Die besten 500 Alben | 81-100

2 Nov

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Psycho Candy

The Jesus and the Mary Chain – Psychocandy (1985)

Leckerschmecker saure Distorsionsdrops. Wenn heute im Süsswarenregal der aktuellen Musiklandschaft neben dicken, bunten Goldbeeren ebensoviele zerzusselte, bittersüsse und zartsaure Dunkelmusik in tausendfacher Form und Verpackung vorkommt, dann ist dieses Bonbon der jüngeren Musikgeschichte nicht ganz unschuldig daran. Macht Kopfkaries der besten Sorte. Pet Sounds mit der Schleifhexe aufpoliert und ab damit durch die Steckdose gejubelt. (B)

Die Jungs hatten Frisuren, als wenn der Föhn in die Luft geflogen  wäre. Die Musik klang ähnlich. Explodierendes Noise-Gewitter, schrammelnde Glückseeligkeiten und ein leckerer musikalischer Drops nach dem anderen. Und immerhin hat der NME das Album zum Zweitwichtigsten überhaupt gewählt. Na denn. (P)

Daydream NAtion

Sonic Youth – Daydream Nation (1988)

Das Destillat der alternativen amerikanischen 80er. Art Rock, College Rock, Punk, Hardcore, Ronald Reagan, NYC Avantgarde, Madonna, Patti Smith, Iggy Pop, der Underground. Die wertig verschroben verwobenenen Saitentexturen der Gitarrenfetischisten um Thurston Moore bilden hier die durchaus gekonnt ARTige Essenz der Rockkultur der tagträumenden Alternativeszene einer ganzen Ära und winken diesem Jahrzehnt zum Abschied Bye Bye. Was danach kommt, ist der blonde Mann mit der Schrotflinte. (B)

Zoot Allures

Frank Zappa – Zoot Allures

So eine dicke Hose auf dem Cover ist eine klare Ansage bezüglich des Inhalts. Der Platte, natürlich. Stellt man sich die nicht unmaßgebliche Frage, welches der scheisstausend guten Alben des Meisters, denn hier in dieser honorablen Liste landen sollte, kommt man unweigerlich ins herbstliche Grübeln, das zu nix anderem führt, letztendlich das Hosengefühl entscheiden zu lassen. Und dies ist bei den Zoot Allures wohl am dicksten. Mag die Over Nite Sensation besser, Freak out musikhistorisch wichtiger, Sheik Yerbouti professioneller, ist und bleibt Zoot Allures einmaliger dunkelroter böser Schwitzkastensex. Möge die Folter nie aufhören. (B)

Wild is the wind

Nina Simone – Wild is the Wind (1966)

Wenn das mal kein Gegensatz ist. Kleinster gemeinsamer Nenner: Leidenschaft und ein wenig Folter. Hier in Form eines der beeindruckendsten Alben der lebensauthentischen LEIDENschaft einer vom Leben und den gelegentlich leider dazugehörigen Menschen durchaus gezeichneten Dame. Vereinnahmend schön, empathisch traurig. (B)

Smiths

The Smiths – s/t (1984)

Ok, da ist sie endlich, die Platte eines gehörigen Teils meiner gelegentlich sinnfrei verschmachteten Jugendzeit. Hätte mir beinahe Tulpen in Hosentasche gesteckt und wäre damit zur Schule gelatscht. Bis ich kapiert habe, was das bedeutet. Sorry, Morissey, … But what difference does it make? Schön war es allemal, vom ersten bis zum letzten Song. Danke dir, charming Man, für all die schönen Momente (nicht nur beim Fliegenfangen) (B)

Ich hatte schon die düstere Post-Ära durchwandert und war gewappnet. Morrisseys exaltiertes Getue, manchmal anstrengend, manchaml nervig. Aber ich hatte nichts dagegegen. Zu viele grosse,  zuviele  wichtige Songs. (P)

Noise

Archive – Noise (2004)

