Wer sich für Konzertfotografie interessiert, wird ich über kurz oder lang mit dem Thema „Available Light“ auseinander setzen müssen. Bei mir, das gebe ich zu, hat es wenig länger gedauert. Auf Konzerten bei Tageslicht oder mit opulenter Bühnenbeleuchtung sind mir vielleicht ansprechende Fotos gelungen. Das Fotografieren in kleinen Clubs, was ich bevorzuge, endete allerdings meistens mit einer eher mageren Fotoausbeute. Es entstanden in der Vergangenheit zwar nett anzusehende Bilder, die aber im wesentlichen verwischte Bewegungen und unscharfe Musiker auf der Bühne zeigten.
In kleinen, schummerigen Clubs ist Licht eher Mangelware. Dort ist das Available Light, zu deutsch „vorhandene Licht“ anzutreffen. Ich hatte mich zwar letztes Jahr von meiner Fuji Bridge-Kamera getrennt und mir eine Spiegelreflexkamera (DSLR) von Pentax (K200D) inklusive zweier Zoomobjektive gegönnt, allerdings wurden die Bilder nicht entscheidend besser. Nun könnte man fragen, warum ich keine Blitz einsetze. Blitz geht gar nicht. Abgesehen davon, das oft nicht erlaubt, ruiniert ein Blitz die Stimmung, lässt kein farblichen Nuance zu und nervt die Musiker (und Besucher).
Meine beiden genutzten Objektive machten ihre Sache bei normalen Lichtverhältnissen gut, im schummerigen Bühnenlicht fehlte aber einfach die Lichtstärke. Zwar gab es mit viel Glück, hohen ISO-Werten (800-1600) und „Handshake“ brauchbare Fotos, aber waren diese bein genaueren Hinsehen unscharf und verrauscht. Das auf Dauer als künstlerische Absicht zu verkaufen, war auch nicht sehr befriedigend. Ein lichtstärkeres Objektiv, man ahnt es schon, musste her. Da die Lichtstärke, die mir vorschwebte, bei einen Autofokus-Objektiv nicht zu bezahlen ist, entschied ich mich für die manuelle Variante. Der Vorteil bei der Pentax-Kamera: alle analoge Objektive mit Pentax K-Bajonett (notfalls auch M42) können genutzt werden. Weiterer Vorteil, es gibt eine Menge davon und sie sind bezahlbar.
Entschieden habe ich mich für ein Revuenon MC 1,2/55mm. An einer DSLR -Kamera ergibt dies eine Brennweite von ca. 85 mm. Dieser Wert ergibt sich aus dem Unterschied zwischen KB Format und DSLR-Chip (Umrechnungsfaktor 1,5). Somit habe ich bezüglich der Brennweite ein typische Objektiv für die Porträtfotografie. Versteckt man sich nicht zu sehr, sondern geht nah an Bühne und Geschehen,sollte die Brennweite ausreichend sein. Zur Belichtung hatte ich, da keine Blendenwerte vom Objektiv an die Kamera übermittelt wird, die Zeitautomatik genutzt werden. Im nach hinein war das wohl falsch.
Die hier gezeigten Fotos sind unter erschwerten Verhältnissen anlässlich des fünften Geburtstags von Radio Tonkuhle in Hildesheim entstanden. Ein kleines Liederfestival, welches ursprünglich an Lagerfeuern stattfinden sollte. Es regnete junge Hunde. Draussen war es düster und im Zelt gab es lediglich zwei magere Leuchten. Aufgefallen ist mir der eher „weiche“ Charakter des Objektives. Zum anderen die natürlich extrem geringe Scharfentiefe. Gut zu sehen auf dem untersten Foto, wo ich nur auf die vorderen Flaschen fokussierte. Dummerweise habe ich im Pentaxforum erst nach meinen ersten Feldversuchen nachgeschaut. Bei den Einstellungen in den Tiefen des Menüs und der Vorgehensweise bei der Messung muss wohl einiges neu bedacht werden.







Available Light Fotografie ist ein interessantes Thema, auch muss man erst einmal seine Erfahrung damit sammeln. Wobei ich finde, dass man mit einem Blitz bei richtiger Verwendung auch zu tollen Ergebnissen kommen kann. Ich kenne zwar deine Pentax nicht, aber ISO 400 scheint mir ein bißchen wenig für Available Light zu sein. Ein Lichtstarkes Objektiv ist zwar gut, aber in bestimmten Situation kann man auch Probleme mit der Tiefenschärfe bekommen.
Toller Beitrag!Die Fotos sind wunderschön!Gefällt mir besonders gut!Besten Dank für die Tipps!Wünsche viel Erfolg und Spaß! ;)
Macht das eigentlich einen Unterschied, ob man da in Farbe oder schwarzweiß fotografiert?
@Marc
Technisch gesehen überhaupt nicht. Da bei einer Spiegelreflex-Kamera durch den Sucher fotografiert wird, sieht man das Motiv eh in Farbe. Es gibt natürlich Motive (mit starken Kontrasten), die wirken s/w besser als farbig.Ich würde aber zunächst farbig fotografieren und die Bilder dann umwandeln. Wober die einfache Konvertierung in Graustufen ziemlich unbefriedigende Ergebnisse bringt. Man sollte bei der Konvertierung mit den Farbkanälen (Rot, Grün und Blau) experimentieren und bekommt dann ziemlich dramatische Ergebnisse. Das habe ich bei der oben abgebildeten Dame aber nicht gemacht. Ich werde gerne auf diese Thematik am Beispiel der nächste Woche kommenden Waver The Transisters eingehen.Passend zu ihrer Musik mal S/W Bilder.
Ich dachte, bei dieser Available Light Geschicht kommt es stark auf die Kontraste an und dann wirkt das in s/w besser.
Ich bin auch ein großer Fan von s/w Konzertfotos.
Nö, eigentlich nicht. Bei guter Bühnenbeleuchtung gibt es natürlich schöne Kontraste, die kannst Du aber S/W wie farbig darstellen. Wie es gefällt. Ich glaube, Gesichter oder Ausschnitte sehen S/W interessanter aus. Ich bin, man sieht`s hier im Blog, auch ein Fan von S/W. Ist aber nicht genug Licht da, ist auch ein S/W Foto unscharf oder verschwommen. Available Light ist einfach zu wenig Licht, um bei kurzen Belichtungszeiten scharfe Bilder zu schiessen. Man kann das umgehen.
1.) Stativ (da müsste man die Musiker auf der Bühne bitten, sich NICHT zu bewegen).
2.) Hohe ISO-Werte und damit hohe Empfindlichkeit. Nachteil, ab ca. 800 ISO sieht man das am Bildrauschen
3.) Lichtstarkes Objektiv
Alle obigen Bilder sind mit offener Blende entstanden, daher etwas unscharf mit extrem geringer Tiefenschärfe (sieht man gut auf dem Foto mit dem Tonkuhle-Pavillon). Ich wusste es nicht anders. Ich hätte die Kamera nicht auf Blendenautomatik, sondern auf manuellen Betrieb stellen müssen.
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