Konzertbericht: Amplifier, temporär beste Band der Welt

11 Jun

Dies ist so eine Art Konzertbericht. Nachdem ich zähneknirschend und nach stundenlangen Stau und Schleichfahrten endlich im schrecklichen Hamburg eintraf, war ich geplättet wie eine Flunder. Früh von der Autobahn runter, quer durch die Walachei und im Schritttempo durch diese verdammte Stadt. Mannomann, wie ich das hasse. Egal, nach kurzer Stärkung und der Verkostung mit einem halben Liter Bembel Astra-Bier (schmeckt wie eingeschlafene Füße), war ich fit wie ein Turnschuh und gewappnet für Amplifier aus Manchester. Das Trio um Sel Balamir (während der Tour um Ex-Oceansize Gitarrist Steve Durose verstärkt) gab sich im Knust die Ehre.

Eine gefühlte Ewigkeit, genauer gesagt seit 2004 bin ich erklärter Fan von Amplifier, der vielleicht besten Rockband auf diesem verfluchten Planeten. Progressiver Space- und Psychedelic-Rock, einfacher gesagt, gute alte Rockmusik steht auf dem Programm. Da ich die raren Konzerte bei uns bisher immer verpasst hatte, war ich dementsprechend fickerig. Vorher gab als aber als Support die junge Hamburger Band Nihiling, die sich durch eine Menge neuer Songs ihres zweiten Albums “Egophagus” und dem Dickicht von Post-Rock, Post-Metal, Progressive, eine Art schreienden Gesang und weiß der Geier was noch, wühlte. Der Sound war etwas undifferenziert wie Hammer auf Kopf, die neuen Songs gefielen sehr. Ich mag, was die Bande macht und habe gewissermaßen väterliche Zuneigung zu dem Hamburgern entwickelt. So ist das nun einmal.

Dann kurz raus und eine Durchschloten (habe wieder angefangen, höre ab demnächst wieder auf), noch schnell ein komisches Astra in den Kopf und wieder rein. Ein kurzer Smalltalk mit Sel, gegenseitige Ehrenbekundungen (man kennst sich und das verdammte Interview wird so Gott will, demnächst hier publiziert) und es ging los. Rockmusik für Erwachsene. Würde ich mal sagen. Wenn ich es mir überlege, so haben die Jungs (und das Mädel) von Nihling noch am Daumen gelutscht, als ich erstmalig zu „Motorhead“, Airborne“ oder „Neon“ abgerockte.

Super Sound, wummerndes Bässe, sauber-fettes Schlagzeug und durch Legionen von Effektgeräte gedrehte Gitarrensounds. Herrlich. Sel Balamir, abgeklärt und Meister seines Fachs führte souverän und überaus sympathisch durchs Programm und wurde von einer großartigen Band begleitet. Nicht minder sympathisch entpuppte sich Bassist Neil Mahony als wahre Frontsau. Das Programm bestand erwartungsgemäß und großteils aus Songs vom aktuellen Doppelalbum „The Octopus“ sowie einigen älteren Songs. Mir war`s recht, doch hätte es mich nicht gestört, wenn Amplifier die komplette The Astronaut Dismantles HAL EP runtergerockt hätten.

Wie dem auch sei, das Publikum kennt sich aus, honoriert ältere Kracher wie „Airborne“ genauso frenetisch wie „The Wave“ und bewegt sich ansonsten verzückt im Amplifier-Universum. Ein Flirren, Surren und Wabern und der vom ersten bis zum letzten Song unwiderstehliche Amplifier-Flow und wenn sich wie in The Octopus“ die abgrundtiefen Bässe in den Körper bohrten, das hat mir, ich muss es zugeben, wirklich gut getan. Geile Konzert ab nach Hause. Drei Uhr morgens. Schlafen. Aufwachen, das war das beste Konzert in diesem Jahr, leichtes Muskelkater und keinen dicken Schädel. So schlecht ist das Astra dann wohl doch nicht.

Postscriptum: weitere Fotos werden folgen. Unter anderem in höherer Auflösung demnächst auf meinem neuen Fotoblog.

Weitere Infos: Amplifier hier auf den Schallgrenzen | Homepage | Bandcamp

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8 Antworten zu “Konzertbericht: Amplifier, temporär beste Band der Welt”

  1. der tux mal wieder 11. Jun, 2011 at 21:34 #

    Astra. Wer ernsthaft dachte, Oettinger wäre Rausschmeißerbier, sollte es mit Astra versuchen und dann seine Meinung revidieren. Mein bislang einziges und hoffentlich letztes Astra musste ich mit Becks nachspülen. Uah…

  2. E.T. 12. Jun, 2011 at 10:55 #

    … mit Becks nachspülen sagt ja schon einiges aus … aber Astra ist wirklich furchtbar … an meinem einzigen und hoffentlich letzten Astra hielt ich mich stundenlang (gefühlt) fest.

  3. Peter 12. Jun, 2011 at 11:41 #

    Oh. Bierwerbung. Es geht nix über ein leckeres Budweiser, alternativ ein Erdinger Weizen.

  4. Fred Feuerstein 12. Jun, 2011 at 11:47 #

    Ihr Pussys. Astra ist total lecker, Hamburg mega-cool. Amplifier super, schöner Bericht übrigends und Fotos sind auch super. So, das musste mal gesagt werden.
    :mrgreen:

  5. Tim 12. Jun, 2011 at 14:15 #

    Um zum Thema zurück zu kommen: Konzert in Köln gestern (11.06.) war auch klasse!

  6. FelixMontana 12. Jun, 2011 at 19:32 #

    Hab die Herren vor 2 Wochen in Wiesbaden gesehen.

    Genialer Auftritt!

    Lobenswert fand ich den Live-Mittschnitt-USB-Stick nach dem Konzert!

  7. Benedikt 13. Jun, 2011 at 15:56 #

    …und ich habe sie nicht gesehen, finde Astra auch Aa und überhaupt wollte ich mal wieder eine geistreichen Kommentar hinrotzen.
    Wo wir gerade bei Vorurteilen sind, in Hamburg fahren ALLE einen Landrover Defender. Und den bewegen sie im Schritttempo, weil die Deppen hinter dem Lenkrad immer die Geländübersetzung eingeschaltet lassen. Deswegen stauen sich die Autos auch so doof.
    In Hamburg. Oder Humbug.
    Ansonsten ist Octopussy ein ziemlicher Brocken und ein wenig nervig. Aber das spielt aus dem Munde eines Beinahedüsseldorfers keine Rolle hier. Die trinken sowieso nur blödes Bier. Aber das hatten wir glaube ich schon einmal. Und ich schweife ab.

    Gruß an das Bier

  8. Benedikt 13. Jun, 2011 at 16:01 #

    … übrigens sehr schöner Fotoblog. Und danke für den Link auf Planbild. Wie du siehst sind jetzt für eine gewisse Zeit die von dir und deiner reise inspirierten Bilder aus Instanbul online.

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