Das Highlight der Archivisten. Hier die perfekte Symbiose der Triphopschen Elemente mit formidablen und überwiegend depressiven, cannabinoldurchtränktem, theatralischen Songwriting. Und dann diese kompromisslosen unmissverständlichen Ansagen aus dem tiefsten Tiefen eines gebrochenen und gejagten Herzens. Nach dem Weggang Craig Walkers in dieser Intensität nie mehr erreicht, betreiben Archive seitdem eigentlich nur noch Archivarbeit. Noise ist wunderbar böseschön! (B)

Ein gutes, ein sehr gutes Album, keine Frage. Wurde aber durch “You All Look The Same To Me” regelrecht  atomisiert. Begründung: Da war  “Again” drauf.  (P)

Black love

Afghan Whigs – Black Love (1996)

Dulli ist ein Ereignis. Am besten in der Form als Afghan Whig zu geniessen. Diese subversive, kriminelle Mischung aus Grunge, R&B und Soul wird gekonnt gekrönt mit diesem perfekt unperfekten Schreigesangssahnehäubchen Dullis. Besser kann man die dunkle, obsessive, lasterhafte, alkoholgetränkte Seite dieses selbstzerstörerischen amerikanischen Lebens nicht kolorieren. Dafür darf er auch diese weissen Wichserschuhe tragen, der alte Dandy. Stehen ihm deutlich besser zu Gesicht als Joe Jackson… (B)

Happy

Happy Mondays – Pills ‘n Thrills and Bellyaches (1990)

Weiter geht es mit den Drogen. Statt Südstatenwhiskey probieren wir es mal mit einer ganzen tanzenden Apotheke. Klar ist da jeder Montag rosarot, wenigstens bis zum frühen Morgen des durchgetanzten Wochenendes. Später kommen sich Bauchschmerzen. Und Kopfschmerzen. Und Konzentrationsschwäche. Aber das erst später. Wir befinden uns mit 1990 am Ende der schwermütigen englischen 80er und haben einfach nur noch Spaß. Wie und womit auch immer. Insbesondere in Manchester, dort ist der Monday schon lange nicht mehr Blue sonder nur noch Happy. Und mitten drin in der Ravemanie dreht sich diese Scheibe und dreht sich und dreht sich und … Klatschbummschepper, wird mir irgendwie schwindelig. (B)

b52s

The B52′s – s/t (1979)

Habe lange überlegt ob die hier was zu suchen hat und die Bienenkörbe haben mich doch noch einmal überzeugt. Warum? Weil ich die Platte klasse finde, immer noch. Geht ab wie Schmitz Katze, macht Spaß, ist wirklich gut, die Mädels sind genial und der Herr Schneider ist einfach bekloppt. Damals viel das nicht so auf. Ist irgendwie so wie Devo mit tanzendem Dildo im Allerwertesten… (sorry) (B)

Ein Album der kleinen Nervensägen hatte ich. War dieses hier. Ist auf irgend einem Flohmarkt für`n Fünfer über den Joradan gegangen. Vielleicht schade, vielleicht auch nicht. Allerdings wollte ich, soweit ich mich erinnere,  nie  mit ‘nem  Dildo im Arsch tanzen. Aber immerhin bringt das eine Menge Spass in den Suchmaschinen. (P)

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David Bowie – Low (1977)

Das düsterste, experimentellste Werk aus der Berlin-Triologie. Für mich mit das Beständigste des dünnen weissen Mannes. Und Bowie hat wahrhaftig einen Menge Unsinn verzapft. Aber “Low” gehört nicht dazu. Soweit das Auge blickt, nur karge, bedrohliche Steinlandschaften, zu hören ist weit und breit kein Hit. Zerstörung, Kälte und Hoffnungslosigkeit. Der Mann war von Berlin wohl ziemlich geschockt, hat hier zeitlose Klänge geschaffen, sich gehäutet und ist dann weitergereist. (P)

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XTC – Black Sea (1980)

Ich mochte die Beatles nie besonders. Aber dafür XTC. Die machten alles richtig, schuffen ein beatleskes Pop-Album voller wunderbarer Momente und waren  leider nicht besonders erfolgreich. (P)

