserer ersten CD nichts geändert. Wir verlassen uns in erster Linie auf uns selbst und dass es uns immer noch gibt, spricht für sich.
Es gab ja die letzten Jahre viel neue Musik, die den Sound der Achtziger recht erfolgreich wieder entdeckt haben. Bands wie Editors, Interpol oder auch She Wants Revenge haben da ja eine richtige Retrowelle losgetreten. Hat sich bei euch, bei ja ganz ähnlicher Musik, dieses positiv bemerkbar gemacht?
Wir verbinden den Wave mit Rock, Melodien und Gefühlen, die jetzt in der Luft liegen. Leuten die Fans von Interpol/She Wants Revenge/Editors sind, können wir auch gut gefallen, da auch wir eingängige Melodien haben und ähnliche Roots, ausgewirkt hat sich das bisher kaum. Retrowellen kommen und gehen, wir haben diese Musik schon immer gemacht und für uns ist das auch nicht Retro. Es ist die Musik die zu uns kommt und die durch uns zu unseren Fans spricht. Da wir mit unserer Musik durchaus polarisieren muss man sehen, was die Zukunft bringt.
Nach Euren musikalischen Vorbildern die ich aus euerer Musik heraushöre (Sister Of Mercy, Cure, Chameleons) sind ja der New- Wave der Achtziger nicht spurlos an Euch vorbeigerauscht. Wie habt ihr die damalige Zeit wahrgenommen und wie prägend ist sie heute noch?
Wir haben keine Vorbilder, außer vielleicht uns selbst. Natürlich sind wir in den Achtzigern aufgewachsen und wir kennen alle diese Bands. Aber was prägt sind ja persönliche Erlebnisse, Erfahrungen und Abenteuer, Liebe und unerfüllte Liebe, Tod und Teufel, Grenzerfahrungen aller orten und natürlich die politischen Verhältnisse in diesen Jahren. Bands wie die Sisters waren der Soundtrack dazu, aber auch viele andere wie Neubauten, Can, Leonard Cohen oder John Coltrane, Smiths. Bloß weil man als Musiker eine bestimmte Musik mag, muss sie nicht zwangsläufig die eigene beeinflussen, ich sehe da SINBEATS eigenständig und mag Vergleiche nicht. What did Natasha (batcave radio show auf totalrockradio/UK) say: SINBEATS capture the zeitgeist of the early 80s goth with a 21th century feel. Die Zeit bleibt mit vielen guten Erlebnissen verbunden, es muss aber auch immer etwas in der Gegenwart zu finden sein?
Immer wieder höre ich von Musikern Geschichten über die Härte des Musikgeschäfts. Die Cd scheint ein Auslaufmodell zu sein, Auftrittsmöglichkeiten werden immer rarer, die Schwierigkeiten, bei einem Label unterzukommen sind immens. Wie ist eure Vorgehensweise und eure Erfahrungen in diesem Dschungel?
Wir haben früh gelernt, dass wir selbst viel machen und organisieren müssen. Einen Vertrag mit einem kleinen Label oder Vertrieb zu haben (finest noise/icare media) heißt ja noch nicht, dass man sich jetzt bequem zurücklehnen kann. Natürlich würden wir uns über einen Vertrieb freuen, der uns aktiv in die Läden bringt (immerhin kann unsere CD in jedem Laden in Deutschland über das Phononet bestellt werden), wenn wir ein Label finden, das auch Kooperationen mit anderen Ländern in Europa/Amerika hat, es unsere CD über normale Plattenläden dort gäbe, so gibt es die songs über fuego/zebralution nur als downloads über Itunes, emusic, l?internaute (monde francophone),für die CD haben wir uns zwei CD shops gesucht, die sie international verkaufen. Wir arbeiten mit dem was wir vorfinden, da hilft es nichts zu jammern. Wir versuchen einfach das Beste daraus zu machen. Das kostet natürlich Energie die man lieber in die Musik stecken würde aber anders scheint das nicht zu gehen, man muss das also positiv oder wie Marketing Leute sagen, als ?Herausforderung? betrachten. Wir freuen uns über jede verkaufte CD und jeden verkauften download bei Itunes, über alle die zu selbst gebuchten Konzerten in die kleinen Clubs kommen, in denen wir spielen. Massenmedien sind häufig nur an endgültigen Meldungen wie: ?Die CD – ein Auslaufmodell?? interessiert, vergessen das vieles lenkbar ist und gesteuert wird. Es geht um Ausdruck, um Inhalt, um Gefühle, um erleben, um Musik: das ist das eigentliche.
Früher gab es drei Wege der Promotion für Bands. Konzerte, Konzerte und nochmal Konzerte, Airplay und Prinmtmedien. Ich kenne Bands, die haben als “fünftes” festes Mitglied, jemanden, der nur für Internetpromotion zuständig ist. Wie hat sich für Euch im Zeitalter von Myspace und Last.FM die Promotionarbeit geändert?
Das Internet ist ein dankbares Medium um auf sich aufmerksam zu machen, wir haben da auch noch nicht alles ausgeschöpft, aber bisher gute Erfahrungen gemacht, z. B. auch mit myspace. Wir haben sehr gute Resonanz aus aller Welt zur CD bekommen (auch Mags, Radios, DJs), konnten Kontakte knüpfen, an die man sonst nicht so einfach oder gar nicht herankommt (siehe www.sinbeats.net). Übrigens können wir jeden weiteren Tipp gebrauchen.
Ein letztes Statement? Eine Botschaft an die Welt?
Our Melodies have something to say?., hört euch unsere Musik an!
Album kaufen: Sinbeats oder hier oder als Download bei diversen Anbietern





Jetzt musst ich doch glatt die Promo von den Jungs aus dem Archiv rauszerren ;)
Tja, Falk das solltest Du wirklich machen
Ja, die sind prima – die habe ich schon vor vielen Monaten auch in meinem Blog gelobhudelt.
Und das Album ist Nr. 21 in meinen Jahrescharts 2006…
An mir ists echt vorbeigerauscht, auch wenn das giftgrüne Cover mir wirklich in Erinnerung geblieben ist ;) Aber wozu hab ich Euch Beide *g*