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Eigentlich wollte ich an dieser Stelle über das neue Album Our Love to Admire von Interpol schreiben. Mache ich auch, aber nicht nur. Über das fast zeitgleich erschienende Album An End Has A Start von den Editors habe ich hier schon ein paar Worte verloren. Und da wir es hier zweimal mit Musik mit dem Aufkleber Retro zu tun haben, darf auch darüber gesprochen werden. Da bietet sich natürlich ein Vergleich der beiden Bands mit festen Blick auf die Referenz an. Und diese Referenz ist zweifelsohne die 1979 gegründete Band The Comsat Angels aus Shefield. Nicht nur, aber massgeblich.
In diesem Zusammenhang muss wie gesagt auch auf den zu Tode bemühten Begriff “Retro” bzw. die seid ein an paar Jahren grassierenden Retrowelle eingegangen werden. In den letzten Jahrzehnten ist ja so ziemlich jeder Stil aus der hinterste Schublade der musikalischen Mottenkiste herausgekramt worden und als grosses neues Ding an den Mann gebracht werden. Retro-Punk, Retro-Wave, Retro-Rock, die Liste liesse sich noch weiter fortführen. Solange man sich zu seinen Wurzeln und Vorbildern bekennt, habe ich damit kein Problem. Ich mag die in der Post-Rock-Phase entstanden dunklen Töne heute immer noch, und die Musik von Bands wie Editors, Interpol, She Wants Revenge und wie sie alle heissen, ebenso. Und da es zur Zeit keine neuen musikalischen Innovationen gibt, und diese auch nicht zu erwarten sind, es sei den, irgend jemand würde vollkommen neue Klangstrukturen oder besser noch neue Klangerzeuger erfinden, wird weiter fröhlich eine Retrowelle der nächsten folgen.
Bleiben wir bei den letzten Jahren erfolgten Reanimierung der seligen Achtziger, so kann ich mich noch gut an eine Zeit in den Neunzigern (Hochphase Britpop) erinnern, in der Begriffe wie Wave, New Wave oder Synthie-Pop nur mit spitzen Fingern und gerümpfter Nase angefasst wurden. Damit mich da keiner missversteht, ich bin mit den Achtzigern musikalisch gross geworden, hüte meine Schätze von The Sound, Modern English, die ersten Alben von Simple Minds und The Cure, alles von Comsat Angels und so weiter und sofort und finde es grossartig, das es seid einiger Zeit Musiker gibt, die dieser Musik neues Leben einhauchen.
Irritiert bin ich lediglich, wenn so getan wird, als hätte niemand der Protagonisten auch nur einen Ton aus dieser Zeit gehört und als wäre alles auf dem “eigenen Mist” entstanden. Niemals nie nehme ich das den Herrschaften ab. Musikhistorisch betrachtet wurde zu allen Zeiten Leichenfledderei betrieben, das ist legitim und führte durch die Melange immer auch zu neuen, interessanten Ergebnissen.
Nun aber Butter an die Fische. Im direkten Vergleich zwischen Editors An End Has A Start und und Interpol muss man den Amerikanern und ihrem Album “Our Love to Admire” eine größere Langzeitwirkung bescheinigen. Ohne jeden Zweifel gibt es einige grossartige Songs, die sich wohl erst mit der Zeit in ihrer ganzen Pracht entfalten. Vereinfacht könnte man sagen, Editors sind für den Pop und die grossen Hymnen zuständig, Interpol für die Raffinesse, alles im Kontex der Reanmierung der dunklen Seite des “New Waves” der Achtziger. Es hat sich in der Vegangenheit aber gezeigt (ich habe ein einfache Gemüt) das ich mit den hymnischen Songs der Editors etwas mehr anfangen kann. Das wird sich wohl auch diesmal nicht ändern.
Bei Interpol ist meiner Meinung nach der Hang zum “Plagiatismus” aber noch viel ausgeprägter, weil raffinierter unterfüttert. Wobei natürlich ehrlicherweise eingestanden werden muss, das alle Bands, die Anleihen bei den Wave der Achtziger nehmen, der Vorwurf der Kopisten gemacht werden kann. Weder bei Interpol noch bei den Editors ist irgend etwas wirklich neu. Retro, das Wort sagt schon alles. Aber, und das ist die Rettung: ein guter Song ist ein guter Song.
Zurück zu Interpol und ihrem neuen Album. War Turn On The Bright Lights noch die reinste Kopie der Frühwerke von Comsat Angels wie Sleep No More (und konnten ihnen mit keinen Ton das Wasser reichen), sowie alles angereichert mit einem ordendlich Schluck aus der Joy Division-Pulle , sind die neuen Songs vielschichtiger. Zweifelohne hat sich Interpol freigeschwommen. Einige neue Sounds sind hinzugekommen, wir hören zwar auf Interpol`s Our Love to Admire (Retro! Retro!) an alllen Ecken und Kanten The Chameleons, The Sounds (mit Adrian Borland), Modern English, Echo And The Bunnymen und auch die Editors, aber gut und modern. Lustig und nicht uninteressant ist, das zwar immer noch der Einfluss der Comsat Angels zu hören ist, aber mehr der der späteren Werke.
Und in diesem Zusammenhang hat mich der Artikel in der aktuellen Visions über Interpol doch sehr geärgert hat. Da werden die Comsat Angels in einer Fussnote zwar endlich als einer der Vorbilder Interpols genannt, das aber in einer erschütternden Ignoranz und Unkenntnis, das sich mir alten Recken die Nüstern gebläht haben. Die Frühwerker der Shefielder Düsterwaver als Synthie-Wave zu bezeichnen, lässt vermuten, das der Schreiber dieser Zeilen nicht einen Ton von ihrem Erstlings- und Meisterwerk “Waiting Fo A Miracle” oder dem noch besseren zweiten Album “Sleep No More” gehört hat. Ich habe mir ihre Alben alle als Vinyl gekauft habe, habe die Musik wie Muttermich eingesogen, und zwar zu jener Zeit, als diese erschienen sind. Vielleicht reagiere ich deswegen ein wenig empfindlich.
