Womit fange ich an? Am besten damit, das es ein toller Abend war. Meine anfängliche Befürchtung, dass diese spezielle Musik zwischen Instrumental-Rock, Metal, Post-Rock, Ambient und Progressive in Hildesheim auf Unverständnis stossen würde, hat sich Gott sei Dank nicht bestätigt. Hurra.

Gestehe gerne ein, dass ich ziemlich hibbelig war. Aber, oh Glück, je später der Abend, umso voller die Hütte. Das Loretta gut gefüllt, die Stimmung gut und Hermelin & Nihiling haben, das schon vorweg, gerockt, dass es die wahre Pracht war. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Und das, obwohl die Hälfte der Musiker alle Anzeichen der Schweinegrippe oder Schlimmeres hatten.

Während die Biervorräte Backstage auf beängstigender Weise schwanden, rannte ich wie Falschgeld durchs Haus. Nahm mir allerdings die Zeit, viele der Gäste an der Kasse zumindest per Handschlag zu begrüssen. Das Internet (und auch das Radio) sind ja eine eher anonyme Angelegenheit, und so war ich hocherfreut, während des Abends Blogleser und Hörer der Radiosendung (leider viel zu kurz) auf ein Schwätzchen kennenzulernen. Da der Soundcheck keinen Zweifel liess (Lupo:”es wird laut”) wurden an alle, soweit Bedarf, kostenlos Ohrstöpsel verteilt. Eine weise Entscheidung…..

Um halb elf sollte es losgehen. Hermelin scharrten mit den Füssen und enterten kurz vor halb die Bühne, obwohl Lupo noch gar nicht hinter dem Mixer stand. Und sie begannen so, wie sie aufhörten. Mit Vollgas auf der Überholspur bolzten sie einen Instrumental-Rocker nach dem anderen aus den Boxen. Zu hören gab es kraftvollen Instrumental-Rock mit Gitarren pur. Der Vierer kniete sich voll rein, wütete über die Bühne wie Berseker, knieten vor ihren Effektboards und schüttelten ihr güldenes Haar. Metall-Eruptionen und kleine Ruhephasen, das Grollen von Grunge, Metall, Alternative und Stoner-Rock ergab eine hypnotische Mischung. So boten einige Mutige vor der Bühne sehenswerte Luftgitarren-Shows. Kein Song unter 10 Minuten, fast alles neues Material, das hoffentlich demnächst auf Platte gepresst wird. Alles in Allem eine Menge Spass. Nach einer Zugabe wurde Hermelin unter Applaus entlassen.

Kurze Umbauphase. Während Hermelin mit staubtrockenen Instrumental-Rock aufwarteten, stehen Nihiling für eine aussergewöhnliche Mixture aus Progressive, Metal und Ambient und dem Zusammenspiel dreier Gitarren. Dazu noch hin und wieder Gesang und ein festes Fundament aus Bass und Schlagzeug.

Gorka hatte es bereits angekündigt. Anderthalb Stunden Nihiling standen auf dem Programm. Und somit nach eigener Aussage der längste Auftritt der Band überhaupt. Neue Songs wurden angekündigt, aber zunächst ging es los mit Mothgate. Dem Song, den ich so mag, den Gorka nicht leiden kann (weil so langweilig), der sich aber zu einem wuchtigen, noisigen Ungeheuer aufbäumt und ewig dauern könnte.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Nihiling sind live um einiges härter als auf Konserve. So gab es Progressive-Rock und Metal zu hören. Rockmusik mit drei Gitarren, die sich die Bälle zuspielten. Nihiling, für mich die einzige ernstzunehmende deutsche Antwort auf Oceansize, wurden ihrem Rufe als grossartige Liveband gerecht. Und so genossen wir Bewährtes wie “The World Ends With Me”, “”Cataract” und in einer grossartigen Liveversion “Machination”. Das zweite Album der Hamburger, so scheints mir, wird wohl etwas härter. Ich Blödmann hätte mir mal die Setlist einsacken sollen. Egal. Jedenfalls gab es Tool’sche Gitarrenparts, sauber getimt, die härter und härter wurden. Abgesehen von kleinen ambienten Soundlandschaften bolzten Nihiling mächtig drauflos. Nach anderthalb Stunden war Schluss mit lustig, stehend k.o. schleppten sie sich von der Bühne. Für die geforderte Zugabe fehlte die Kraft. Gut gemacht.

Und ich muss mich bedanken. Danke an die Kufa für den Support, besonderen Dank an Christoph aka Lupo für die Unterstützung, den fetten Sound und das megal-geile Licht. Danke an meine Frau für das Catering, an Felix als unbestechlichen Kassenwart und Supporter bei Popcrawl. Danke an Andi und Anke für Radiopromotion und so. Danke an das tolle Publikum und der fast schon familären Stimmung. Vielen Dank fürs Kommen an Alexandra, Gorka, Felix Eggert, Daniel, Andreas und Kai von Nihiling und Edward, Johannes, Felix und Knut von Hermelin. Mein Dank geht auch an den netten Securtie-Mann, dessen Name ich leider nicht kenne und Danke an die namenlose Bedienung, die ob der enormen Lautstärke drei Asperin brauchte, um den Abend zu überstehen.
Weitere Infos: Nihiling | Hermelin
noch mehr Fotos in der Gallerie von Hermelin | Nihiling



Nihiling haben mich wirklich überrascht. Das Album ist albern im Vergleich zu den Liveauftritten. Die Jungs (und der Nichtjunge) sollten mal darüber nachdenken, ein Livealbum aufzunehmen …
[...] Nachtrag von 22:01 Uhr: Der ausführliche Bericht mit noch besseren Bildern ist nun auf Schallgrenzen.de zu [...]
moin peter!

well well, wirklich ein grandioses konzert! ich habe den abend von vorne bis ende genossen. deinem konzertbericht kann i nur bepflichten und mich ausserdem deinem dank an alle anschließen. für mich noch erwähnenswert war die schöne lichtarbeit des technikers im hintergrund. hab nicht herausgefunden wer´s war, aber er/sie hat die passende stimmung zur musik geleuchtet, danke dafür.
nach dem doppelkonzert hab ich doch von ALLEN musikern ein autogramm für mein poster erhalten, welches nun mein wohzi bereichert. der smalltalk im backstage mit knut war super angenehm und so bin ich hochzufrieden alsbald nach haus getapert.
ach ja: dankeschön an dich, peter, dass du dieses experiment gewagt hast!
tw