M’era Luna 2010 | Bilder und Eindrücke – Der erste Tag

8 Aug

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Da ich am Samstag keine weiteren Pläne hatte, ging es schon am Vormittag in Richtung Hildesheimer Flughafen zum M’era Luna 2010. Dem Anlass angemessen haben ich mich natürlich besonders schick gemacht (grauer Anzug, schwarzes T-Shirt, dunkelgrauer Borsalino und schwarzer Schuhe. Das M’era Luna ist eben nicht nur Festival, sondern  auch eine grosse Modenschau. Den ganzen Tag keine Wolken, die Sonne strahlte. Der erste Tag des schwarzen Familientreffen  im vollen Sonnenschein.  Es war heiss.

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Man schaut sich nicht nur die Bands an, man promeniert, lustwandelt und spaziert gemächlichen Schrittes über das Gelände. Hier und dort ein Verweilen, Lustwandeln durch das Mittelalterdorf und dem Basar. Im Vorbeigehen ein Blick auf das Geschreie der australischen Band Angelspit. Grenzwertig. Die folgenden Lacrimas Profundere mit ihrer Mischung aus Alternative und Dark-Rock waren so übel nicht. Klingen wie eine Mischung aus HIM und Paradise Lost. Kann man hören.

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Ein wenig kühler war es im Hangar. Der ist ja berüchtigt für seine schwierige Akustik. Und so war ich mehr als gespannt auf den Auftritt von Faith And The Muse. Nach elend langem Soundcheck gab es eine ziemlich beindruckende Show der Amerikaner zu besichtigen. Ziemlich cooles Bühnenoutfit mit phantastischen Kostümen including Irokesen en Masse. Der Aufritt begann fulminat mit einem Schlagzeug-Percussion-Gewitter und  steigerte sich im nächsten Song zu einem grossartigen Streichkonzert aus Bratschen, Cello und Violine. Ich fand den auch soundtechnisch gelungenen Auftritt  sehr gut. Ätherischer Dark-Wave. Nach einer knappen halben Stunde gab es die gnadenlose Order: Feierabend. Festivals arbeiten nach einem strengen Zeitplan, wer da beim Soundcheck überzieht bekommt die rote Karte.

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Und so war ich mehr als gespannt, ob Brendan Perry, der als Nächster folgte, den Zeitplan einhalten konnte. Leider nein. Der grosse alte Mann der dunklen Töne, der geniale Verschmelzer von Weltmusik, Spiritualität und Dark-Wave, der legendäre Mitbegründer von Dead Can Dance fing zu spät an. Das ging alles ab von der Zeit. Im Gegensatz zum farbenprächtigen Auftritt von Faith And The Muse (die standen übrigends während des Auftritts ihres Übervaters sichtlich beeindruckt im Graben) hätte man glauben können, Perry und die Seinen kämen gerade von der Gartenarbeit und bespielen halt mal so ein paar Hundert Schwarzkutten. Im Fotograben gab`s kein Gedränge, der Auftritt war unprätentiös und trotzdem von schlichter Erhabenheit. Das liegt zum einen an der warmen Stimme von Brendan Perry und zum anderen an dem schwelgerischen, dunkel gefärbten Sound der Band. Eine Mischung aus älteren und neuen Songs. Zum Abschluss zwei wunderbare Songs von dem grossartigen aktuellen Album “Ark”. Ich war sehr zufrieden.

Danach wurde gechillt und  gebummelt. Das Essen auf dem Festival war übrigends International. Als der Magen zu knurren begann entschied ich mich für die indische Küche. Wisst ihr wie Kotze schmeckt? Aber ich. Die Preise für Kaltgetränke waren wie üblich happig. Mit einer Ausnahme. Es gibt in der Nähe des Haupteingang einen Uncle Emma Laden mit fairen Preisen.