Ein Wort noch zu den Editors. Ich möchte hier zwar Coldplay nicht niedermachen, es gibt einige grossartige Songs dieser Band, A Rush of Blood to the Head ist und bleibt ein Meisterwerk, ob das Mainstreamradio nun versucht hat, die Band totzududeln oder nicht, aber zunehmend ist bei Coldplay`schen Komposition ein Hang zur Beliebigkeit festzustellen. Diese Gefahr eines glattgebügelten Stadionrocks (zugegenenermassen auf hohen Niveau) kommt auf die Editors im Sauseschritt zu.
Anspieltipps
Interpol: Rest My Chemistry | The Heinrich Maneuve | The Lighthouse
Editors: Smokers Outside The Hospital Doors | The Racing Rats
Comsat Angels: Waiting For A Miracle | Dark Parade | Our Secret | Eye Of The Lens





fein geschrieben, Meister!
Und um die Comsat Angels wollte ich mich eigentlich auch schon lange mal kümmern… sobald mir jemand mal ein bisschen Zeit schenkt!!!
Hi Chris, ich weiss, das die holländischen Red Sun Records zumindest die beiden besten Alben “Waiting For A Miracle” und “Sleep No More” gereleased haben. Die Plattenfirma ist eh ein Geheimtipp für Freunde der dunklen Achtziger, den dort wurden zuhauf Bands wie Opposition, Mission, Chameleons, Church oder Modern English wieder aufgelegt.
Immer diese Rechenaufgabe, bevor man schreiben darf
Auch wenn ich jetzt wieder auf der SPAM Liste lande. Wenn Lars Rocketeer Büch nicht auf diesem Planeten wäre, dann würde Deine Sendung wohl nicht Schallgrenzen sondern Pretty in Pink heißen (NORA Kettchen und weiße Söckchen)
Aber wo Du Recht hast, hast Du Recht.
Also, wann kann ich wieder mit einer tollen Sendung zum Thema Comsat Angels, Cure, The Sound und Shrieback rechnen?
C ya
Frank
3+6 = 9 Hurra, ich habe es geschafft
Lieber Frank, nächste Woche! Es wird als Schwerpunkt das Thema RETRO geben, und Du wirst die alten Helden hören und interessante Musik mit dem Stempel “Retro” Und ja, Du wirst Shriekback hören. Und ja, du wirst The Sound hören. Grosses Ehrenwort. Das mit “Pretty in Pink” habe ich jetzt aber nicht kapiert????
Ich kann deine Zuneigung bezüglich der ersten Scheiben der Comsat Angels bestens nachvollziehen, auch ich griff mir anno 1980 als 15 Jähriger das Erstlingswerk WFAM und den Nachfolger Sleep No More.Auch die Fiction sollte nicht unerwähnt bleiben.Der Abschluß einer großartigen Trilogie.Wie du allerdings Retro-Waver a la Editors und Interpol mit dem völlig eigenen Klangkosmos der Comsats in Verbindung bringen kannst ist mir völlig schleierhaft.Die beiden Erstlingswerke der Comsats(besonders WFAM) sind Ausnahmebeispiele völlig eigenständiger, individueller Klangkunst, was man von Editors oder Interpol nun wirklich nicht behaupten kann.Von daher würde ich die Comsats niemals als maßgeblichen Einfluß beider Bands benennen.Geringfügige Parallelen sind sicherlich vorhanden, das wars aber auch.Recht hast du allerdings mit der Behauptung, das jene Bands den Comsat Angels nicht mit einem Ton das Wasser reichen können.Was minderhirnige Statements betrifft, wie das in der Visions, so hab ich mich allmählich daran gewöhnt.Die Band wurde immer auf kriminelle und peinliche Art und Weise unterbewertet.In diesem Sinne
Netten Gruß Olli
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich hatte vor kurzem eine Sendung, in der ich TCA, Editors und Interpol verglichen habe. Ich denke, die beiden Letztgenannten haben sich zumindest von der Musik inspirieren lassen. Und bei Interpol ist das auch irgendwo durch eigene Bekundungen der Band dokumentiert. Ich finde leider die Quelle (war ein Interview) nicht mehr.
Klar, das steht wohl außer Frage, das sich genannte Bands von den Comsats inspirieren ließen.Von Joy Division, Echo&the Bunnymen, The Sound uä Vertretern mal ganz abgesehen.Auch Bloc Party hatten bereits ihr Comsat-Outing.Fehlt eigentlich nur noch, dass sich die Altmeister reformieren, sich auf ihre alten Qualitäten besinnen und der jungen Bande mal zeigt wo der Hammer hängt..
Ob nun Leichenfledderei bei den Comsat Angels, The Sound oder Joy Division… da die Originale mittlerweile aufgelöst, Tod oder nur noch zu 50 % an die Frühform herankommen (Simple Minds oder Cure) ist es zumindest nett neue Bands zu hören, die den Faden zumindest aufnehmen und ein wenig weiterspinnen. Nichtsdestotrotz wird es spannend sein, ob die Editors oder Interpol noch in 5 Jahren diesen Level halten oder im Nirvana hocken. Und Coldplay… naja… wenn sich die Popularität mal legt ist immer noch Zeit für ein Werk wie in der Qulität von “A Rush of Blood to the Head”.
In dem Sinne…