Momentan wird gecovert wie blöd. Nicht das ich Coverversionen nicht mögen würde, ganz im Gegenteil, ich nenne sogar so etwas wie eine gewisse Sammelleidenschaft für die Kunst des gezielten und angekündigten Axolotelns gestandener und verdienter Songs der Popgeschichte mein eigen. Trotzalledem ist aber gelegentlich zu offensichtlich, dass die ein oder andere Coverversion mehr oder minder geschickt über eigene kreative Durstrecken oder Offenbarungseide hinwegblicken lassen bzw. herhalten muss. Als angenehmer Nebeneffekt neben einer unscharf bleibenden Andeutungs- und Zitatsaura, lässt ja meist ein wenig Glanz guter Songs auch den covernden Interpreten etwas heller im Lichte der Öffentlichkeit erscheinen. Das Abrufen der Reminiszenzen bestellt das weiche, saftige Beet auf dem es der Song meist einfacher hat zu keimen um zu gefallen. Aber wie das so ist, Liebe und Hass liegen ganz nah beieinander. Gefällt die Version nicht, geht das meist komplett daneben. Blümchen wird schnell welk und einfach so ignorieren geht dann nicht mehr. Stinkwurz.

Aber, ich schweife ab, es wird zur Zeit gecovert. Auch von Altmeistern. Der selige Johnny Cash hat mit Bravour gezeigt wie schön das sein kann. Wie aus schönen Songs wunderbare werden können, ändert man nur den Kontext ein wenig und besinnt sich auf die fundamentale Kernkompetenz. Ob Altmeister Peter Gabriel erzengelgleich seine Lieblingssongs mit der elegischen Hilfe eines ganzen Sinfonieorchesters und seiner leicht überreizten Stimme wirklich so strapazieren muss, wie er es auf seinem Coveralbum zeigt, sei dahin gestellt. “Heroes” geht gar nicht, bei “My Body is a Cage” passt es wenigstens atmosphärisch. Die guten Momente des Albums liegen eindeutig in den reduzierten Stücken. Nicht im schwülstigen Pomp. Aber was juckt es den alten Rücken, wenn er schmeichelnd verjüngt gekratzt, gekrächzt und gebeugt wird. Herr Gabriel hat so manchen Schuß frei. Nur bitte beim nächsten mal nicht so schwülstig. Eine Kostprobe des Coveralbums gibt es hier zum freien Download.

Die eine Methode ist das umorchestrieren, eine andere ist das Übernehmen eines Songs in den eigenen Soundkontext. Das Nada Surf sich aktuell ebenfalls, allerdings ehrenhalber ohne Sinfonieorchester, ebenfalls an ein Coveralbum wagen, dient sicherlich nicht der Aufarbeitung der eigenen gelebten Pophistorie des nahenden musikalischen Lebensabends. Sind viel zu jung dafür. Hier drängt sich der Verdacht des Vorliegens einer dezente Kreativpause und mit einer leichten Prise merkantiler Gefallsucht auf. Warum muss man sonst zum zigtausendsten mal “Enjoy the Silence” covern. Klappt fast immer. Zum Glück macht mich die Auswahl der anderen Songs des Albums hoffend. Die durchaus gelungene Mischung bekannter und eher unbekannterer Songs, die als Blaupause für den durchweg gut erkennbaren und angenehmen Nada Surf Sound dienen klingt vielversprechend. Und die haben bei mir sowieso mindestens einen Schuß gut. Eine Probe gibt es ebenfalls zum freien Download. Und Enjoy the Silence ist wirklich einer guter Song…
Nada Surf – Electrocution (Billy Fox Cover) | mp3
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Um dann schliesslich und endlich mal wieder in der aktuellen noisigeren Popabteilung zu landen. Die Raveonetten und Vice verschenken zwei Coverversionen ihres “Heart of Stone”. Deutlich verlangsamt psychofuzzig lassen die Brooklyner Amazing Baby (siehe Foto) das steinerne Herz psychoaktiv erweichen. Prädikat gelungen! Die andere Version stammt von den Dum Dum Girls, deren Version ich allerdings durchaus für entbehrlich halte. Zu dem lautmalerisch bescheuerten Namen fällt mir nur Talk Talk und Iggy Pop zu ein. Und dies liegt nicht an dem trotz aller gepflegten Metrosexualität gespaltenem Verhältnis zu Frauenbands. Aber da hier der ein oder Raveonettenfan unter den Schallgrenzengefolgschaft zu finden ist, hier der Vollständigkeit halber beide, wobei ich gerade beim verlinken in Echtzeit merke, dass diese schon wieder mal schneller waren und wieder mal alles anders herum sehen. Apropos Cover, warum sieht das Plattencover der Dum Dum Girls eigentlich genauso preppimäßg aus, wie das von Vampire Weekend?
Free Mp3 Download: Amazing Baby – Heart of Stone (Raveonettes Cover)
Und wer jetzt noch immer noch nicht genug von Coverversionen bekommen hat, der darf sich auf diesen passionierten Blogs austoben und dann und wann mit kaltem Grauen erstarren oder süßlich umgarnt dahinschmelzen…
Cover Freak
Blowing your Cover
Cover vs. Original
Cover me
Coverville
und nicht zu vergessen der My old Kentucky Blog mir einer Reihe guter Coversammlungen…





Das Doofe an Coverversionen ist, dass die Originale in Vergessenheit geraten. Bisweilen ein herber Verlust.
Gelegentlich haben sie auch die Eigenschaft, die vergessenen Originale freundlicherweise in Erinnerung zu rufen.
[...] schon fertig. (Wird es dann eigentlich auch das Spiel zum Film zum Spiel geben, ganz in alter Covermanier, und wer wird eigentlich die Asteroiden [...]
Nicht unbedingt. Vielmehr verdrängen sie sie meist. Kennt noch jemand “All along the watchtower” von Bob Dylan? Nur noch Hendrix, immer nur Hendrix. Schlimm.
Natürlich! Bin alt genug
.
Aber von wem ist Soft Cells Tainted Love oder um beim Thema zu bleiben Manfred Mann’s Mighty Quinn?
Mighty Quinn ist im Orginal von B. Dylan, allerdings zuerst von MM veröffentlicht. Oder?
Tainted Love? Marilyn Manson!
@peter: richtig, alter Sack!
@tux: gut gelacht, Sack
Freut mich!
mal ganz was anderes mr. peter
auf gabriels werk habe ich sehnsüchtig hingefiebert, war zunächst bitter enttäuscht, fand es dann ganz gut, höre es nun letztlich aber doch nie an, weil zu anstrengend. geht es dir damit genauso?
Finde Herrn Gabriel eher zu angestrengt als anstrengend. Muss man auch wirklich nicht komplett hören. Wie gesagt finde ich das ArcadeFire Cover gut.