Brooklyn. Was laufen und liefen da nur für hippe Spacken rum. Irgendwie scheint Brooklyn das pulsierende Zentrum des Planeten der alternativen, licht – und arbeitscheuen Spacken mit Gitarren kurz unter der Hüfte und komischen Haaren und Katemossbegrabscherhüten auf dem Kopf zu sein. Wahrscheinlich klonen die sich da alle. Wenn es dunkel wird, Samstags im Club. Die Liste der Bands aus dem New York für Alternative reicht für mindestens drei Ausgaben des Eurovision Song Contests, zwei MTV Awards und drei Abende bei Radio Tonkuhle. Namen? The Strokes, A Place to bury Strangers, MGMT, The big Sleep, Calla, Les Savy Fav, Say Hi To Your Mom, Clap your hands say yeah, Dirty on Purpose, Kevin Devine, Parts and Labour, Oxford Collapse, Panthers, Asobi Seksu, O’Death, The Antlers, Yeasayer, Dirty Projectors, Grizzly Bear, Psychic Ills, TV on the Radio, Vampire Weekend, the Rapture, LCD Soundsystem, Ambulance LTD, Fiery Furnaces, The Hold Steady, They might be Giants, We are Scientists um nur einige der bekannteren zu nennen. Sollte ich irgendwen der hippen Spacken vergessen haben, bitte ich höflichst um Komplettierung.
Irgendwie keimt ein leichtes Gefühl von Neid auf, komme ich hier in Düsseldorf (überleg, denk…) auf Kraftwerk, Fehlfarben, DAF, Neu!, La Düsseldorf, die Toten Hosen, Kreidler, Vorsprung durch Technik, A Certain Frank, Asmodi Bizarre, They Fade in Silence, Belfegore, Er France, Rheingold, Kiesgroup, Hauschka, Härte 10, Mittagspause, Östro 430, Stunde X, Diary of Dreams, Tommi Stumpff, Family 5 und nicht zuletzt Fuschimuschi, Superbilk und … Heino!. Ok, geht doch. Eigentlich gar nicht so schlecht. Im Schnitt immer noch besser als Berlin. Echt, keine Provokation! Rechnet doch einfach mal nach:
Berlin: ca. 3.5 Milionen Einwohner, 121 Indie Bands (Quelle: Indiepedia), macht 1 Band/ 28.925 Einwohner.
Düsseldorf: ca. 560.000 Einwohner, 131 Bands (Quelle: Indiepedia), macht 1 Band / 4274 Einwohner! (Ha!)
Hildesheim: ca. 103.000 Einwohner, 1 Band (in Indiepedia nix, in Schallgrenzen 1), macht 1 Band/ 103.000 Einwohner.
Noch Fragen? Ok, zugegeben, die Berliner haben im Gegensatz zu den Rheinländern einfach keine Zeit, irgendwelche Bands in Indiepedia einzutragen. Die Hildesheimer erst recht nicht. Siehe auch: Ein Tag in dreizehn Bildern. Ist auch wurscht. Brooklyn brummt. Also, zurück zum Flieger und ab nach Brooklyn.
Die Jungs mit den besagten Hüten oben sind Calypso und kommen nicht aus Hildesheim, spielen einen jungen von jeglichen Selbstzweifeln bereinigten, lauten Rockpunkgrungeglamirgendwas der nach Spucken beim Singen klingt und sind eigentlich nur der Aufhänger für mein Geplapper hier.
Calypso – Casually sad Mercedes | mp3
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Calypso: Myspace


Gut, dafür sind aber gefühlte 1 Million Berliner hauptberuflich, nebenberuflich oder ehrenamtlich als DJs unterwegs. Die solltest du natürlich aus deiner Rechnung rausnehmen. Ebenso die 300.000 hoffnungsvollen Profi-Demonstranten, die ja so herrlich alternativ sind, aber sehr mit Protest gegen Atomkraft, Kapitalismus und Abrissbirnen beschäftigt, dass ihnen für das Musikmachen keine Zeit bleibt. Zieh ebenfalls gläubige 200.000 Muslime ab, die höchstens Folklore huldigen. Und weiters noch die gefühlten 100.000 Bushido-Klone mit ihrem Aggro-Rap, die Indie nicht mal buchstabieren können. Subtrahiere noch die Ossis, die von Indie soviel verstehen wie Cindy aus Marzahn von schicker Kleidung. Und ebenfalls die ganzen Medien-Lackaffen! Dann bleiben nicht mehr viel Leutchen übrig. Aber eben diese leisten mitunter großartige Dinge. Das sollte man nicht vergessen.