… wo ich dir uneingeschränkt Recht gebe. Wobei die Reihe der XTC Alben in dieser List nicht bei Black Sea enden sollte (B)

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Low – Trust (2002)

Die musikalischen Entschleuniger, Hüter der Langsamkeit und Wächter über all die schönen, leisen und leisesten Töne. Low, das ist Musik wie einen langsame, süsse Tod, eine bewusstseinserweiternde Drogen, ein langsames Schlendern und Wohlfühlen.  Low, das sind die letzten Minuten im Sonnenlicht, zur Ewigkeit gedehnt (P)

Si! Siehe Kommentar unter XTC. (B)

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Mew – And the Glass Handed Kites (2005)

Einen Preis haben die Dänen sich redlich verdient. Das scheusslichste, widerlichste Albumart aller Zeiten. Visuell gesteuerte Menschen würden sofort weiterblättern im Glauben, diese Musik kann nur Scheisse sein. Ist sie aber nicht. Wunderbare elegisch, nordischer Indie-Rock und leichter Hang zum Progressive-Rock. (P)

… wobei Frengers weniger scheusslich von aussen daherkommt und mir deutlich sympathischer erscheint. (B)

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Peter Hammill – Over (1977)

Einer der besten Alben des ehemaligen Sängers der Band  Van der Graaf Generators. Auf Over wird in elegischer Stimmung der Weltuntergang vorgetragen. Abgesehen von einigen ziemlich ruppigen Momenten, geht es besinnlich zu. Instrumental wird alles aufgefahren, bis hin zum Orchester. Hauptinstrument bleibt aber seine Stimme. (P)

Mclusky Do Dallas

Mclusky – Mclusky Do Dallas (2002)

Hardcore und Punk laufen hier Amok. Hektisch, rastlos, ungeduldig, nervös, hibbelig. Rock`n`Roll von Psychopaten für die, die es werden wollen. Hannibal Lektor hätte die Burschen zum Fressen gern gehabt. Trotz alledem auch für geistig Gesunde ungemein belebend. So wird in der Gummizelle gerockt. (P)

Yo, selten mit so wenig Aufwand soviel Dynamik generiert. (B)

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Blackfield – Blackfield (2004)

Wie findest Du das? Wunderbare zeitlose Pop-Musik ohne Fehl und Tadel. Kannst Du immer hören. Laut und leise. Zeitlos gut produziert, jeder Ton perfekt austariert. (P)

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Amplifier – Amplifier (2004)

Ich habe das Debütalbum der Briten damals wie einen Befreiungschlag empfunden. Amplifier waren mit diesem Album sicherlich einer meiner meistgehörtesten Bands 2004. Auch heute noch eine Wucht aus innovativen, spacigen  Pschedelic-Rock und Gitarren, Gitarren und nochmals Gitarren. Dazu Reverb, Delay, Echo und Effekte ohne Ende und das ziemlich cool und lässig feilgeboten. (P)

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Roxy Music – For Your Pleasure (1973)

Von allen halbnackten Covermodels ist mir dieses elegante Biest am liebsten. Ich hatte mir in Tagträumen immer gewünscht, ihr wäre ihr Wuffi. Die Scheibe ist zwar schon Antiquariat, aber “Do The Strand” und besonders “The Bogus Man” sind immer noch State-Of-The Art in Sachen Glam-Rock. (P)

… Da hast du Recht. Dieses blasierte Gesinge war genial, die Cover natürlich auch. Unnahbare Hübschheit. (B)

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Jethro Tull – Thick As A Brick (1972)

Aus sentimentalen und anderen Gründen für mich das beste Album des einbeinigen Querflötenspielers und den Seinen. (P)

Zusammengestellt von: Benedikt (B) und Peter (P)

Die besten 500 Alben: 01-20 | 21-40 | 41-60 | 61-80 | 101-120 | 121-140 | 141-160

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8 Antworten zu “Die besten 500 Alben | 81-100”

  1. der tux mal wieder 02. Nov, 2009 at 19:35 #

    “Und immer, wenn wir traurig waren (…), nahm ich dich in meine Arme und dann hörten wir die Smiths”
    – Farin Urlaub

    Mein üblicher Senf:

    Roxy Music hatten zwischen 1972 und 1973 ihre deutlich stärkste Phase.
    (Ich kann mich dennoch eher mit Country Life anfreunden.)

