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Oh wie schön: Radiohead – The King of Limbs

Hurra, Hurra, Hurra, das neue Album von Radiohead ist da. Da freuen wir uns. Die Indie-Götter geben Rauchzeichen. Neues Album. Erst werden die MP3`s gekauft,  später die CD und noch später für die beleuchtete Glasvitrine das Vinyl. Das mein Puls deswegen Sperenzchen veranstaltet kann ich aber leider nicht behaupten. Kein Wunder, lasse ich mich doch ungern als Radiohead-Fan bezeichen. Radiohead haben mich, abgesehen von Ok Computer, mehr oder weniger eisigkalt gelassen. Aber ja doch, die Band hat in der Vergangenheit ein paar tolle Songs aus dem Hut gezaubert und gelten / galten als ewige Referenz anspruchsvollem Indie-Rocks. Noch früher galten sie als Avantgarde mit progressiver Ausprägung und als vorbildliche Lichtgestalten für unzählige melancholische Frickelkombos. Lange vorbei. Heute sind die Schüler allesamt besser als die Lehrer.  Mit Radiohead geht es mir wie mit Muse, nur in Maßen genossen, sonst Kopfweh.

[dailymotion xh37yw nolink]

Das neue Album heisst “The King of Limbs”. Der Song “Lotus Flower” klingt nett, ist einer der besten Songs auf dem Album und den gibt es auch als Video. Nicht via YouTube, den dürfen wir dort nämlich nicht sehen, sondern diesmal via Dailymotion. Wirklich nette Popmusik für das Hier und Jetzt. Das Video mit Thom York in epileptischer Verzückung möchte ich mir aber kein zweites Mal ansehen. Ziemlich gruselig mit Tendenz zum Fremdschämen. Das Album „The King Of Limbs“ gibt es zunächst als profanen Download, richtig schön soll erst später mit opulenten Vinyl, – und CD-Versionen werden. Der erste Eindruck, der erste Durchlauf: Teils beeindruckend, teils belanglos, teils nett und schmerzfrei auf gehobenem Niveau. Okay, okay, „Little by Little” ist wirklich herzschmerzschön. Der Rest ist Indie-Pop für die Abendstunde. Für die Zeit, bis der nächste angestrengte Seelenstrip im chinesischen Original und mit dänischen Untertitel auf Arte beginnt. Und wenn ich mir so überlege, das ich das immerhin bereits 2007 erschienende „In Rainbows“ keine dreimal komplett durchgehört habe, sehe ich auch für „The Kings Of Limbs“ fast schon ein wenig schwarz.

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16 Kommentare

  1. ferdinand sagt

    Ich finde es eher seltsam wie man nach so kurzer zeit seine meinung zu einem radiohead fundieren kann. da wollte wohl jemand einer der ersten sein. hmmm. ansonsten aber tolle seite 🙂

    • Peter sagt

      Erster! Nein, ernsthaft. Meine Meinung treffe ich grunds. mit dem ersten Eindruck. Das ist wie Liebe auf den ersten Blick. Die Chemie stimmt eben, oder nicht. Da macht Radiohead keine Ausnahme. Natürlich gelingt es hin und wieder, sich Musik „schönzuhören“, aber mit Meinung aus dem Bauch heraus bin ich bisher gut gefahren. Das Radiohead allerdings polarisieren und besonders hohe Erwartungen erzeugen ist keine Frage. Und vielen Dank für das Lob.

  2. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Und bei Radiohead gehen die Meinungen oft weit auseinander. Ich hab mir das Ding auf jeden Fall gerade gezogen und warte geduldig auf das Vynil!

  3. Okay, sechs Durchläufe und es greift noch nicht wirklich, ist aber trotzdem gut. Aber meine Erwartungshaltung zu erfüllen ist nahezu unmöglich. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass da noch mehr kommt…

  4. Also das Lied … geeeehhht … aber irgendwie weder Fisch noch Fleisch, weder Experiment noch Hit … da heißt es für mich erstmal abwarten (und vieleicht Tee trinken).
    Aber der Clip, der ist ja sowas von grrrößlich … mußte echt beim Anhören wegschauen, sonst hätte das womöglich das Lied komplett verdorben.

