Nicht schon wieder! Das unerquickliche Thema Abmahnung steht mal wieder im Raum. Über so ein unappetitliches Thema bei knappen Zeitkonto zu berichten, ist mehr als unangenehm. Aber da es um Blogger-Kollegen geht, um Musik und das “illegale” Verlinken eben dieser, müssen wohl doch ein paar Zeilen zu Papier gebracht werden. Gerade eben wurde Freund und Kollege Chris mit seinem Blog Music For A Moment gleich komplett zugemacht, jetzt gibt es eine Abmahnung wegen einen illegal verlinkten Song. Ich habe das erst jetzt über Umwege mitbekommen, da ich das betroffenen Blog eher selten besuche.
Die Fakten sind schnell abgehandelt. White Tapes, ein Blog das gerne ein Online-Magazin sein möchte (aber ein Blog ist), hat einen Bloc Party Song direkt verlinkt. BetterPropaganda ( Online-Magazin in den USA) hat diesen als kostenloser Download für Promozwecke (mit Erlaubnis der dortigen Plattenfirma) zur Verfügung gestellt. Gängige Praxis ist, das deutsche Blog auf dieses ausländische Angebot direkt verlinken. Bei einer der bekanntesten Seiten, nämlich Tonspion, ist das ein wesentlicher Teil der Geschäftspolitik. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, das Tonspion ihren Leser auf die Orginalseite (Beispiel Better Propaganda) via Frame leitet. Kleiner Unterschied, grosse Wirkung.
Fakt ist weiterhin, das die Verwertungsrechte von Land zu Land unterschiedlich geregelt sind. Übrigends mit ein Grund, warum wir über MySpace keine Songs mehr verlinken können. Ein zu Promotionzwecken in den USA legal verfügbarer Song ist mithin in Deutschland illegal.
Grundsätzlich muss man sich natürlich die Frage stellen, ob die Plattenfirmen, in diesem Fall wird es wohl Universal Music Group und ihre Promotionabteilung Cooperative Music gewesen sein (dort haben Bloc Party ihr Heimat), noch alle Tassen im Schrank haben. Statt einer Abmahnung hätte ja wohl auch ein Anschreiben mit der Bitte um Beseitigung des Links gereicht.
Durchgekaut wurde es hier ja oft genug. Wir, die Musikblogger in Deutschland, sollen uns doch bitte nicht einbilden, das wir (gleichberechtigte) Partner der Musikindustrie sind. Das sind wir nicht. Für Sony, Universal und Co sind Blogger nützliche Idioten, die man bei Bedarf für seine Zwecke einspannen kann. Mehr aber auch nicht. Für die grossen Player spielen zumindest in Deutschland vielleicht Musikmagazine, Werbepostillen wie Intro, Mainstream -Radio und TV eine Rolle. Engagierten Musikblogs gehören sicherlich nicht dazu. Ja selbst die unzähligen Online-Magazine und Fanzines, die willfährig die Promo-Waschzettel als eigene Beiträge verkaufen, sind für potentielle Plattenverkäufe eher bedeutungslos. Da könnte ich mir hier einen Wolf schreiben, Relevanz ist was anderes. Und Kooperation statt Krieg eher Wunschdenken. Eine Kommunikation findet nicht statt, es sei den über Anwälte. Traurig, aber wahr.
Lie in The Sound stellt die fast schon existenzielle Frage, Warum überhaupt noch über Musik bloggen? Genau. Weil wir Musik lieben, weil es uns Spass macht, darüber zu schreiben. Weil wir unsere Empfindungen mit Euch mitteilen wollen. Und weil das alles Vergnügen bereiten soll. Das funktioniert aber nur, wenn wir nicht Angst haben müssen, das uns der, den wir unterstützen, das Messer in den Rücken rammt. Es gibt soviel gute Musik auf diesen Planeten, tolle Veröffentlichungen ohne Label. Alben, die in Eigenregie oder über Netlabel vertrieben werden. Dort liegt die Zukunft. Etablierte Bands mit satten Verträgen brachen uns nicht und wir brauchen sie nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich habe jedenfalls keinen Bock, hier beim Schreiben eines Artikels immer die Hand einen rechtlichen Beistand zu halten. Zum Teufel mit der Musikindustrie, ab mit dem Mails der grossen Labels, wohin sie gehören: in den Spamordner.
Auch wenn es mir um einige Künstler, die es verdient hätten, das man über sie berichtet, das Portfolio von Cooperative Music und Konsorten werde ich erst einmal meiden wie der Teufel das Weihwasser. Hier bleibt sonst alles wie es ist. 1.) Es wird nur über Musik berichtet, die ich legal und direkt verlinken darf. Grund: Ich möchte weiterhin, das man Songs hier via Player hören kann. Ausnahmen bestätigen die Regel. 2) Reviews gibt es nur bei vorhanden Promo-Exemplar oder zugeschickten MP3-Files in bester Qualität. 3.) Ich finde ein Album toll und kaufe es mir. Alle andern Anfragen werden schon lange nicht mehr beachtet. So, und jetzt höre ich erst einmal ein wenig Musik.

