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Stellen wir uns vor, die Erde wäre eine Scheibe und wir stünden direkt am Rand. Wer würde da nicht bis zum Abgrund gehen wollen, um hinunter zu schauen? Um seine bohrende Neugierde zu befriedigen. Was mag da wohl sein? Ähnlich, vielleicht nicht ganz so dramatisch erging es mir mit dem neuen, dem zweiten Album der Juli Kapelle. Es heisst Lukubration (Remixe & Kollaborationen). Das trifft den Nagel auf den Kopf, handelt es sich doch um Neuinterpretationen des 2004er Debüts “Materie”. Wir erinnern uns an ein verstörendes, intelligentes und mitreissendes Meisterwerk aus dem Niemandsland zwischen Hildesheim und Vorharz.
Ein Album, das ich, ob seiner Qualität für unentschuldbar unterbewertet halte. Achim Sauer konzipierte ein düsteres Werk aus schneidend, wütenden Gitarren, einer einzigartigen düsteren Atmosphäre und der Neuinterpretation von Trip Hop und Rock. So ist es geschehen im Jahre 2004.
Nun wurde “Materie” von befreundeten Musikern und Künstlern aus der ganzen Republik einer Neuinterpretation unterzogen.Es wurde geremixt, gepimpt und aufgebohrt. Einige neue Songs kamen hinzu, wie V.B. Kühl`s “Wissen ist Macht”, eine wunderbare Melange aus Hip Hop und Elekro, die für anspruchsvolle Dancefloors bestimmt ist. Obwohl auf “Lukubration” die unterschiedlichsten Künstler aus den Bereichen Hip Hop, Avantgarde, Techno, Industrial und Wort versammelt wurden, erscheint das Album wie aus einer Hand. Das Verstörende, das Unberechenbare, das Dunkel ist geblieben. Der Blick über den Rand hat sich gelohnt.
Dort unten ist eine musikalische, dunkel glänzende Perle zu sehen. Angemessen in einer hochwertigen Metalbox verschlossen (in der limitierten Version) ist “Lukubration (Remixe & Kollaborationen)” eine abwechslungsreiche, spannende, eine subversive Reise durch die Welt der Musik.
Album kaufen: Lukubration
Homepage: Juli Kapelle | MySpace