Klasse! Also, dann müsste ich in Düsseldorf gefühlte 100.000 Modegroupies, 10.000 Modeschöpfer, 10.000 Iigrendwiendermodebeschäftigte, 20.000 schwarzgekleidete Creativdirektoren und die dazugehörigen 100.000 unbekleideten Creativdirektorengroupis auf Praktikantinnenstellen in Werbeagenturen, ca. 50.000 todtraurige und gelangweilte Landesregierungsangestelle, 50.000 ebenfalls ob ausbleibender Boni todtraurige Aushilfsbanker und die 100 damals aufgenommen Ossis, 100 Aggros, 100 Dauerdemonstranten und die 3 von der Tankstelle abziehen, dann passt die Relation wieder…
Ein Hoch auf die bundesrepublikanische Artenvielfalt im Niedrig IQ Bereich! Und die netten Berliner, die mit der guten Arbeit, die haben wir schon längst erkannt und lieben gelernt!
Natürlich muss ich als Bewohner der Stadt auf der richtigen Rheinseite schon neidisch den Strom abwärts schauen. Die cooleren Bands kamen irgendwie immer aus Düsseldorf. Es fehlen in der Aufzählung ja noch Stimmen der Stille, Nichts, Royal Depeche (ich suche übrigens noch deren Single) oder II. Invasion. Da liegt aber auch der Hase im Pfeffer. Die fetten Jahre sind vorbei. Die Mitglieder der meisten Bands machen bald ihren Rentenanspruch geltend. Wo ist der Nachwuchs, der in diese riesigen Fußstapfen treten kann? Ich sehe da im Moment keine. Ich glaube hier ist Berlin klar vorne.
Aus Brooklyn sind übrigens noch Fischerspooner und The Pains of being pure at Heart um mal die richtig hippen Spacken zu nennen
Na super. Ihr beide haut ja ordentlich auf`s Mett. Da muss ich wohl für die Hildesheimer Kulturszene eine Lanze brechen und mal einiges klar stellen. In unserer Fussgängerzone haben wir mindesten 3 peruanische Blockflötenspieler sowie eine handvoll Stehgeiger aus dem östlichsten Balkan. Und da an der Hildesheimer Uni so praktische Studiengänge wie Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis abgehalten werden, versucht sich so ziemlich jeder Studierende als Maultrommler, Klampfenverbieger oder Bratschenkaputtmacher. Dazu, ich hab`s gesten erlebt, mindest 10 Personen, die dem Genre Singer-Songwriter und Liedermacher-Klamauk zugerechnet werden können.Wir haben (glaube ich) ca. 22 Hip-Hopper. Vergesst bitte nicht die gefühlten 3 Milliarden Hard-Core-Metal-Schreihälse, die zwar noch nicht geschlechtsreif sind, aber im weitesten Sinne musikähnliche Geräusche machen. Und nicht zu vergessen, wir haben in Hildesheim wahrscheinlich mehr praktizierende Tüten-Musik-Anhänger als Düsseldorf und Berlin zusammen.
Und übrigens haben wir noch einen Dom. Der zählt doppelt
@marc: Klar, Berlin hat unwidersprochen die Zukunft in der Hand und vor der Nase. Lebt ich aber auch ganz bequem hier in der leicht defokussierten Westwelt. Und wie man an diesem unglaublich wunderbaren Blog sieht, darf der Liebhaber guter Musik sich dank aller Beteiligten durchaus auch in Burkina Faso wohnen um mitmischen zu können (wenigestens als Liebhaber)
@Peter: Ha, Ha… Klasse! Mett habe wir hier auch und den Dom, tja, den haben die Spaten im Vorort ca. 30 km südlich von hier.
Ich hab mal in einer Kölner Pinte zum Spass ein Alt bestellt.Ich wurde ja vorher gewarnt….
Ach du Scheisse…
So ist es. Der Pfützenschlepper wollte mich rausschmeissen. Ich habe ihm gesagt, das ich Ostfriese sei. Da durfte ich bleiben
Altbier schmeckt, wie es heißt… über Kölsch erlaube ich mir noch kein Urteil.
Was die Tütenmusikpraktiker in Hildesheim angeht:
Ja, und sie alle leben in diesen billigen Studentenbuden ums Subway rum…
[...] Calypso, Brooklyn, Düsseldorf, Berlin und Hildesheim [...]