Im Grunde auch Musik
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Das Covercover oder Ladies and Gentlemen, we are floating in the Freibad

Aus dem durchaus musikalisch als vergnüglichen einzustufenden Anlass, dem Geniessen des neuen Albums der Foals, bemerke ich in mir ein diskretes Gefühl von warmer Vertrautheit, einem genussvollen Hauch von Déjà-vu. Akkustisch war da diese dezent aufblitzenden Reminiszenzen an die Talking Heads. Aber das war es nicht, es war etwas Optisches, das in mir dieses Gefühl des daskenneichdochirgendwie aufkeimen liess. Es war das Cover. Dieses tiefblaue, sonnendurchflutete Arrangement mehr oder minder elegant tauchschwimmender Menschen in der scheinmarinen Welt eines illuminierten Schwimmbades.

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The Foals – Total Life forever (2010)

Ladies and Gentlemen, we are floating in the Freibad. Das war eindeutig Chrome von Catherine Wheel. Wobei die Choreographie des Ensembles bei Chrome die Apnoeprotagonisten eindeutig als professionelle Tänzer erkennen lässt, wohingegen die Haltung und Eleganz der Foalsflossler eher der von Wasserleichen ähneln. Zum Vergleich:

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The Catherine Wheel – Chrome (1993)

Getoppt wird die submarine Uneleganz freischwimmender Fohlen allerdings deutlich und nahezu uneinholbar von dem bekannten kleinen Pillemann mit diesem visuell plump störendem Köderdings. Wobei möglicherweise kopierte Haltungsschemata des rechten Foalsflosslers zu dem Männeken Piss möglicherweise eine ganz neue Deutungssicht des Albums zulassen. Denn der Pillemann ist wahrlich eine Ikone.

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Nirvana – Nevermind (1991)

Egal, das Blau ist romantisch, das Wasser erst recht und die Musik aller Alben ist wunderbar. Kein Grund zum Mäkeln, aber vielleicht Grund genug sich ein wenig umzuschauen. Die Welt der Cover ist voll von Parodien, Persiflagen und Fakes. Quasi Covercover. Ein Cover vom Cover. Hier ein paar schmunzelnde, augenzwinkernde Vertreter dieses optischen Zitates. Opfer sind meist Klassiker mit enorm hohen Bekanntheitsgrad. Ikonen der Plattensammlungen. Färbt halt ein wenig auf die Parodie ab. Wie beim Coversong erhellt ein wenig Scheinwerferlicht so manches dunkle Eckchen von Belanglosigkeit. Die Kopie eines unbekannten Albums birgt auch die Gefahr in der Schublade des gezielten, schnöden Plagiats, Entschuldigung, natürlich Axolotls, zu landen. Viel zu gefährlich. Ikonen dürfen und sollten spätestens seit Warhol kopiert werden. Gelegentlich impliziert die Benutzung des Zitates allerdings auch eine Aussage, sei es auch reine Provokation. Visuelle Symbole in neue Zusammenhänge zu setzten kann durchaus spannend sein und eine neue Sichtweise auf das zitierte Objekt bedingen. Meist ist es allerdings reiner Spaß. So wie in deutlich zu banal geratene Adaptation des bekannten Pillemannmotives durch den nerdigen Plagiatsussel hier:

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Weird Al Yankovic – Off the deep End (1992)

Eine deutlich elegantere, feminine Sichtweise des Pillmannmotivs bietet uns diese mir leider nicht bekannte Musikerin im folgendem hier. Einzig die züchtig durchnässte Verhülltheit stört die künstlerische Konsequenz. Hier hätte ein wenig mehr Mut der Gesamtaussage nicht geschadet. Also entweder konsequent wie der Pillemann oder wenigstens eine subtilere Auswahl der Bekleidungstücke. An Haltung und Eleganz gibt es nichts auszusetzen. Typisch Französin, die können einfach alles tragen.

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Jeanne Cheral – L‘ Eau (2006)

Eindeutig am nächsten dem Foals Cover kommt allerdings dieses hier. Hier machen gerade die vier Poprocker namens Safetysuit aus Nashville ihr Seepferdchen. Auch wenn die tiefblaue Eleganz im bräunlich tingierten Brackwasser komplett baden geht, stimmen hier Positionen, Anzahl, Schwimmstil der durchfeuchteten Protagonisten als auch der Lichteinfall nahezu überein. Kompliment!

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Safetysuit – Life left to go (2008)

Die Komplimente gehen allerdings hier nochmals an alle beteiligten Personen für die mindestens 50 feuchten Aufnahmetakes mit Quellhaut und 1o Tagen Dauerschnupfen bis zum endgültigen Ergebnis. Wer noch weitere Adaptationen des Unterwassersujets in der Popmusik beisteuern kann, der fühle sich herzlich eingeladen ein paar Wassertropfen in die Kommentarkästchen zu ergiessen. Ach ja, selbst in der virtuelle Welt des Musikblogs finden sich weitere Beispiele feuchtfröhlicher Eleganz. Eines schwimmt allerdings kopfüberwasser in Schwarz Weiss und findet sich in Nachbars Pool hier.

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Kategorie: Im Grunde auch Musik

von

Benedikt schuf den Last Pop Song Blog und hat ein Herz für alles Schöne und Gute. Und manch Krankes und Lautes. Es gibt nur eine Bedingung: Passion.

1 Kommentare

  1. Cover kann ich keines beisteuern, als musikalisch gelungenen Tauchgang würde ich aber Underwater Love von Smoke City bezeichnen. Schwermütigere Gemüter können gut The Same Deep Water As Me von I Am Kloot nehmen.

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