    Und: Ah, endlich mal ein gegen die Beatles ätzender Kommentar. Jetzt muss ich das nicht mehr machen.

    (Das Klammer-P hat bei Archive natürlich Recht. Auf “You all look the same to me” ist außerdem “Meon” drauf. Ein traumhaftes Stück Musik, auch nach all den Jahren noch..)

    Schließlich: Frank Zappa nervt. Ohne Ausnahme. Warum? Keine Ahnung. Sobald der seine Stimme erhebt, überkommt mich der Drang, den Ausschalter zu betätigen.

  2. Benedikt 02. Nov, 2009 at 21:30 #

    Noise oder YALTSTM ist pipiwurscht. Beide Klasse und immer wieder ein Ereignis. Atomisiert durch YALTSTM? Nö, geht nicht. Rein erscheinungstechnisch nicht.

    Übrigens, der Dildo ist sinnbildlich in Devo’s Popo zu finden, nicht in einem der beteiligten Protagonisten!
    ;-)

  3. der tux mal wieder 02. Nov, 2009 at 21:37 #

    Verglichen mit YALTSTM war auf Noise aber nur mäßig Gutes drauf.

    Devo? Oha. Sehe ich ja jetzt erst, das Album. Devo und Konsorten (also wohl auch B-52s, von denen ich meines Wissens nichts kenne) waren mir zeitlebens zu aufgedreht, zu albern, zu “party”. Ich hoffe, das spricht jetzt nicht gegen mich.

  4. Benedikt 02. Nov, 2009 at 21:42 #

    Nö, finde ich ganz und gar nicht… (Noise)

  5. Axel 03. Nov, 2009 at 02:20 #

    (Das Klammer-P hat bei Archive natürlich Recht. Auf “You all look the same to me” ist außerdem “Meon” drauf. Ein traumhaftes Stück Musik, auch nach all den Jahren noch..)

    Von denen kenn ich bisher nur “Again” und bin begeistert, aber “Meon” hört sich ja auch fein an. Das Album werd ich mir mal antun!

  6. Julian 21. Nov, 2009 at 20:49 #

    Boah, “Thick As A Brick”… wie ich das mag… Ich habe es an einem sehr traurigen Punkt in meinem Leben bekommen und erkenne mich immer wieder in der Story wieder (also dem Zeitungsartikel). Zwar ist m.E. “A Passion Play” noch ne Nummer besser, aber Brick ist einfach ein Brett.
    Bestes Album von Zappa? “Roxy & Elsewhere”, “The Yellow Shark” und “We’re only in it for the Money” würde ich sagen. “Zoot Allures” hat aber auch gute Songs, nur wurde ich damit nie so richtig warm. Bowies “Low” ist natürlich einsame Spitze. Diese Kälte ist wirklich unvergleichlich. Für mich sind seltsamerweise auch “Avalon” und “Flesh & Blood” unverzichtbar, aber zueggeben sind die ersten Alben von Roxy Music grandios. Sehr schön ubrigens auch das Eno Soloalbum “Here Come The War Jets”.

  7. Felix 15. Apr, 2010 at 10:30 #

    Das sind ja immer nur 19 Alben? Wie wollt ihr da jemals auf 500 kommen?

  8. Peter 15. Apr, 2010 at 11:29 #

    Stimmt, diesmal sind es 19, normlerweise 20. Da haben wir wohl nicht aufgepasst. Auf 500 kommen wir wahrscheinlich am 5. März 2034. Und dann kommen die 1000 besten Songs aller Zeiten.
    :D

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