Istanbul | Zwischen Okzident und Orient – Teil 1

3 Apr

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Der Gegensatz könnte nicht grösser sein. In ein paar Stunden aus dem beschaulichen Niedersachsen  in einen Moloch von Stadt. In Istanbul leben so ungefähr (genaues weiss auch der Einheimische nicht) 13 Millionen Menschen auf beiden Seiten des Bosporus. Morgens um halb sieben Ankunft  im asiatischen Teil auf dem Sabiha-Gökçen-Flughafen (Ziel der Billigflieger)  an. Der Pendelbus (E10) zur Anlegestelle über den Bosporus in  Kadiköy (3,50 Lire) wartete bereits. Die Fahrt (ca. 40 km) durch unansehnliche Satellitenstädte und Vororte dauerte eine knappe Stunde. Wir standen am Fährhafen wohl etwas ratlos herum und wurden prompt von einem  jungen Türken angesprochen, der seine Hilfe anbot. Willkommen in Istanbul, hier geht`s zur Fähre, trinken wir einen Tee. So bekamen wir während der Überfahrt zum europäischen Teil nicht nur eine gestenreiche Einführung, sondern wir wurden bis zur Haltestelle der modernen Metrotrain begleitet. Vielen Dank,  guter Mann. Im Stadtteil Aksary hatten wir unserer Hotel, drei Sterne, einfachster Standard, wir sind in wahrlich schlimmeren Trümmerbuden abgestiegen.

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Am ersten Tag weniger Kultur, sondern bummeln, schnuppern und sich treiben lassen. Erstes Ziel, der grosse Basar. Herz der Stadt, der grosse überdachte Basar mit 17 Eingängen und 90 Gassen sowie die umliegenden verwinkelten Strassen. Verlaufen ist Pflicht. Allein im grossen Basar gibt es 15000 Händler, die in der Umgebung sind unzählbar. Im Basar ist Handeln Pflicht, der zunächst offerierte Preis darf nicht gezahlt werden. Bei einem Drittel des geforderten Preises beginnen, sich in etwa bei der  Hälfte treffen und alle sind`s zufrieden. Dieses Feilschen und Palavern kann dauern. Mein Rekord lag für einen Deal (inkl. türkischen Tee) bei über einer halben Stunde.

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Das Handeln und Feilschen, mein natürliches Jagdgebiet. Da meine liebe Frau einen ersten Deal aus Mitleid runierte, gab es  klare Anweisungen. Jeglicher Kontakt zu Händlern hat zu unterbleiben: Sei still, kein Wort und halte drei Meter Abstand, den mir obliegen die Kaufgespräche. Grundsätzlich gilt, ist man nicht wirklich interessiert, einfach weitergehen und freundlich grinsen. Sonst sitzt man schnell im Hinterzimmer, trinkt zuckrigen schwarzen Tee und kauft Dinge, die man weniger braucht als einen nässenden Juckreiz. Ich habe natürlich ordentlich eingekauft, wobei natürlich klar sein sollte, das alles ein grosser Fake ist. So habe ich eine fette Porno-Armbanduhr statt für 6000 Euro für 34 türkischische Lira erworben. Immerhin laut Händler mit 100 Jahre Garantie. Weitere Beute waren  mehrere wirkliche schöne Schals, Bekleidung von namhaften Sportartikelherstellern, Süssigkeiten, Nüssen und kleinere Mitbringsel für die Daheimgebliebenden.

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Unglaublich, aber wahr. Überall, soweit das Auge reicht,  nette Türken. Nicht zu vergleichen mit den Aggro-Türken hier in Alemanien. Man wird beim Bummel ständig angesprochen. Überall freundliche, neugierige Gesichter. Händler versuchen einen, in ihre Geschäfte zu locken, Kellner in die unzähligen kleinen Imbisse und Restaurants. Entweder man geht weiter oder man lässt sich auf ein Gespräch ein. Ein Tepichhändler war so aufdringlich, das ich ihm solange eine Kante ans Bein gelabbert hatte, bis er mich leicht genervt aber freundlich verabschiedete.Vorteil, man bekommt bei solchen Gesprächen eine Menge Infos über die Stadt, die im Reiseführer nicht zu finden sind. Beängstigend, ich wurde zu oft für einen Niederländer, ersatzweise Schweden gehalten. Ich muss wohl zukünftig meine Augenbrauen zusammenwachsen lassen, damit diese schecklichen Verwechslungen aufhören. Weiter ging es durch Gassen und Strassen zum Gewürzbasar (Misir Carsisi), auch ägyptischer Basar genannt. Hier ist der Orient zu sehen, zu schmecken und vor allem zu riechen. Gewürze jeglicher Art, Datteln, verschiedenste Nüsse, eine schiere Menge verschiedenster Süsswaren,  eine unglaubliche Farbenpracht. Exotik pur. Man bummelt mit grossen Augen.

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Bloss keinen Stress. Ausruhe, rasten, verweilen und ins Gespräch kommen. Apropo Essen. Ich habe tatsächlich noch nie so viele Fressbuden, Dönerstände, Restaurants,  fliegende Händler mit Backwaren, Maiskolben, Kichererbsen mit Reis (himmlich!), Maronen oder Säften (Tipp: zwischendurch einen Becher frisch gepresster Granatapfel ist ein Genuss) gesehen wie in Istanbul. Am goldenen Horn einen gebratenen Fisch mit Zitrone und Fladenbrot. Verhungern unmöglich, Genuss ist garantiert. Alles ist lecker. Also immer wieder kleine Pausen, türkischer Trinkjoghurt (Ayran), einen türkischen Tee oder Kaffee (Vorsicht Herzkasper!). Für Weicheier wird allerdings überall auch modischer Cappuchino angeboten.

Im 2. Teil gibt es Kultur. Topkapi, Moscheen und über das goldene Horn nach Galata.

weitere Infos: Fotogallerie Istanbul

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Eine Antwort zu “Istanbul | Zwischen Okzident und Orient – Teil 1”

  1. SomeVapourTrails 05. Apr, 2010 at 08:38 #

    Obwohl ich eigentlich kein Verlangen habe in der Türkei zu urlauben, klingt deine atmosphärisch dichte Schilderung doch sehr aufregend. Das Ritual des Feilschens freilich würde ich nie verinnerlichen können. Ich bevorzuge da ehrliche Preise ohne irgendwelches Blabla.

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