The Review: Oceansize – Frames

28 Sep

Oh Herr, lass diese Band kommerziellen Erfolg haben, damit sie sich nicht auflösen muss. Ich neige zur Heldenverehrung. Wäre ich kein Fan, würde ich kein verdammtes Wort mehr über Musik schreiben, sondern mich anderen schönen Hobbys wie Tontöpferei oder Blumenflechten  widmen. Ganz oben auf meinem Heldenpodest steht unter anderem Oceansize aus Birmingham. Die haben vor langer Zeit mit Effloresce ein wunderbar düsteres Meisterwerk zwischen Progressive (die Band selbst hasst diesen Begriff) und Postrock abgeliefert. Ich habe Oceansize live erlebt und erinnere mich noch recht gut, wie ich mit geöffnetem Mund und erhöhtem Speichelfluss ob der Everyone Into Position’schen Urgewalt der drei Gitarren vor der Bühne gestanden habe. Und zum Teufel, was ich da gehört habe, war dynamischer, geballter (meinethalben “Neo-Prog”) reinsten Wassers.

Oceansize

Nun halte ich das neue Album in der Hand, ich höre halb staunend, halb konsterniert des Wahnsinns fette Beute und rufe frei nach Faust aus “Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube”. Frames, das sind acht Songs (oder vielmehr Stücke) mit einer Gesamtlänge von sage und schreibe 70 Minuten. Und hatte ich auf einen “eingängige” Song mit hohen Wiedererkennungswert gehofft, so ist mir auch nach mehrmaligem Durchlauf nichts in dieser Richtung untergekommen. Radiotauglichkeit? Scheiss drauf! Doch nicht in diesen Sphären! Oceansize, da können sie noch so sehr über den Begriff “Progressive” schimpfen, haben nach dem kompakten Vorgänger dem Muckertum alle Schranken geöffnet. Und um ehrlich zu sein, habe ich damit nicht das geringste Problem.

Frames
1. Commemorative T-Shirt
2. Unfamiliar
3. Trail of Fire
4. Savant
5. Only Twin
6. An Old Friend Of The Christies
7. Sleeping Dogs And Dead Lions
8. The Frame

Die Musik auf Frames ist anspruchvoll, es gibt viel zu entdecken, es wird den armen Irren dort Draußen gezeigt, was man mit Gitarren so alles anstellen kann. Minutenlange Gitarrengebretter, sozusagen eine musikalisch Mastrubation mit Gitarrenbombast, flächigen Sounds, selbstverliebtes Gefrickel und donnernden Drums. Einzelne Songs herauszustellen, wäre müssig ( am ehesten noch “Unfamiliar”) und wenn es nicht Liebhaber dieser Musik gebe, die auch noch eine eigene Radiosendung machen dürfen (wie ich das Glück habe) würde man nicht einen einzigen Song des neuen Albums zu hören bekommen. Es sei den, man kauft sich das Album, packt die Songs auf seinen Player, zieht die festen Schuhe an und spaziert durch die Gegend, hört und geniesst hohe Kunst.

Wertung: nach mehrmaligen Hördurchgängen 9/10
Album kaufen: Frames
Homepage: Oceansize | MySpace

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Eine Antwort zu “The Review: Oceansize – Frames”

  1. Reese 24. Okt, 2007 at 21:42 #

    Mit dem klasse Bonustrack “Voorhees” gibts sogar 77 minuten schönste Prog-Unterhaltung. Für mich ganz klar eine der besten Scheiben des Jahres in dieser Richtung. Braucht natürlich einige aufmerksame Durchläufe, aber dann … wow. :D

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