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Wie ihr vielleicht wisst, sagt mir die Musik von Laibach und Nitzer Ebb nicht zu. Und so habe ich das Gemecker, Geschrei, Gefiepe und Geknatter nur am Rande mitbekommen. Unheilig ist ja wohl total angesagt. Vor der Mainstage war es jedenfalls recht füllig als die Band begann. Im Mittelpunkt steht nicht uneitel (der Mann war permanent auf einer Leinwand  in sogenannten rätselhaften Videoclips zu sehen) ein Sänger, der sich den etwas dämlich klingenen Namen “Der Graf” gegeben hat. Ich hatte bisher von Unheilig, bis auf die aktuelle Single mit der ich im heimischen Küchenradio gequält wurde, nichts gehört und erwartete  dunkel eingefärbte Schlagermusik. Zwar gab es auch seichte Töne, aber es wurde auch ganz passabel gerockt. Das nennt man dann wohl eine Mischung aus Gothic und Neue Deutsche Härte. Immer dann, wenn`s etwas heftiger wurde, klangen Unheilig wie die Gutmensch-Ausgabe von Rammstein. Ähnliche Stimmlage, ähnliche sägende Gitarren und ähnliche fette Synthiebeats. Immer dann, wenn Unheilig flotter aufspielten fand ich das eigentlich sogar ganz gut.

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Danach ging es in die vorderste Front. Immerhin gaben sich nach Jahren der Abwesenheit The Sisters Of Mercy, die Headliner des heutigen Tages, die Ehre. Man wahr gespannt. Was dann kam, war so schön nicht. Mit extremster Lautstärke, ein regelrechten Lichtorgie aufs Publikum und Nebel ohne Ende ballerten drei nur  schemenhaft auszumachend Gestalten und ein unsichtbarer  Computer die kaum wiederzuerkennenden Gassenhauer längst vergangener Tage durch die PA. Und oh Wunder, alle Songs waren neu! Und das obwohl die Band ihre  letzte reguläre Platte 1993 veröffentlichte.Die Songs in meiner Mercy-Sammlung erkannte ich kaum wieder. Angeblich sollte einer der Nebelgestalten das Ur-Mitglied Andrew Eldritch gewesen sein. Ich wage das zu bezweifelen. Das Auftritt erinnerte mich an das letzte Aufbäumen einer tauben Rentnercombo, die alte Songs von The Sisters Of Mercy im Heavy-Metal Stil covert. Es ist schon komisch, aber das, was auf den Vinyl, – und CD-Scheiben zu hören ist, die ich bei mir im Regal habe, klingt das doch ein wenig anders.

Ich habe mich nach der Hälfte des Sets aus dem vorderen Bereich zurückgezogen und die nebelige Lichterorgie aus sicherer Entfernung beim Verzehr nationaler Kost “genossen”. Dresdener Hausbrot, gefüllt mit Käse und Champignons. Dazu ein kühles Bier. Dann ging es erschöpft nach Hause. Zehn Stunden Festival steckten mir in den morschen Knochen. Ich habe geschlafen wie ein Baby.

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4 Antworten zu “M’era Luna 2010 | Bilder und Eindrücke – Der erste Tag”

  1. der tux mal wieder 08. Aug, 2010 at 17:22 #

    Eine interessante Festivalkleidung trägt die eine Frau da. Hmm.
    Sisters of Mercy, die Könige der digitalen Tonnachbearbeitung. Kein Wunder, dass das live anders klingt.

  2. E.T. 09. Aug, 2010 at 11:14 #

    ??? Die Sisters klangen live auch mal genau so wie von der Scheibe … da versteh ich jetzt die Aussage nicht. Mal abgesehen davon, das niemand mehr diese Rentnerkombo :mrgreen: braucht. Deswegen war ich auch nicht vor Ort. 5 Bands bei gefühlten 3 Stunden Musik ist dann für mich einfach zu wenig ….

  3. Peter 09. Aug, 2010 at 12:20 #

    Spreche ich in Rätseln? Ich habe die gnädigen Schwestern in den seligen Zeiten mal live erlebt und habe sie deshalb in guter Erinnerung, Das hier war Murks. Eldritch solte sich ein anderes Hobby suchen.

  4. E.T. 09. Aug, 2010 at 14:30 #

    Also meine Aussage bezog sich auf den Tux … da ich ja weiß, daß Herr Eldritch auch mal anders konnte (lang lang ist’s her … er hatte ja bereits auf dem letzten Mera-Auftritt seine Klassiker dermaßen ‘überarbeitet’, daß es ein unerträgliches Zuhören war).

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