Endlich wird das Hurricane Festival seinem Namen gerecht. Gegen 15 Uhr ist eine Unwetterwarnung durchgegeben worden, bis einschließlich 18 Uhr haben wir mit Hagel, Starkregen und Sturmböen bis Windstärke 10 zu rechnen. Die Situation erinnert an 2006, als das Festival aufgrund eines Sturmes abgebrochen werden musste und der Headliner Muse nicht mehr spielen konnte. Drücken wir für Radiohead heute Abend die Daumen, es wäre wirklich ärgerlich, wenn die legendäre Band um Tom Yorke nicht auftreten könnte.
Noch sind wir guter Dinge, es regnet bisher nur schauerartig, immer wieder blinzelt die Sonne durch die Wolken und sorgte noch vor den ersten Schauern für unangenehm heiß-schwüles Sommerwetter.
Das Set von Digitalism gestern Abend war schon beeindruckend, das Zelt war bis auf den letzten Quadratzentimeter voll besetzt und alle Anwesenden tanzten sich die Seele aus dem Leib. Die hohe Luftfeuchtigkeit schlug sich mal wieder auf den Zeltplanen nieder, wo sie in kleinen Sturzbächen an den Seiten wieder herunterlief und in den Eingangsöffnungen der Zeltbühne plätschernde Regenvorhänge zauberten. Ein Spektakel. Auf der Bühne passierte natürlich relativ wenig. Trotzdem wars lustig mit anzuschauen, wie die beiden Hamburger Jungs synchron hinter ihren Laptops auf und ab hüpften. Sie liessen es sich auch nicht nehmen die Gesangsparts ihrer Stücke selbst live einzusingen und auch ab und zu mal die vor ihnen aufgebaute Technikburg zu verlassen, um das Publikum direkt an der Bühnekante anzuheizen. Schade nur, daß sie ihr Set bereits nach exakt einer Stunde beenden mussten, um Punkt 2 Uhr morgens war Feierabend.
Maximo Park und die Foo Fighters konnte ich mir nur im Vorbeigehen geben, sie haben aber beide mal wieder solide Bühnenshows abgeliefert. Dave Grohl scheint mir auf dem Zenit seiner Schaffenskraft zu sein, er strahlt eine Menge Selbstbewusstsein und Lebensfreude aus, wenn er die Bühne zu seinem Spielplatz macht. Der Platz vor der Bühne war dementsprechend auch restlos besetzt, die Fangemeinde der Foo Fighters ist derartig groß geworden, daß man sich schwer tut sie weiterhin als Alternativband zu bezeichnen. Bei Maximo Park hingegen gab es schon noch ein wenig Platz vor der Bühne, wohl auch dem Umstand zuzuschreiben, daß sie fast zeitgleich mit den Foo Fighters gespielt haben. Dennoch verstanden sie es ihre Fans zu begeistern.
Leider blieb mir gestern kaum Zeit andere liebgewonnene Bands zu sehen. Billy Talent, The Wombats, The Subways, Madsen, alles Bands für die mir dieses Jahr einfach keine Zeit blieb. Schade schade, aber das ist eben das Elend solch eines riesen Festivals, man kann einfach nicht alles sehen.
Immerhin konnte ich mir noch für Biffy Clyro die Zeit nehmen, die mich schon letztes Jahr auf der Highfield Bühne von ihren Live Qualitäten überzeugen konnten. Ich fands eher ärgerlich, daß sie hier auf dem Hurricane nur auf der Zeltbühne spielen durften, dementsprechend dürftig war leider ihr Sound. Noch bis zum dritten Song hatte es der Mischer nicht geschafft, die stehende Basswelle, die das Publikum durchwalkte in den Griff zu bekommen. Immerhin konnte man dann wenigstens noch die letzten drei Stücke genießen, aber insgesamt war der Auftritt einfach zu kurz. Die Schotten können sehr viel mehr als das, was sie auf der Bühne zeigen konnten. Trotzdem freute ich mich über Songs wie “Living is a problem..”, das sie sogar in der Version mit dem langen Intro gespielt haben. Phantastisch.
Heute haben wir noch Interviews mit Bat for Lashes und Slut und netter Weise haben auch Jennifer Rostock noch spontan die Zeit gefunden, uns für ein paar kurze Fragen zur Verfügung zu stehen. Alles demnächst auch hier zu hören. Leider komme ich mit dem Hochladen der Mp3s nicht so gut hinterher wie ich wollte, da die Serveranbindung von hier aus nervenaufreibend langsam ist. Zur Not stell ich erst alles online wenn ich morgen wieder in Hildesheim bin. Ich hoffe ihr könnt euch solange gedulden.
Solange das Wetter mitmacht werde ich mir noch The Kooks, Razorlight, Sigor Ros und Radiohead anschauen und dann spätestens morgen nochmal darüber berichten.
Gerad eben ging die Pressekonferenz vorbei, FKP Skorpio Veranstalter Folkert Koopmann zog ein positives Resumee. Das Festival hat dieses Jahr mal wieder einen Rekord aufgestellt und war mit 70 000 verkauften Karten komplett ausverkauft. Die Frage, ob damit die Wachstumsgrenzen des Hurricanes erreicht seien, konnte er nicht beantworten. Schließlich hatte man vor drei Jahren auch noch gedacht, daß mit 50 000 Besuchern das Maximum erreicht wäre. Sag niemals nie lautet die Devise, also warten wir’s ab.
Ich verabschiede mich an dieser Stelle schon mal vorsorglich von euch, mit etwas Glück finde ich heute Abend noch die Zeit für einen letzten Gruß, ansonsten gibt es morgen vom heimischen Rechner aus mein Resumee für dieses Wochenende.
Lasst es euch gut gehen!
Euer Henner