Die Liebe zur Musik ist das Wichtigste – mir ist tatsächlich egal, ob ein Künstler Mainstream ist oder total unbekannt. Würd ich die Majors boykottieren, würd ich mir auch ins eigene Fleisch schneiden, ca ein 1/4 aller Musiker, über die wir schreiben dürfte direkt vom Hauptlabel Universal oder dem Sublabel Cooperative Music kommen. Da waren einige Glanzstücke dieses Jahr dabei für mich: Die Soulsavers und die White Lies…
Sollten wir aber so eine unsinnige Abmahnung erhalten, würden alle Beiträge gekillt… ohne wenn und aber…
Mit dem Verlinken werde ich noch vorsichtiger werden. Irgendwann kapieren auch die Doofies, dass Ländergrenzen im WWW (WorldWideWeb) ein Widerspruch an sich sind.
Peter, ich kann dir wieder einmal nur zustimmen. Mich ärgert es am meisten, dass bei den angesprochenen Fällen anstatt eine kurzen E-Mail mit der Bitte um Linkentfernung direkt eine Abmahnung ins Haus flatterte. Das verdirbt mir absolut die Laune. Da ich das direkte Verlinken im Groove Kanister bisher vermieden habe, bleibt mir Ähnliches hoffentlich erspart. Aber wer weiß für was man noch alles abgemahnt werden kann …
PS: Wenn das so weiter geht werde ich vom stillen Leser doch noch zum Vielkommentierer
Update: Cooperative Music hat innerhalb von Nullkommanix per Mail reagiert. Die Stellungnahme kann zur Erhellung der Vorgänge beitragen und darum möchte ich sie Euch natürlich nicht vorenthalten:
….” Hallo Peter,
erst einmal viele Grüße aus dem Cooperative Music Office.
Mit großen Interesse haben wir heute deinen Post gelesen und würden dazu natürlich auch selbst Stellung beziehen.
Die ganze Abmahnungssache mit White Tapes ist eine sehr traurige Sache, das sehen wir genau so wie du und alle anderen Blogger, die sich bisher dazu geäußert haben. Natürlich standen wir auch direkt nach dem Post von WhiteTapes in Kontakt mit Matthias, um mitihm die Sache zu bereden. Die Abmahnung, die WhiteTapes bekommen hat wurde von einem Anwalt, der angeblich im Auftrag von Universal Music handelt, erstellt. Allerdings war dieser jener Anwalt wohl etwas übereifrig, denn Bloc Party befindet sich nicht im Repertoire von Universal Music.
Wir selber haben keine Ahnung, warum nun jener Anwalt diese Abmahnung an WhiteTapes geschickt hat und versuchen auch im Interesse für den Blog das ganze aufzuklären. Wir, Cooperative Music, sind ein eigenständiges, europäisches Labelnetzwerk und in keinster Weise die Promotionabteilung von Universal Music.
mit freundlichen Grüßen
Soundso….”
[...] [...]
Dann wirds Zeit, daß der betreffende Anwalt, der berühmt berüchtigt ist für sowas, mal schleunigst an die Leine und in Haftung genommen wird. Ich empfinde das als extrem widerlich, was sich diese Anwaltskanzlei anmaßt. Da ist scheinbar jedwedes Augenmaß verloren gegangen und nur noch der Blick auf die eigenen Gebühren relevant. Von gesundem Menschenverstand geh ich bei Anwälten ja schon gar nicht mehr aus, aber wer schützt uns bitte vor solchen anscheinend freidrehenden Leuten?
Auf fast der ganzen Welt trägt der Betreibende die gesamten Kosten und ist für eine irrtümliche oder misbräuchliche Abmahnung haftbar, dabei haben Schadensersatzansprüche von Privatleuten gegen Firmen in Rechtssystemen, die sich zu Genugtuung und Prävention durch Abschreckung bekennen, immer gleich ganz andere Dimensionen. Wir brauchen die Abmahn-Haftung.
Wird leider nicht kommen, wir werden von Juristen und Lehrern regiert. Da ist es schwer an den gesunden Menschenverstand in der Politik zu glauben.
Gerade die Abmahnung bei WhiteTapes ist ein Beispiel dafür wie ungestüm diese Kanzlein da vorgehen! Die Abmahn-Haftung? Ja, das wäre was… haha.
Es würde ja wirklich eine eMail mit enstprechendem Hinweis den Link zu entfernen völlig reichen. Aber soweit sind die Majors noch nicht im Jahr 2009.
Ich bin ebenfalls von einer Abmahnung betroffen und auf meiner Website gibt es auch einen Radiobericht zum Thema. Mit Curse, dem Sony Pressesprecher, Matthias von WhiteTapes und mir:
http://www.djron.net/on3-radiobericht-zur-abmahnwelle-gegen-blogs
[...] Schallgrenzen, Stylespion, Venue, Nicorola, Spex, Heytube, Stay Indie Don’t Be A Hater, I♥Pluto Ähnliche Artikel:Viele Köche verderben den BreiWarum wohl Warner Music roccatune mehr liebt als Last.Fm???Das Schlaraffenland ist abgebrannt – jetzt baut jeder seine eigene BurgPortishead velassen Major-Label und wollen neue Wege gehen.Des Tonspions seltsame Wege Share and Enjoy: [...]
[...] Das Messer im Rücken [...]