  5. Das neue Album ist nicht wirklich überzeugend. Radiohead müssen sich und niemandem sonst noch etwas beweisen – und genau das hört man auch heraus, wenn man nicht vor Ehrfurcht erstarrt. Allerdings haben Radiohead längst den Punkt hinter sich gelassen, an dem der ikoneske Status Kratzer abbekommen könnte.

    • Peter sagt

      Das stimmt natürlich. Ihren Heiligenschein werden Radiohead nicht mehr los. Da müssten sie ganz üblen Scheiss veröffentlichen. Und das haben sie bisher noch nicht getan.

  6. the cremator sagt

    sorry , aber ich unterstelle dem Autoren einfach mal, das selbst „ok Computer“ ihn eigentlich nur deswegen toucht weil die Indie – Fachwelt ihren Segen dafür gibt….
    Weil Ok Computer ansprechend finden und bei Lotus Flower fremdschämen…..sorry geht gar nicht….
    Jeder epileptische Anfall wäre auch wahrhaftiger und weniger belanglos als solch Kommentare…..sag doch einfach du fühlst es nicht …. und zieh die Möglichkeit in Betracht das es an deiner, wovon auch immer resultierenden,Abgestumpftheit liegen mag und nicht an irgendeiner verschrobenen Haltung der Band – oder wie war dein Arte-Vergleich gemeint….?

    • Peter sagt

      OK Computer „toucht“ mich wegen Paranoid Android, Lucky, Subterranean Homesick Alien, Karma Police, Climbing Up The Walls und No Surprises. Und pssst, ganz unter uns, ich scheiss auf die Indie-Fachwelt.

  7. Ich weiß nicht so recht. Ansich bin ich Radiohead Fan, jedoch will mir der Song einfach nicht wirklich gefallen. Was das Video betrifft, muss ich allerdings loswerden, dass es schon eher meinen Geschmack trifft.. Bin gespannt wohin sich das ganze noch entwickelt.. mhh

  8. Introvertiert, ja, auch ein bisserl sperrig, aber mit jedem Durchlauf genialer. Ganz großes Kino. “Codex” ist zum Niederknien, “Give Up The Ghost” und “Separator” stehen in Nichts nach.
    Tolle Scheibe… Besinnung aufs Wesentliche!

  9. das album ist ein zweischneidiges schwert.. was ich für gut empfinde : die lp hat schöne momente auf die man sich schon lange gefreut hat. was ich nicht so schön finde : 8 lieder für ein 4 jahres album…viel zu kurz um die leere die sich gesammelt hat wieder aufzufüllen, dann klingen die lieder für mich wie gutes bonus material ( siehe in rainbows bonus mat ).
    man hat einfach zu viel hoffnung reingesteckt als fan , weil man davon ausgegangen ist das der perfekte thom yorke es künsterisch mal wieder ordentlich krachen lässt.
    an in rainbows reicht king of the limbs mit sicherheit nicht ran, ist aber auf seiner art trotzdem ein sehr gern gesehener gast in meinen vlc player.
    fazit: ich hätte mir 50 % yorke und 50 % radiohead gewünscht in einer 13 track verpackung…am ende blieb nur ein eraser album mit leichten radiohead einfluss. 7 von 10 punkten!!

  10. Peter sagt

    Nach ein paar Tagen „The King Of Limbs“ habe ich mit „Codex“ eine echte Perle auf dem Album ausgemacht. Heike hat recht, ziemlich großartig. Summa Summarum überwiegen aber elektronische Nervereien. Leider so.

  11. Also ich für meinen Teil liebe Radiohead. Trotzdem eine schöne Kritik der anderen Seite 🙂
    Aber davon abgesehen, großartiger Blog; ich hab mich Ewigkeiten durchgestöbert.
    Grüße nach Hildesheim!

  12. bauxta sagt

    Nanu, was heißt denn, „heute sind die Schüler allesamt besser als die Lehrer“? Welche Schüler sind denn gemeint? Wenn mir jemand ein paar sehr gute Bands empfehlen kann, die an die Qualität von Radiohead bis inklusive „Hail To The Thief“ anknüpfen, freue ich mich über die Empfehlungen. 🙂 „In Rainbows“ fand ich über weite Strecken langweilig, und das neue Album lohnt sich anscheinend gar nicht zu kaufen.

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