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Maschinenkompositionen: Resonanzraum Fagus

Bemerkenswerte Post vom Institut für Musik und Musikwissenschaft der Uni Hildesheim. Wie sich der treue Leser vielleicht erinnert, hatte ich ja vor kurzem unter der Überschrift Fotografie: Fagus-Gropius Werk in Alfeld meinen Besuch der 1911 errichtete Fagus-Fabrik auf Vordermann gebracht. Grund war der ungemein schmeichelhafte Titel „Unesco-Weltkulturerbe-Stätte“, den das von Walter Gropius erbaute Bauhaus-Ensemble völlig zu Recht erhielt. So handelt es sich hier um das erste große Werk der Moderne, einer prachtvollen Konstruktion aus Glas und Stahl. Leicht und elegant, denoch dem Zweck unterworfen. Das unter dem Namen Fagus-Grecon Greten firmierende Werk, und das ist das Besondere, ist seit hundert Jahren eine aktive Produktionsstätte. Das Fagus-Werk beheimatet immer noch einen weltweit führenden Herstellern von Schuhleisten, die zur automatischen Schuhherstellung gebraucht werden. Und das geräuschvoll. Das heißt, dort wird immer noch geschraubt und gewerkelt, vermessen und gefräst, geklöppelt und gehämmert. Laienhaft ausgedrückt.Hier meine bescheidenen Fotografien von Gebäude und Ausstellung.

Resonanzraum Fagus – Maschinenpole

Während der Produktion entstehen Geräusche. Das Album „Resonanzkörper Fagus- 10 Maschinenkompositionen“, eine Arbeit von Studenten des Instituts, ist der Versuch, kompositorisch die Geräusche eines Industrieunternehmen auf künstlerische Art wiedergeben. Einzige Bedingung, von den Künstlern durften ausschließlich die im Geräuscharchiv der Universität Hildesheim verwahrten Arbeits- und Maschinengeräusche, entstanden im Fagus-Werk, genutzt werden. Nun ist minimalistische, experimentelle Musik nicht neu und es wurden schon die wunderlichsten durch Field Recording entstandenen Geräusche genutzt, durch den Sequenzer gejagt oder technisch der Tonleiter unterworfen. Hier aber wurde auf eine für mich neue Art das Experiment gewagt, die unterschiedlichsten Geräusche der Arbeit zu Maschinenkompositionen zusammenzufügen. Verfremdung, Reduktion, Veränderung. Rhythmische Strukturen wurden zu neuen Klanggebilden zusammengefügt. Aus Störgeräuschen, abstrakt, konkret, akustische Signaturen. Interessanter Stoff für Fans von Klangexperimenten und Zeitgenossen wie Biosphere, Vladimír Hirsch, Phillip Glass, Eno oder ähnlichen Knöpfendreher.

Resonanzraum Fagus – Fagus110610

Als Klangbeispiele habe ich den ersten Track des Albums „Maschinenpole“ von Matthias Meyer sowie den Letzten Track „Fagus110610“ von Nils Nordmann gewählt. Die CD ist entstanden im Rahmen der Lehr- und Forschungsschwerpunkte »Soundscapes« und »Szenische Musik« am Institut für Musik und Musikwissenschaft der Universität Hildesheim. Sie kann hier geordert werden.

Das Album „Resonanzkörper Fagus“ steht unter einer Creative Commons  (CC BY-NC-SA 3.0)Lizenz und kann mit schönem Albumart hier geordert werden.
weitere Infos: Projekt Homepage | Dreivierdrei | Nils Nordmann

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