Weiter geht es mit dem zweiten und abschliessenden Teil meiner kleine Reisebeschreibung.Da wir jeden Tag auf “Achse” waren, sei es zu Fuss, per Automobil oder mit Bergbahnen, war die Osttirol-Karte sehr empfehlenswert. Mit ihr gab es für uns 7 Tage freie Nutzung diverser Bergbahnen, dem Besuch der Römerstadt Aguntum, der Galitzenklamm, des Wildparks Assling, des schönen Strandbades Tristachersee und vielem mehr. Zwei Wochen Osttirol mit ausgedehnten Bergwanderungen, kulinarischen Leckereien und häufigen Besuch des wirklich charmanten Lienz und kulturellen Stippvisiten. Unter anderem nach Aguntum, einer römische Siedlung, die unter Kaiser Claudius zur autonomen Stadt, zum „Municipium Claudium Aguntum“, erhoben wurde. Liegt ein paar Kilometer ausserhalb von Lienz. Für mich als alten Hobby-Archäologen war die Ausgrabungsstätte und das Museum natürlich ein Muss.
Die erste “richtige” Bergwanderungen, die wir angingen, hatte als Ziel die Neualplseen. Diese Wanderung machten wir erstmalig mit den beiden halbwüchsigen Bergschrecksen. Das lief nicht ohne Gezetter ab, aber letzendlich erreichten wir das Ziel (im Regen).
Zunächst mit der Sesselbahn aufs “Steinermandl” (2.214 m) und dann weiter durch eine imposante Bergwelt. Im Süden die aufragenden Lienzer Dolomiten – im Norden die gewaltigen Gebirgsketten des Glocknermassivs. Am Ziel eine wuschelige, niedliche Seenlandschaft, die Neualplseen (2.438 m). Wir haben sogar Murmeltiere und halbwegs wilde Tiere (Bergschafe) gesehen. Dann kam der Regen und wir sahen zu, das wir Land gewannen. Die Tour machten wir später noch einmal alleine, bei besserem Wetter und entspannterer Atmosphäre. Die Besteigung des Sattelkopfs (2.651 m) haben wir uns dann aber geschenkt.
Eine weitere Möglichkeit, meine Akrophobie zu bekämpfen, ergab sich bei der Galitzenklamm. Man bekam einen Schutzhelm verpasst und konnte bis auf einer Holzkonstruktion hinaufkrackseln und dann in den Schlund hinterschauen, was ich aber nur sehr widerwillig und nur aus meiner Chronistenpflicht heraus getan habe. Nur soviel, es war sehr tief. Übrigends habe ich auf dem Bild kein “Bäuchlein”, sondern ein schlecht sitzendes T-Shirt. Habe doch tatsächlich in Tirol über 2 Kilo abgenommen.
Eine weiter interessante Tour führte nach Kals, ca. 40 Km nördlich von Lienz. In Kals ging es mit einer niegelnagelneuen Bergbahn auf die gerade frisch fertig gestelle Adler Lounge (2.621 m) mit einen sagenhaften Panoramblick auf über 60 Dreitausender. Die für mich grösste Tat war es, mich mit wackeligen Schritten bis an der Spitze der Aussichtsplattform zu begeben. Als verschärfte Bedingung war der Boden der Plattform durchsichtig, wenn ihr versteht was ich meine.
In der zweiten Woche habe wir zusammen mit einer netten Familie, die wir in der Hotelanlage kennengelernt hatten, eine Wanderung in die Lienzer Dolomiten gewagt. Die Lienzer Dolomiten, die wir tagtäglich als Panorama vom Zettersfeld aus betrachten konnten, unterscheiden sich wesentlich vom eher sonnigen Zettersfeld mit seinen weiten Almwiesen und offenen Tälern. Karg und eher düster gehts dort droben zu. Vom Tristachersee geht es zunächt eine Mautstrasse hinauf zur Dolomitenhütte (1.620 m) und dann (für konditionsstarke Wanderer) hinauf zur Karlsbader Hütte (2.260 m) und dem Laserzsee. Nur soviel: ich habe gepumpt wie ein Maikäfer, der Ausstieg wollte und wollte nicht enden, ich benötigte dringend ein Sauerstoffzelt, aber oben glücklich angekommnen. Auf der Hütte gab es ein deftige Jause und alles war gut.
Zweimal waren wir in Italien. Der erste Versuch ging komplett in die Hose, weil ich blöder Hund anstatt über Sillian / San Candido (was richtig gewesen wäre), Richtung Klagenfurt über eine schweinische Paßstrasse nach Tolmezzo gefahren bin und wir beinahe in Udine gelandet wären. Total Verfahren trotz Navigationsgerät. Der zweite Versuch hat dann geklappt. Diesmal haben wir uns in Lienz zwei Fahrräder geliehen, sind dann mit der Bahn nach San Candido (Innichen) gefahren und danach die 50 Km immer schön bergab an der Drau entlang zurück nach Lienz.Historisch bedeutsam: Freundschaft wärend der Fahrt geschlossen mit vier Niederländern.
Meiner Höhenangst. Ich glaube, ich bin ganz gut mit meinen Ängsten fertig geworden. Jedenfall hätte ich mir nicht träumen lassen, mit Spass Sessellift und Gondel zu fahren. Nur den Vorschlag eines Paragleiters (mit ihm und seiner Frau, ein schwäbelndes Pärchen aus dem badischen Land hatten wir uns angefreundet), ich solle doch einen Duo-Flug wagen, dann wär’s vorbei mit meinen Ängsten, habe ich dann lieber doch nicht angenommen. Obwohl, geliebäugelt hab’ ich schon.
Noch ein paar abschliessende Worte zum Umgang zwischen Urlauber und Einheimischen. Man hat da ja schon die wahren Horrorgeschichten gehört. Im Grunde könnte ich es mir auch einfach machen. Die Österreicher kaufen brav deutsche Autos, wir schmeissen denen unsere Kohle hinterher und bekommen dafür eine halbwegs akzeptable Gegenleistung. Ist aber nicht mein Ding. Und so habe ich mir schnellstens ein “Grüss Gott” angewöhnt und habe, kommunikativ wie ich bin, so ziemlich jeden eine Kante ans Bein gelabbert. Uns ist, zumindest in Osttirol (in anderen Gegenden soll es ruppiger zugehen) unglaubliche Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit begegnet. Ob beim Wandern, im Cafe oder im Hotel, überall kam man mit wildfremden Menschen schnell in ein freundliches Gespräch. Somit ist den auch mein abschliessendes Fazit: Osttirol ist super.




















Schön, dass es dir gefallen hat… noch schöner, dass du wieder da bist
Die Österreicher sind gar nicht so übel, man darf mit denen nur keine deutschen Wintersport-Übertragungen schauen…
Ansonsten bleib ich dabei: Berge sind doof…diese Idylle da oben mein Horror-Urlaubsszenario…wär nur noch zu toppen durch… ja… Wintersport in allen Varianten.
Liebe Grüße
Brigitte
Das geht ja nun mal überhaupt nicht: “ein schwäbelndes Pärchen aus dem badischen Land”. Pfui!
Ein Schwabe aus Schwaben
PS. Sehr schöner Bericht!